Theo Zwanziger will Joachim Löw behalten. Das hat er am Montag im Quartier der Nationalmannschaft noch einmal gesagt und den Bundestrainer für die Fotografen ganz eng an seine Seite gezogen. Wie schön doch erfolgreiche Verbindungen sein können. Jetzt hat Joachim Löw nämlich nur noch Freunde, nachdem er mit seinem Team beim 4:0 zum Auftakt gegen Australien fast dreißig Millionen Deutschen ganz viel Freude machte.
Doch von einer neuen Bindung mit seinen Vertragsgegnern von gestern will Löw derzeit nichts hören und längst noch nichts wissen. Nach gerade einmal vier Tagen Weltmeisterschaft treibt ihn nur die Frage um, wie er mit seinen sportlichen Partnern von heute den neuen deutschen Kombinationsfußball in Südafrika zu einem dauerhaften Erfolgsmodell machen kann.
Wenn die Deutschen plötzlich bei einem Turnier so schön wie sonst nur die Holländer anfangen – enden sie dann vielleicht auch so traurig? Oder werden sie zu den neuen Spaß-Weltmeistern? Oder werden etwa die Holländer erstmals Weltmeister, weil sie nun so unspektakulär beginnen wie sonst die Deutschen?
Erst will Löw nicht bremen - nun hält er sich zurück
Was es bedeutet, durch Lust und Laune auf dem Platz ganz früh auf sich aufmerksam zu machen, und was passieren kann, wenn man sich spielerisch überlegen fühlt – mit all diesen Nebenwirkungen des schönen Spiels haben deutsche Nationalspieler in den vergangenen Jahren jedenfalls keine große Erfahrung machen dürfen.
Der Bundestrainer, der in der Woche vor der Weltmeisterschaft nach dem aufmunternden Erfolg gegen Bosnien die Begeisterung in seinem jungen Team auf keinen Fall bremsen wollte, hat sich nach dem Auftakterfolg in Durban auffällig zurückgehalten. Er sei auf die „Euphoriebremse“ getreten, heißt es dann – als ob das deutsche Team ein Auto wäre und man Gefühle mit dem Pedal regeln könnte.
Am liebsten hätte der Bundestrainer am Sonntag nur das Spiel für sich sprechen lassen. Was er und die Mannschaft geleistet hatten, war ja auch offensichtlich – ebenso, dass er mit all seinen Entscheidungen und Fußball-Vorstellungen zum Auftakt recht behalten hatte. Nach der Partie berichteten erfahrene Spieler wie Per Mertesacker, dass auch die jungen Spieler ihr Glück ziemlich gut fassen konnten.
Junge Generation besitzt die deutsche Fußball-DNA
Jubelstürme bedrohten jedenfalls nicht die sehr WM-taugliche deutsche Fähigkeit zur nüchternen Selbsteinschätzung. Es spricht eine Menge dafür, dass von der Art und Weise des Erfolgs keine unangenehmen Nebenwirkungen zu befürchten sind. Die DNA des deutschen Fußballs – zu wissen, wie Gewinnen geht – besitzt auch diese Generation.
Sie hat gegen Australien daher nur einen besonders schönen Anfang gemacht, der ihre zusätzlichen Fähigkeiten offenlegte. Aber noch nie ist eine Mannschaft Weltmeister geworden, die sieben Spiele lang das Publikum verwöhnte. Die junge deutsche Generation wird daher beweisen müssen, dass sie Rückschläge während eines Spiels und eines Turniers überwinden kann – zutrauen muss man ihr auch das.
die leistung der deutschen mannschaft...
Theo Schönburg (kleio62)
- 15.06.2010, 13:04 Uhr
Was soll diese Berichterstattung?
Rolf Huchthausen (huchthausen)
- 15.06.2010, 17:14 Uhr
