22.06.2010 · Der Gastgeber ist raus aus der Weltmeisterschaft, aber Südafrika geht beim 2:1 über den selbstzerstörerischen Gruppenletzten Frankreich wenigstens mit einer überzeugenden Leistung.
Von Roland Zorn, BloemfonteinSie sind zwar als erster Gastgeber einer Fußball-Weltmeisterschaft schon in der Vorrunde gescheitert, doch ihre Abschiedsvorstellung war zumindest hinreißend. 2:1 besiegte Südafrika am Dienstagnachmittag im Free-State-Stadion von Bloemfontein durch Tore von Khumalo (21. Minute) und Mphela (37.) bei einem Gegentreffer von Malouda (70.) die nicht einmal mehr entfernt an einen früheren Weltmeister erinnernde Equipe von Frankreich, kam damit aber bei Punktgleichheit mit Mexiko und der schlechteren Tordifferenz dennoch nicht über Rang drei hinaus (siehe: 1:0 gegen Mexiko: Uruguay ist Gruppensieger).
Frankreich dagegen setzte noch das I-Tüpfelchen auf seine blamable Tour durch Südafrika. „Les Misérables“ wurden sieglos Letzte und verabschiedeten sich zu zehnt von dem Turnier, weil Gourcuff schon nach 26 Minuten die Rote Karte vorgehalten wurde. „Wir sind traurig und enttäuscht. Die Mannschaft hat ein riesiges Potenzial. Ich wünsche meinem Nachfolger viel Glück“, sagte Frankreichs Trainer Raymond Domenech, der aus dem Amt scheidet für den neuen Trainer Laurent Blanc. „Die Spieler sind solidarisch ins Spiel gegangen. Aber wenn es nicht läuft, dann läuft es nicht.“
„Stürmt die Bastille, Bafana“, hatte die Tageszeitung „The Star“ der auf fünf Positionen im Vergleich zum letzten Spiel veränderten südafrikanischen Nationalmannschaft vor ihrem Abschied von der WM zugerufen. Doch mit wem oder was wollte „Bafana Bafana“ schon stürmen, da doch die Attacke bisher immer nur versprochen, aber nie in die Tat umgesetzt worden war. Nun aber gegen „Les Bleus“, die Skandalnudel dieses Turniers, wollte es die Mannschaft von Trainer Carlos Alberto Parreira, der nach dem Spiel erwartungsgemäß seinen Abschied aus Südafrika verkündete, endlich wissen. Zu spät, um den Weg ins Achtelfinale noch zu finden?
Die viel höher eingeschätzten Franzosen dagegen hatten sich in Südafrika in der Kunst der Selbstzerstörung gefallen, ein Training boykottiert, ihren scheidenden Trainer Raymond Domenech demontiert und dazwischen ihren Stürmerstar Anelka nach groben Beleidigungen gegen den Chefcoach heimgeschickt. Inzwischen ist der wahre Chef dieses Teams der Jeder-gegen-jeden-Einzelkämpfer eine starke Frau: die Sportministerin Rosely Bachelot, die den Fußballern im Auftrag von Staatspräsident Nicolas Sarkozy bei einer Brandrede („ein moralisches Desaster, die Spieler haben den Ruf Frankreichs angekratzt“) die Leviten las. Beifall und Tränen soll es danach gegeben haben und das Versprechen, wenigstens noch einmal etwas von Frankreichs Gloire am Ball zu zeigen.
Hoffnung nach Uruguays Führung
Allerdings ohne den auf die Bank versetzten und durch Diarra ersetzten Kapitän Evra, der einer der Rädelsführer der Rebellion gegen Domenech war. Kollege Ribéry, der sich mit Kollege Gourcuff gefetzt hatte, durfte Seite an Seite mit dem Mittelfeldkönig von Girondins Bordeaux auflaufen. Lange währte die neue Entente Cordiale nicht, da der kolumbianische Schiedsrichter Ruiz den Antreiber in der 26. Minute nach einem Ellbogenstoß der minderen Härte gegen Sibaya vom Platz stellte - eine zu harte Entscheidung.
Da aber führte die wie aufgedreht um ihre letzte Chance kämpfende Bafana schon 1:0, weil Torhüter Lloris nach einem Eckstoß am Ball vorbei geflogen war und Innenverteidiger Khumalo per Kopf die Chance zum 1:0 gab (21.). Besser noch: Mphela, Südafrikas bester Stürmer, setzte sich nach einer Hereingabe von Tshabalala im Fünfmeterraum durch und erzielte das 2:0 (37.). Nun tobten die Massen in den gelben Trikots, zumal im Parallelspiel der Gruppe A Uruguay gegen Mexiko wenig später in Führung ging - und der überraschende Weg ins Achtelfinale doch noch möglich schien. Mexiko 3:2 Tore, Südafrika 3:4 - der Abstand der inzwischen punktgleichen Teams im Kampf um Gruppenplatz zwei war auf ein Minimum gesunken.
Bafana, Bafana wäre ein Gewinn gewesen
Leidenschaftlich versuchten die Südafrikaner, angepeitscht von ihren Fans, das zunächst unmöglich scheinende doch noch möglich zu machen. Pienaar, der sein bestes Turnierspiel ablieferte, glänzte immer wieder mit Pässen in die Spitze, und dort wartete der an diesem Dienstag eminent torgefährliche Mphela auf den nächsten großen Moment. Einmal die Latte (51.), einmal der nun starke Lloris (58.) und einmal das Außennetz (63.) standen einem weiteren Treffer des Angreifers der Mamelodi Sundowns im Wege.
Als die 39.000 Zuschauer im ausverkauften Free-State-Stadion dem 3:0 entgegenfieberten, schlugen indes die Franzosen zu. Der Bayern-Star Ribéry, endlich einmal fast auf der Höhe seiner Fertigkeiten, passte den Ball zu Malouda, und der musste ihn nur noch ins leere Tor schieben (70.). Kurze Stille in der Arena, denn nun war so gut wie jedem klar, dass sich Südafrika in seinem vielleicht besten Länderspiel überhaupt glorreich von der WM würde verabschieden müssen. So wie die Bafana am Dienstag aufgetrumpft hat, wäre sie auch ein Gewinn für die nächste WM-Runde gewesen.
manchmal frage ich mich,
Kirstin Minge (KirstinMinge)
- 22.06.2010, 20:58 Uhr
@Vladislav Pereiaslavets - ich stimme absolut nicht mit ihnen überein
Paul Banaschak (paul.banaschak)
- 23.06.2010, 08:45 Uhr
Frankreich hat schwach gespielt - der Schiedsrichter noch viel erbärmlicher
Paul Banaschak (paul.banaschak)
- 23.06.2010, 08:47 Uhr