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Diesseits von Afrika (7) Im Teufelskreis der gelben Karten

19.06.2010 ·  Ein hellwacher Schiedsrichter im Spiel gegen Serbien. Während er die Karten zückte, durften wir als Zuschauer noch ein bisschen weiterträumen von der unschuldigen, genialen Jugend, die so plötzlich Mattigkeit verspürte.

Von Swantje Karich
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Jede Sekunde hellwach sein! Das forderte der allezeit aufmerksame Béla Réthy von den deutschen Spielern nach wenigen Minuten. Gehört hat es wohl ausschließlich der Schiedsrichter und nahm es sich zu Herzen. Schon die erste gelbe Karte für Klose bezeugte die Hypersensibilität des Spaniers: Der feinfühlige Miro lief sich gerade warm, stolperte noch etwas ungelenk hinter dem serbischen Gegenspieler her - und touchierte dessen Hacken: Gelb. Der Bann war gebrochen.

Jetzt war der Schiedsrichter hellwach und dachte nach: Wenn ich Klose eine gelbe Karte für dieses Foul gegeben habe, dann muss ich ja auch dann . . . und dann . . . und dann . . . die Karte zücken. Eine nachvollziehbare Folgerung. Der gerechte Schiedsrichter geriet in den Teufelskreis der gelben Karten und merkte, dass es keinen Ausweg mehr gab. Er interessierte sich nicht mehr für die alte Weisheit: Ein Zweikampf ist ein Zweikampf ist ein Zweikampf.

Die Abkehr des Trainers von seinen Jungs

Wir hier in der fernsten Ferne können die Geschehnisse nicht objektiv beurteilen, denn die im Schatten sah man nicht. Und die in der Sonne auch nicht. Und unser Fernseher hat sich über die Jahre eine geradezu Gerhard Richtersche Unschärfe angewöhnt. Was bei diesem Spiel ganz angenehm war: Wir durften noch ein bisschen weiterträumen von der so unschuldigen genialen Jugend, die so plötzlich Mattigkeit verspürte. Hat uns nun der irische Fluch erwischt, der bislang nur Frankreich galt? Die Stillstands-Performance lässt die Befürchtung zu.

Elegant war nur die demütige Abkehr des deutschen Trainers von seinen Jungs - und vom sich bekreuzigenden serbischen Torhüter, der gerade Lukas Podolski Elfmeter gehalten hatte. Auch wenn Gunter Sachs sich durchgesetzt hätte, und seine These von der Torerweiterung umgesetzt würde, hätten wir trotzdem verloren. An die Latte knallte der Ball dreimal. Nur einmal war es unserer. Also heißt der deutsche Finalgegner Ghana.

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Jahrgang 1978, Redakteurin im Feuilleton.

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