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Rope Skipping Große Sprünge und ein bisschen Show

01.06.2009 ·  Sebastian Deeg kam durch seine Lust auf Amerika zum Rope Skipping. Heute ist er ein untypischer Vertreter seine Sportart – und einer der besten der Welt. Auch er ist beim Turnfest in Frankfurt dabei.

Von Michael Brehme
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Manche Sportlerkarrieren benötigen schon einen skurrilen Beginn, um richtig erfolgreich werden zu können. Weil seine Schwester mit ihrer Rüsselsheimer Seilspringergruppe zu einem Trainingslager in die Vereinigten Staaten fliegen durfte, war Sebastian Deeg einst aufmerksam geworden auf diesen Sport. „Nach Amerika wollte ich damals schon immer“, sagt er, und so ging der kleine Sebastian irgendwann einfach mal mit zum Training seiner Schwester, den Traum von Übersee immer im Hinterkopf. Er nahm die ersten Seile in die Hand, er probierte ein bisschen herum. Er hatte Talent – und durfte bleiben.

Es vergingen viele Jahre, dreizehn an der Zahl, es passierte einiges, das Seilspringen bekam eine modernere Prägung, es wurde akrobatischer, es hieß jetzt Rope Skipping. Deeg blieb dem Sport treu, und inzwischen hat er schon „die ganze Welt gesehen“. Er war nicht nur in Amerika, er war in Australien, in Südkorea, in England, Ungarn, Belgien, Kanada, Dänemark. Zuletzt in Südafrika. Deeg ist herumgekommen mit seinen dreiundzwanzig Jahren, aber nicht nur das. Heute ist er der erfolgreichste Rope Skipper Deutschlands – und einer der besten auf der Welt.

Viermal deutscher Meister

Dabei ist Deeg alles andere als der geborene Seilspringer. „Er ist viel zu groß“, sagt seine Trainerin Signe Richter. Ein Meter einundneunzig – „der Weg für das Seil ist sehr lang, und das ist in unserem Sport ein deutlicher Nachteil.“ Dafür bringt der Modellathlet aber auch einen großen Vorteil mit: eine Sprungkraft nämlich, „die wahrhaft außergewöhnlich ist“, sagt Signe Richter. Sie ist Deegs Trainerin vom ersten Tag an gewesen bei der TG Rüsselsheim, sie hat die Seilspringerabteilung zum bundesweiten Vorbild für andere Klubs gemacht. Viermal führte sie ihren Vorzeigespringer Deeg zur deutschen Meisterschaft, viermal gewann auch das Team.

Am Dienstag steht die nächste Einzelmeisterschaft an – mit Deeg und acht weiteren Rüsselheimer Startern. „Das ist für mich diesmal schon ein besonderer Druck“, sagt Deeg, der aus Rüsselsheim kommt, in Wiesbaden zur Universität geht – und auf dem Frankfurter Turnfest gefordert sein wird. Es steht viel auf dem Spiel, weil es ein quasi-Heimspiel ist für die Rüsselsheimer. Und so geht Signe Richter, die kantige Dame, auch nicht gerade zimperlich mit ihren Seilspringern um, in der Vorwoche vor diesem Großereignis. Sie korrigiert und bemängelt Fehler; „wenn dir das am Dienstag passiert, dann kannst du gleich zu Hause bleiben“, schreit sie herein.

„Wir betreiben einen seriösen Sport“

Deeg ist nicht gemeint, er übt in der anderen Ecke. 1999 war Deeg Europameister mit der Mannschaft und im vergangenen Jahr Weltmeisterschaftsdritter im Freestyle-Wettbewerb, der spektakulärsten Variante des Rope Skippings. In 75 Sekunden werden die unterschiedlichen Sprünge mit Musikuntermalung präsentiert, natürlich möglichst die schwierigsten. Auch Technik und Kreativität werden vom Kampfgericht beurteilt, „je spektakulärer, desto besser“, sagt Deeg.

Und trotzdem: Viel Geld ist mit Rope Skipping nicht zu verdienen. Es ist eine Trendsportart mit amerikanisch-modernem Touch, aber einer bis dato doch eher übersichtlichen Zahl an Athleten – weshalb auch die Preisgelder übersichtlich bleiben. So muss sich Deeg auch andere Plattformen suchen, um aus seinem Talent etwas mehr herauszuholen – durch Showvorführungen und durch Fernsehauftritte, bei privaten und öffentlich-rechtlichen Sendern. „Das ist durchaus erfolgreich“, sagt er. Zwangsläufig – denn Rope Skipping steht für Außergewöhnliches und Extravagantes, für Flickflacks und Spagate, für wilde Salti in der Luft und Sprünge wie dem „Triple Under Cross“, bei dem der Athlet einmal hochspringt – und das Seil dreimal unter sich durchschwingt. „Wir betreiben natürlich einen seriösen Sport“, sagt Deeg, „aber man muss auch offen sein für Bühnen, bei denen die Show im Mittelpunkt steht.“

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