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Footbag Fußballtennis mit Sandbällchen

10.07.2009 ·  An diesem Wochenende treffen sich die besten Footbag-Spieler in Frankfurt zu einem internationalen Turnier. Die spektakuläre Randsportart vereint auf einem Badmintonfeld Regeln des Volleyballs mit der Technik des Fußballs. FAZ.NET schaute beim Training zu - auch mit der Videokamera.

Von Robin Fehrenbach, Frankfurt
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Mitte der neunziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts gab es vermutlich kaum einen Pausenhof an den Schulen dieser Republik, auf dem nicht vornehmlich Jungs mit einem Hacky Sack spielten.

Das ist ein mit Granulat und Sand befülltes Säckchen aus Stoff, das sie von der Fußinnenseite oder dem unteren Ende des Fußrückens so hoch in die Luft beförderten, dass sie in diesem winzigen Augenblick mit dem linken oder rechten Bein schnell rotierten, bevor sie das Spielgerät wiederum für einen kurzen Moment auf dem Fuß in eine sanfte Ruheposition brachten. Heute hat sich die sogenannte Freestyle-Variante des Footbags längst kultiviert. Die spektakuläre Weiterentwicklung dieser höchst unterhaltsamen Randsportart führte die Spieler aufs Feld und ans Netz.

An diesem Wochenende lässt sich die Evolution bei einem mit Spielern von internationaler Klasse besetzten Turnier im Brentanobad begutachten. Frankfurt Footbag Open Bembel Cup 2009 heißt die Veranstaltung, die der Verein SG Frankfurt Footbag zusammen mit der Stadt ausrichtet. Gespielt wird auf sechs Plätzen, der Centre Court bietet etwa 150 Zuschauern Platz auf der Tribüne. Von dort aus werden sie ein Spiel verfolgen können, das auf einem Badmintonfeld Regeln des Volleyballs mit der Technik des Fußballs vereint. Mit maximal drei Ballkontakten müssen die beiden Akteure auf jeder Seite - im Turnier wird ausschließlich Doppel gespielt - den Footbag über das Netz kicken. Im Gegensatz zum ursprünglichen Hacky Sack ist das Säckchen hier etwas größer als ein Golfball, komplett mit Granulat gefüllt und aus hochwertigem Leder. Nur so ist es überhaupt möglich, den Ball mit den glatten Außenflächen der Spezialschuhe kontrolliert und vor allem direkt zum Partner zu spielen.

Der einfachste Angriff wird Pusher genannt

„Es dauert Monate, bis man die Grundzüge drauf hat. Das kann frustrieren. Aber irgendwann macht es Klack“, sagt der Frankfurter Hannes Daniel, der 2003 und 2004 bei großen Veranstaltungen acht Mal unter die besten Drei kam. Und wenn es Klack, Klack, Klack macht, dann hört man, dass ein Duo das Spiel beherrscht, über Automatismen verfügt und sich Gedanken über die Taktik machen kann. In diesem Fall wird also der Footbag per Angabe mit der Innenseite über das Netz gekickt; der annehmende Spieler zieht einen Unterschenkel seitlich hoch, sobald das Spielgerät auf Hüfthöhe ist, stellt es mit der Außenseite eines Fußes auf den Mitspieler, der wiederum mit der gleichen Technik den Ball dicht vor das Netz stellt, damit es zum Angriff kommen kann. Der besteht aus einem Schmetterball, dem Spike, der je nach Variante Sweep, Sun back oder auch Toe Spike heißt. Unschwer zu erkennen, dass dieser Sport seine Wurzeln in Amerika hat. Der einfachste Angriff wird Pusher genannt: Mit der Sohle stößt man den Footbag über das Netz.

24 bis 28 Mannschaften treten beim Turnier der International Footbag Players' Association (IFPA) im Brentanobad zunächst in Gruppen gegeneinander an. Am Sonntag kommt dann ab den Viertelfinal-Partien das K.O.-System zum Tragen. Entweder wird ein Satz bis 15 Punkte ausgespielt, oder es werden zwei Sätze bis 11 Punkte ausgetragen. Das hängt davon ab, wie viele Teams nach Rödelheim kommen. Alexander Bartsch, der 33 Jahre alte Vorsitzende des Frankfurter Klubs, schwärmt jedenfalls vom Brentanobad als Austragungsort des Footbag-Events: „Wenn es heiß wird, können die Spieler ins Wasser. Die Zuschauer kühlen sich ja sowieso ab.“ Das wird nötig sein, weil damit zu rechnen ist, dass sich die Profis sehr lange Ballwechsel liefern werden. Die Frankfurter sind mit ihren besten Spielern am Start, mit Hannes Daniel, mit dem Einzel-Europameister von 2003 Andreas Wolff, mit dem Doppel-Weltmeister der Jahre 2001 und 2006 Florian Götze sowie mit Lisa Uebele, Doppel- und Mixed-Weltmeisterin von 2006 und 2008. Aus den besten Zehn der Weltrangliste stoßen noch drei Kanadier hinzu. Frankfurt dient als Vorbereitungsturnier für die in der kommenden Woche beginnende Weltmeisterschaft in Berlin.

„Frankfurter Stil“

Obwohl das Turnier von Rang und Namen ist und sich etablieren soll, sagt Bartsch lässig: „Wir nehmen es nicht so bierernst.“ Gerade im Training der SG Frankfurt Footbag geht es entspannt zu. Im Sommer treffen sich die Betriebswirte, Künstler und Studenten beinahe täglich auf der unteren Wiese am Eingang des Grüneburg-Parks. Die Anlage gegenüber vom Palmengarten sei ihr Wohnzimmer, sagt Bartsch, aber „in der Halle lernt man Footbag am besten, ohne die Faktoren Wind und hubbeliger Boden.“

Im Winter trainieren die Mitglieder des im Jahr 2000 gegründeten Vereins in der Fachhochschule und in der Halle der Elisabethenschule. Ganz gleich, ob sie unter freiem Himmel oder geschlossenem Dach an ihrer Technik feilen, verinnerlichen sie das, was Alexander Bartsch den „Frankfurter Stil“ nennt: „Mit Auge und durchtrieben, kurz antäuschen und lang spielen. Oder taktisch über die Feldaufteilung etwas ausrichten: Das zeichnet uns aus.“

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