Laut juchzend rasen drei Kinder gleichzeitig auf Rollbrettern eine Rampe herunter und prallen nach einigen Metern Auslauf gegen dicke blaue Matten. Nebenan leuchten die bunten Griffpunkte der Kletterwände wie amerikanisches Kaugummi, weiter hinten schwingen vier Mädchen die Hüften beim Hula-Hoop-Wettbewerb - wer hält am längsten durch?
Die Halle 6.1 der Frankfurter Messe ist zur Zeit ein einziges Kinderturn- und Spaßland. Wer ist geschickt im Balancieren? Der sollte mal die junge Trendsportart „Slackline“ ausprobieren: Auf einem fünf Zentimeter breiten Gurtband balanciert es sich schwebend wie beim Zirkus. Profis können sogar springen auf dem Band, das zwischen zwei einfachen Turnkästen gespannt wurde. Die elfjährige Tatjana aus Dieburg hat es versucht: Ganz vorsichtig ist sie ein paar Schritte gegangen - in etwa einem Meter Höhe. „Es macht Spaß“, sagt sie lachend, „ist aber auch ganz schön schwierig.“ Macht nichts - Anfänger werden auch gerne an die Hand genommen. Hauptsache, man hat das wippende, schwebende Vorantasten, das Konzentration und ein gutes Gleichgewichtsgefühl erfordert, mal versucht.
Elf sportlich spielerische Stationen
Mitmachen ist alles. Das gilt auch für den Tuju-Parcours der Turnerjugend. Wer will, holt sich eine Stempelkarte und probiert viele verschiedene Geschicklichkeitsübungen aus: Beim „Pipejuggling“ muss eine gebogene Plastikröhre mit den Händen so geschwungen werden, das der Ball auf der einen Seite oben heraus fliegt und - mit dem anderen Ende der Röhre wieder aufgefangen wird. „Ja!“ schreit der zwölfjährige Tom aus Frankfurt. „Ich habe zehn Minuten geübt, jetzt hat's geklappt“, freut er sich. Elf solcher sportlich spielerischer Stationen enthält der Parcours - wer's geschafft hat, darf sich ein Schweißband und eine Urkunde abholen.
In den Hallen 6.0 und 6.1 der Frankfurter Messe schlägt das Herz des Kinder- und Jugendprogramms des Internationalen Turnfestes. Auf jeweils etwa 9000 Quadratmetern können Kinder, Jugendliche und natürlich auch Erwachsene bekannte und neue Sportarten ausprobieren, ihre Fitness testen, ganz neue Erfahrungen machen. Zum Beispiel beim Tischtennis, hier allerdings mit dem Kopf und einer Art Volleyball gespielt, genannt „Headis“. Oder in dem dreidimensionalen Rotationsgerät Aerotrim: Ein Teilnehmer wird in das Gestänge gestellt, an den Füßen festgeschnallt, die gestreckten Arme greifen in den ersten Metallring. Dann beginnt das gewaltige Gerät aus drei großen Ringen sich zu drehen, der mutige Teilnehmer wird über Kopf, vorwärts, rückwärts, diagonal, links- und rechtsherum geschwenkt. Schon der Anblick ist schwindelerregend, das Gerät kommt aus dem Astronautentraining und ist nichts für schwache Nerven.
Ein Ausflug ins Tuju-Land
Floorball (eine Mischung aus Eis- und Feldhockey), klassisches Tischtennis gegen eine Ballmaschine, eine Pipe für Inlineskater, Bogenschießen, Judo - jeder kann alles probieren. Besonders beeindruckend: Ein Parcours des Behinderten Sportverbandes, bei dem man sich im Rollstuhl oder mit einer stark sichtbehindernden Brille bewegen müssen. „Das war echt schwer“, sagt die elfjährige Karoline aus Eisenberg in der Pfalz nachdenklich. „Ich glaube, ich kann mir jetzt viel besser vorstellen, wie ein Blinder sich fühlt.“ Auch dafür lohnt sich ein Ausflug ins Tuju-Land des Turnfests.
Die Messehallen 6.0 und 6.1 und das Außengelände sind bis Freitag täglich von 9 bis 18 Uhr geöffnet. Der Zugang erfolgt am einfachsten über den Eingang Torhaus, S-Bahn-Station „Messe“. Zutritt hat jeder, der eine Festkarte besitzt oder die Tageskarte Turnfest LIVE für zehn Euro kauft.
