18.03.2010 · Weil das Volleyballfeld besetzt war, spielten Studenten den Ball auf der Tischtennisplatte mit dem Kopf über das Netz. Headis war geboren. Mittlerweile tragen begeisterte Spieler ihre eigene Weltmeisterschaft in der Randsportart aus.
Von Bastian SteineckWährend die Kommilitonen nach Stunden im Schnee die Beine hochlegten, ging es für Marvin Löscher bei der Skiexkursion im April 2008 von der Piste direkt an die Platte. Gespielt wurde Kopfballtischtennis: eine Sportart, die Löschers Snowboardlehrer erfunden hatte und „Headis“ nannte, zusammengesetzt aus der englischen Bezeichnung für Kopf (head) und dem Wort Tennis.
Für Löscher war es eine Liebe auf den ersten Kick. Drei Monate später nahm Marvin Löscher an der Weltmeisterschaft im Headis teil und darf sich seither Weltmeister nennen. Seinen Titel konnte er im folgenden Jahr verteidigen. Auch 2010 geht der mittlerweile 24 Jahre alte Löscher an den Start, wenn Ende Juli in Göttingen der weltbeste Headis-Spieler gesucht wird.
Gebückt stehen und in die Beine gehen
Headis wurde aus der Not heraus geboren: Der damalige Student René Wegner, später Marvin Löschers Snowboardlehrer, wollte mit Freunden im Freibad Fußballtennis spielen. Da das Beachvolleyballfeld besetzt war, wichen sie auf die Tischtennisplatte aus und spielten sich den Ball mit dem Kopf zu. Kopfballtischtennis, Headis, war geboren.
„Headis lernt man schnell, bei mir hat es sofort geklappt“, erinnert Löscher sich an seine ersten Versuche. „Wer Fußball spielt, bringt eine gute Antizipation für den Ball und das richtige Kopfballspiel mit. Wie beim Tischtennis ist die Beinarbeit sehr wichtig“, erklärt er und rät: „Immer ein bisschen gebückt stehen und in die Beine gehen.“
„Anstrengender als es aussieht“
Headis folgt den normalen Tischtennisregeln: Ein Satz geht bis 11, gespielt wird mittlerweile mit einem speziell für Headis hergestellten Ball, der in Größe und Gewicht einem Volleyball ähnelt. Anstelle von Schlägern darf jedoch nur mit dem Kopf gespielt werden. Außerdem ist das Berühren der Platte erlaubt, was spektakuläre Volleyannahmen und Hechtsprünge der Spieler möglicht macht. Gefährlich ist der Sport trotzdem nicht. „Wenn es eng wird, zieht man den Kopf automatisch zurück. Nur bei flachen Bällen streift man ab und zu die Platte.“
Ein guter Headis-Spieler serviert die Bälle möglichst abwechslungsreich. „Nicht nur druckvolle, lange Bälle spielen“, empfiehlt Löscher, „sondern auch mal einen Stoppball und die Richtung variieren.“ Das Spiel fordert vollen Körpereinsatz der Spieler. „Es ist anstrengender als es aussieht“, sagt Löscher. „Headis geht ganz schön in die Oberschenkelmuskulatur und in die Beine.“
Löscher weiß, wovon er spricht. Schließlich befasst er sich auch im Rahmen seiner Bachelorarbeit an der Universität Saarbrücken im Fach Sportwissenschaften mit der Sportart: „Ich möchte ein physiologisches Anforderungsprofil eines Headis-Spielers erstellen. Da merkt man, dass die Laktat-Werte mit denen des Badmintons gleichzusetzen sind. Es geht eben richtig intensiv zu.“
„Deutsche Meisterschaft mit ausländischen Teilnehmern“
Noch wird der Sport hauptsächlich von Studenten betrieben. „Wir sind eine feste Gemeinschaft geworden“, erzählt Marvin Löscher. Nach jedem Turnier gibt es eine gemeinsame Feier, auf der etwaige Spielschulden beglichen werden. Bei einem glatten 0:11-Satzverlust ist ein Weizenbier fällig. Dass beim Headis der Spaß im Vordergrund steht, beweisen auch die Kampfnamen der Spieler: Headi Bobic, Headtrick Helmes oder Spagheadi Bolognese.
Dennoch möchte man ernst genommen werden. Von Seiten der Medien erhält Headis vermehrt Aufmerksamkeit, Erfinder René Wegner promotete den Sport bereits in den Vereinigten Staaten. Mittlerweile haben sich eigene Vereine gebildet, Universitäten wie Darmstadt und Trier haben Headis in ihr Hochschulsport-Angebot aufgenommen. Das Hauptinteresse fokussiert sich jedoch noch auf die Bundesrepublik. „Zur Weltmeisterschaft kamen auch Spieler aus Luxemburg, der Schweiz und Österreich angereist. Von anderen Kontinenten fliegt aber noch niemand ein“, räumt Löscher ein. „Das war eher eine Deutsche Meisterschaft mit ausländischen Teilnehmern.“