15.09.2011 · Philip Köster ist der erste deutsche Weltmeister im Wellenreiten, der Königsdisziplin des Windsurfens. Der Siebzehnjährige gilt als Jahrhunderttalent und wird mit Robby Naish und Björn Dunkerbeck verglichen.
Von Michael EderEr ist der neue Robby Naish. Oder der neue Björn Dunkerbeck? Der 17 Jahre alte Philip Köster, der beim Weltcup in Klitmöller/Dänemark am Mittwoch vorzeitig Windsurf-Weltmeister im Wellenreiten wurde, reizt die Beobachter zu den größten Vergleichen, die das Windsurfen zu bieten hat.
Köster, der alle Weltcups in dieser Saison gewann, gilt als Jahrhunderttalent, er ist nicht nur der erste deutsche Windsurf-Weltmeister, sondern nach dem Hawaiianer Naish auch der zweitjüngste in der Geschichte der Sportart.
Die Experten trauen ihm zu, die Disziplin in den kommenden Jahren zu beherrschen, wie dies Naish und Dunkerbeck in ihren großen Jahren gelungen ist. Nach seinem Sieg in Klitmöller ist Köster der Titel beim abschließenden Weltcup auf Sylt (23. September bis 2. Oktober) nicht mehr zu nehmen. Die Konkurrenz fährt weit hinterher.
Philip Köster ist auf Gran Canaria geboren und am kargen Strand von Vargas ein paar Meter vom Meer entfernt aufgewachsen. Seine Eltern betrieben eine Surfschule, nachdem sie Mitte der achtziger Jahre von Hamburg auf die Kanaren gezogen waren.
Wellenreiten ist die Königsdisziplin des Windsurfens, es geht dabei nicht nur darum, die Wellen gekonnt abzureiten, sondern vor allem um möglichst spektakuläre Sprünge – und da ist Köster eine Klasse für sich. Seine Spezialität ist der doppelte Front-Loop, ein doppelter Vorwärtssalto, den er auch in Klitmöller in Perfektion zeigte. Die dreifache Version dieses Sprunges probt er im Training, und es ist nur eine Frage der Zeit, wann er sie zum ersten Mal steht.
Mit 18 Metern ist ihm als Vierzehnjährigen der bisher höchste Sprung gelungen, den es im Windsurfen jemals gegeben hat. Schon mit zwölf Jahren war Köster im Weltcup am Start, im vergangenen Jahr verließ er die deutsche Schule in Las Palmas mit der mittleren Reife und konzentriert sich seither vollends auf seinen Sport.
Ständiger Reisebegleiter ist sein Vater Rolf, während Mutter Linda daheim in Vargas die organisatorischen Fäden in den Händen hält und Reisen und Flüge plant, was nicht einfach ist. Nach Klitmöller sind die Kösters mit 150 Kilogramm Gepäck angereist, mit sieben Brettern und zehn Segeln – Standardausrüstung für einen Windsurf-Profi.