23.02.2009 · Nie waren die österreichischen Biathleten erfolgreicher als bei der WM in Südkorea. Da kommen sie auf den größten Doping-Skandal in der Geschichte Olympischer Winterspiele mit den Razzien in Turin 2006 nicht gerne zurück. Doch fünf der sechs Betreuer von damals sind noch dabei.
Von Claus Dieterle, Pyeongchang„Nein, bitte keine Fragen zu Turin.“ Jo Schmid, der Pressesprecher der österreichischen Biathleten, wirkt sehr entschlossen. Fast fühlt man sich an die Verweigerungshaltung der Russen in Sachen Doping-Aufklärung erinnert. Dabei kann Dominik Landertinger, der am Samstag im Massenstart in einem furiosen Finale die gesamte Weltelite geschlagen hat, ohnehin nichts Sachdienliches zur Transparenz beitragen.
Der Tiroler ist erst 20 Jahre alt und war 2006 in Turin nicht dabei. Christoph Sumann war es, aber der Mann, der am Samstag Zweiter wurde im Massenstart und tags darauf mit Landertinger in der Staffel Silber holte, reagiert gleich unwirsch: „Olympia 2006 ist für uns gar nicht mehr wahr.“
Nie waren die Österreicher erfolgreicher als in Korea
Nein, auf den größten Doping-Skandal in der Geschichte Olympischer Winterspiele nach den Razzien im österreichischen Quartier kommen sie nicht gerne zurück. Schon gar nicht im Augenblick des größten Triumphs. Denn eines steht fest: Nie waren Austrias Biathleten bei einer WM so erfolgreich wie in Pyeongchang.
Man kann ja über alles reden. Wie sich zum Beispiel der Erfolg erklärt, nachdem das österreichische Biathlon doch am Boden gelegen hat vor drei Jahren. „Da gibt es kein Geheimnis. Das ist alles harte Arbeit“, sagt Sumann und regt sich darüber auf, dass es vor dieser WM wieder Stimmen gegeben habe, die „uns in eine bestimmte Ecke haben drängen wollen“.
Fünf der sechs aktuellen Betreuer waren in Turin dabei
Das seien „Denunzianten, von denen man sich nicht einschüchtern“ lasse. Er sagt, dass man in Korea sportlich die Antwort gegeben habe. Und bemüht den Teamgeist: „Wir haben immer zusammengehalten und sind stärker denn je zurückgekommen.“
Sumann blickt lieber voraus als zurück. „Olympia 2010 ist uns doch viel näher. Da wollen wir schließlich auch Medaillen holen.“ Dabei ist gar nicht sicher, dass in Vancouver österreichische Biathleten an den Start gehen werden. So ganz ist die Turin-Affäre nämlich noch nicht ausgestanden. Das sieht jedenfalls das Österreichische Olympische Komitee (ÖOC) so. Fünf der sechs aktuellen Betreuer im Biathlon-Team hatten auch in Turin die Mannschaft begleitet – sie sind bei Olympia künftig unerwünscht.
Der Skiverband wagt die Konfrontation mit dem ÖOC
Der Österreichische Skiverband (ÖSV) will das nicht hinnehmen und wagt die Konfrontation zum von IOC-Mitglied Leo Wallner geführten ÖOC: Ohne die eigenen Betreuer, heißt es, fahren die Biathleten nicht nach Vancouver. ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel hat der österreichischen Nachrichtenagentur APA auf die Frage, ob er trotz der Erfolge von Südkorea bei dieser unnachgiebigen Haltung bleibe, gerade gesagt: „Das Betreuerteam steht ja, wir haben kein zweites, und damit ist die Frage relativ schnell beantwortet: Wir können kein anderes Betreuerteam schicken, und ohne Betreuer sind die Athleten wahrscheinlich chancenlos.“
Jetzt wartet man beim ÖSV auf Bewegung im eigenen Olympischen Komitee, das derzeit selbst wegen ungeklärter Finanztransaktionen in Turbulenzen steckt. Man könne doch, so Schröcksnadel, hoffnungsvolle junge Leute wie Landertinger nicht indirekt für etwas bestrafen, was sie nicht getan hätten. Es bleibt spannend, wie die Lösung ausfällt. Von wegen, Turin sei schon nicht mehr wahr.