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WM-Kommentar Teamwork statt Einzelkönner

12.07.2010 ·  Glamour hatte diese WM kaum zu bieten. Die Deutschen entdeckten die Lust am Spiel und machten sich viele Freunde. Weltmeister Spanien wurde, zumindest meistens, einem ästhetischen Spitzenanspruch gerecht. Viele Farbtupfer hatte das Turnier in Südafrika aber nicht.

Von Roland Zorn
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Für Fußballromantiker war diese WM nichts, allzu eindeutig setzten sich die Pragmatiker durch. Neue Stars wurden nicht geboren, der Glamour-Faktor hielt sich in Grenzen. Bei dem rund vierwöchigen Turnier zwischen Johannesburg und Kapstadt dominierten zweckdienliches Teamwork und unverbrüchlicher Gemeinschaftsgeist ein Festival, zu dem ausgerechnet die sonst vor allem als erfolgreiche Schwerarbeiter bekannten Deutschen mehr als nur einen Hauch von Leichtigkeit und Esprit beisteuerten.

Der WM-Dritte erfreute sich seiner neu entdeckten Lust am Spiel und machte sich damit viele Freunde. Während die derzeit noch störanfällige, jugendbewegte deutsche Mannschaft von Bundestrainer ein Versprechen auf die Zukunft abgab, bestimmten mit Spanien und den Niederlanden zwei andere Teams vom Alten Kontinent den Lauf der Dinge.

Die spanischen Europameister demonstrierten wie schon bei ihrem ersten großen Titelgewinn vor zwei Jahren ihr ureigenes und bisher von niemand kopiertes Kurz- und Flachpassspiel mit – vor dem Finale zumindest – ästhetischem Spitzenanspruch. Die Niederländer, früher oft begeisternd ins Verhängnis stürmend, sicherten ihren offensiven Elan so stark wie nie in der Vergangenheit ab und packten im Finale, das die Spanier durch Iniestas Tor in der Verlängerung gewannen, auch grobes Fußwerk aus.

FAZ.NET-Torvideo: Das wichtigste Tor der WM

Das afrikanische Märchen wird nicht wahr

Europas beste Mannschaften, die den Absturz anderer Führungsnationen wie Italien, Frankreich und England kompensierten, bauten auf eine 4-2-3-1-Grundordnung. Sie schützten sich damit vor offenen Gefahren und stärkten die Flügel für ihr Konterspiel. So leuchteten die schönen Seiten ihrer Fußballkünste – von den mit 16 Toren besonders treffsicheren Deutschen abgesehen – nur sporadisch auf, gerade das Endspiel litt unter dieser Sparsamkeit. Unter den Umständen dieser WM verstand es sich von selbst, dass die Großmeister des Spiels wie die Spanier Xavi, Iniesta und Villa, der Niederländer Sneijders oder die Deutschen Schweinsteiger und Müller, die Entdeckung der WM, zuerst für ihre Mannschaften und erst danach für sich selbst da waren.

So war es auch bei den Südamerikanern, die mit ihrer Spielstärke und ihrer taktischen Raffinesse wichtige Farbtupfer bei dieser WM setzten. Rekordweltmeister Brasilien musste nach einer schwachen Halbzeit gegen Holland ebenso vorzeitig heimreisen wie die vom Traineranfänger Maradona fehlgeleiteten Argentinier. Dafür überzeugten die kleineren Fußballnationen aus Lateinamerika um so mehr – Uruguay vor allem mit Diego Forlán, einem der besten Spieler der WM, vorneweg, aber auch Paraguay und die erfreulich stürmischen Chilenen. Ein Indiz für die nächste WM in Brasilien, also auf dem eigenen Kontinent? Abwarten.

Afrika hat seine Chance bei der ersten WM auf eigenem Grund und Boden nur in Maßen genutzt. Gastgeber Südafrika schied als erster Gastgeber einer WM schon nach der Vorrunde aus mitsamt vier anderen afrikanischen Teilnehmern. Nur die „Black Stars“ aus Ghana strahlten und hätten mit etwas mehr Glück als erste afrikanische Mannschaft ein WM-Halbfinale erreichen können. Das Märchen ist nicht wahr geworden. Noch nicht, da 2014 allen, die diesmal unter ihren Möglichkeiten bleiben oder einfach Pech hatten, eine neue Chance bietet. Auch den Deutschen, die das Potential zu Weltmeistern von morgen besitzen. Doch was heißt das schon – vier Jahre vor der nächsten WM?

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