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Baseball „Darauf einlassen, um die Faszination zu entdecken“

27.10.2010 ·  Die Spiele der World Series begeistern in Amerika Millionen Fans. Und in Deutschland? Arndt Wiedmaier, Geschäftsführer des Deutschen Baseball-Verbandes über schlagende Werfer, vermeintlich komplizierte Regeln und Nächte vor dem Fernseher.

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In der Nacht zum Donnerstag findet das erste Spiel zwischen den Texas Rangers und den San Francisco Giants statt. Werden Sie aufstehen und es sich anschauen?

Früher saß ich fast jede Nacht vor dem Fernseher. Über fünfzehn Jahre lang habe ich alle Spiele der World Series gesehen. Aber wenn man ein bisschen fester im Berufsleben steht, geht das leider nicht mehr. Ich sehe mir maximal ein oder zwei Spiele am Wochenende an.

Wen feuern Sie an, wenn Sie am Fernseher sitzen?

Ich denke, dass die Rangers ein wenig favorisiert sind, auch wenn beim Baseball ziemlich oft die Tagesform entscheidet. Da ich seit 25 Jahren Fan der St. Louis Cardinals bin, ist es mir aber eigentlich egal. Ich hoffe einfach auf spannende Spiele.

In der World Series trifft der Sieger der National League auf den Sieger der American League. In beiden Ligen gibt es aber unterschiedliche Regeln - nach welchen spielen beide Mannschaften denn?

Der Hauptunterschied bei den Regeln ist eigentlich, dass in der National League der Pitcher - also der Werfer - auch zum Schlagmann wird. In der American League kann der Pitcher jedoch durch einen zehnten Spieler ausgewechselt werden, den sogenannten Designated Hitter. In der World Series wird immer nach den Regeln der Heimmannschaft gespielt. Meiner Meinung nach ist diese dann auch im Vorteil, weil die Pitcher der National League auch Erfahrung als Schlagmänner haben. In der American League schlagen die Pitcher so gut wie nie. Die Teams haben spezielle Spieler, die sie nur zum Schlagen einwechseln. So hat sich jeder auf seine Regeln spezialisiert.

Woher kommen eigentlich diese verschiedenen Regeln? Beide Ligen sind doch im selben Verband.

Das hat sich parallel so entwickelt. Die American League hat den Designated Hitter 1973 eingeführt, um das Spiel noch ein wenig offensiver zu machen. Und in der National League gab es eben mehr Traditionalisten, die die Regeln nicht anpassen wollten.

Schauen wir auf den Baseball in Deutschland: Anders als Basketball, Eishockey oder sogar Football ist der Sport hierzulande ja nicht so präsent.

Sicherlich kann man die Präsenz nicht vergleichen. Viele Menschen tun sich mit den scheinbar komplizierten Regeln schwer und halten das Spiel dadurch für langweilig. So ähnlich ist es ja auch beim Football. Ich muss mich eben erst auf den Sport einlassen, um seine Faszination zu entdecken. Das ist immer so.

Beim Finale um die deutsche Meisterschaft zwischen Heidenheim und Regensburg waren 2.500 Zuschauer dabei. Wie zufrieden sind Sie damit?

Sehr. Ich glaube, mit diesen Zahlen können wir fast schon mit Sportarten wie Hockey oder Volleyball mithalten. Außerdem muss man bedenken, dass Baseball nicht einfach in einer Halle oder einem Fußballstadion gespielt werden kann. Für viele Vereine wäre es ein viel zu hohes Risiko, Stadien mit 6.000 Plätzen zu bauen, nur um vielleicht einmal in der Saison annähernd so viele Zuschauer zu haben.

Dirk Nowitzki ist in der NBA ein Superstar, in der NHL spielen auch einige Deutsche. Wie viele deutsche Talente hoffen auf den Sprung in die MLB?

Es gibt einige, die in den Ligen unterhalb der MLB spielen. Max Kepler oder Kai Gronauer stehen zum Beispiel bei den New York Mets und den Minnesota Twins unter Vertrag. Sie sind dabei sich dort für die Profiteams zu empfehlen. Für den Baseball in Deutschland wäre es mit Sicherheit ein großer Vorteil, wenn es in Amerika eine bekannte Figur gäbe. Auf der anderen Seite müssen wir natürlich realistisch bleiben: Eine Art Dirk Nowitzki wird es in der MLB die nächsten Jahre nicht geben.

Die World Series

Das Finale der beiden amerikanischen Baseball-Profiligen - National League und American League - gibt es seit 1903. Die Spiele werden nach der Regel Best-of-Seven ausgetragen und müssen innerhalb von neun Tagen beendet werden. Die World Series ist nach dem Super Bowl das wichtigste Sportereignis in den Vereinigten Staaten. Millionen Fans verfolgen die Spiele live vor dem Fernseher, im Internet werden Tickets zu Preisen zwischen 500 und 5000 Dollar pro Spiel angeboten. Das erfolgreichste Team in der World Series sind mit 27 Siegen bei 40 Teilnahmen die New York Yankees. In diesem Jahr treffen die San Francisco Giants auf die Texas Rangers. Für die Rangers ist es die erste Teilnahme.

Die Fragen stellte Sebastian Reuter

Quelle: FAZ.NET
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