01.08.2010 · Ihren Überraschungsgegner Frankreich beherrschen die deutschen American Footballspieler beim 26:10-Sieg im Finale von Beginn an. Sie werden Europameister - und erhoffen sich einen Schub für ihren Sport.
Von Arne Leyenberg, FrankfurtDas Häuflein Hartgesottener verlor sich zwischen den Imbissbuden. Während sich Touristen in der Sonne Spießbraten und Backfisch schmecken ließen, warteten ein paar Fans in Trikots vergeblich auf ihre Helden. Auf dem Frankfurter Römerberg, wo früher regelmäßig Tausende Zuschauer die deutsche Fußball-Nationalmannschaft für ihre Erfolge bejubelten, ließen sich die am Vorabend gekürten Europameister im American Football nicht blicken – gezwungenermaßen. Wären mehr Fans gekommen, hätte die Stadt bei ihrem Empfang der Sportler auch den Balkon geöffnet. Er blieb am Sonntag jedoch geschlossen.
Dass die deutschen Footballer nach dem 26:10-Sieg über Frankreich im EM-Finale überhaupt ins Rathaus geladen wurden, wertete Robert Huber, Präsident des American Football Verband Deutschlands (AFVD), dennoch als Zeichen. „Wir kommen weiter mit unserem Sport“, sagte Huber nach dem Gewinn des zweiten Europameistertitels am Samstagabend. Nur 8523 Zuschauer waren zum Endspiel in die große Frankfurter Arena gekommen, die keine 24 Stunden später beim Freundschaftsspiel der Eintracht gegen den FC Chelsea wieder gefüllt war.
„Wir sollten vergleichen mit Handball, Basketball, Eishockey“
„Wir verfallen bei den Zuschauerzahlen im American Football gerne der Herausforderung, uns mit dem Fußball zu vergleichen, weil wir die selben Spielstätten haben“, sagte Huber. „Wir sollten uns aber vergleichen mit Handball, Basketball, Eishockey, Feldhockey und Faustball.“ Zuspruch bekam der Frankfurter Jurist von seinen Amtskollegen aus den Disziplinen Schwimmen, Snowboard und Rasenkraftsport, die am Samstag ins Stadion gekommen waren.
So habe ihm Christa Thiel, die Präsidentin des Deutschen Schwimmverbandes, zum Zuschauerzuspruch gratuliert, berichtete Huber. Der Versuchung, sich mit dem großen Bruder Fußball zu vergleichen, konnte er dann allerdings doch nicht widerstehen: „Die Eintracht ist eine andere Dimension. Wir sind zweite Bundesliga und nicht erste. Aber das ist auch nicht unser Anspruch.“
Der Sieg war nie in Gefahr
Deutlich ambitionierter waren die deutschen Footballspieler zuvor zu Werke gegangen. Den Überraschungsfinalisten Frankreich beherrschten sie von Beginn an. Dank des gut aufgelegten Spielmachers Dennis Zimmermann führte Deutschland schon im dritten Viertel uneinholbar mit 26:3. Nach einem Fehler des deutschen Ballträgers Jerome Morris gelang den Franzosen zwar wenig später ein Touchdown.
Aber in Gefahr war der Sieg nie. „Das Spiel war relativ leicht“, sagte Zimmermann, der zum Spieler des Tages gewählt wurde. „Damit haben wir endlich den Finalfluch besiegt“, sagte Präsident Huber. Viermal war die deutsche Nationalmannschaft bei den vergangenen Europameisterschaften als Favorit in das Endspiel gegangen, nur 2001 in Hanau hatte es zum Sieg gereicht. „Sympathisch, dynamisch, leistungswillig“, beschrieb der Präsident die Titelträger des Jahrgangs 2010.
Die German Football League soll aufgestockt werden
Auf dem Spielfeld Gegner, in der Sache vereint: Nicht nur die deutschen Europameister erhoffen sich vom Titelgewinn in der Heimat einen Schub für ihre Sportart, sondern auch die Unterlegenen. Der beste Franzose, Passempfänger Marc-Angelo Soumah, lief in Frankfurt, wo er einst als Profi für die Galaxy spielte, zum letzten Mal auf. Künftig will er sich nur noch seiner Rolle als Präsident des französischen Football-Verbandes widmen. „Durch unsere erste Medaille im Herrenbereich ist das Sportministerium auf uns aufmerksam geworden, im kommenden Jahr sollten unsere Mittel und die Zahl der Aktiven steigen“, sagte Soumah.
Schließlich hat es Deutschland vorgemacht. 40.000 Mitglieder hat der AFVD derzeit, 1997 waren es noch 18.000. „Wir haben ein enormes Wachstum im Jugendbereich“, sagte Präsident Huber. Weil der Verband wächst, soll auch der Ligabetrieb ausgeweitet werden. Die German Football League (GFL) soll bis 2013 von zwölf auf sechzehn Mannschaften aufgestockt und in zwei Gruppen unterteilt werden.
„Außer den Amerikanern können wir alle schlagen“
Quarterback Zimmermann hofft, durch den EM-Sieg künftig mehr Zuschauer in die Stadien zu locken. Nicht unbedingt nach Braunschweig, wo er bei den Lions im Schnitt vor 4500 Besuchern spielt, sondern eher nach Niederbayern, wo Ligakonkurrent Plattling Black Hawks mit wenigen Hundert Zuschauern auskommen muss. „Vielleicht kommen da ja jetzt mal 1000“ hofft Zimmermann. Das Endspiel der GFL wird am 9. Oktober abermals in der Frankfurter WM-Arena ausgetragen – dann werden mehr Zuschauer erwartet als beim EM-Finale. Weil die Vereine eine feste Fanbasis haben, die die Nationalmannschaft kaum bilden kann. „Wir können wegen der hohen physischen Belastung keine fünf Länderspiele im Jahr machen. Deshalb haben wir keine Kontinuität“, sagte Huber. Das letzte Testspiel vor der EM bestritten die deutschen Footballer im April.
Die beste europäische Mannschaft will das deutsche Team auch bei der Weltmeisterschaft im kommenden Jahr in Österreich werden. „Die Amerikaner sind das Dream Team, gegen die haben wir keine Chance, alle anderen können wir schlagen“, sagt Huber. Neben Amerika und Gastgeber Österreich könnte Deutschland dann auf Japan, Kanada oder Mexiko treffen. Der dritte Platz, wie bei der jüngsten WM 2007, soll es mindestens wieder werden. „Der Titel ist ein schöner Traum“, sagt Huber. Und eines haben die Deutschen ihren Gegnern ja schon voraus: „Weltmeisterlich empfangen worden sind wir in Frankfurt schon mal.“
Kurte Ergänzung
Peter Holtz (gulphh)
- 03.08.2010, 10:19 Uhr