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Wada-Chef Pound in Sorge China im Zentrum des weltweiten Dopinghandels

14.07.2007 ·  Richard Pound hat Peking vor Doping gewarnt. Der Vorsitzende der Welt-Anti-Doping-Agentur sagte: „Wenn sie mit tausend Athleten erscheinen, von denen vorher niemand etwas gehört hat, und alle Goldmedaillen gewinnen, ist das ein Problem.“

Von Michael Reinsch
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Richard Pound hat China vor Doping und mangelnder Dopingbekämpfung gewarnt. „Die Welt wird den Erfolg der Olympischen Spiele in Peking nicht danach beurteilen, ob die Busse pünktlich fahren, sondern danach, ob es ein wirkungsvolles nationales Anti-Doping-Programm in China geben wird oder nicht“, sagte der Vorsitzende der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) am Mittwoch in einer Telefonkonferenz.

Der Kanadier schien auf Meldungen einzugehen, nach denen China Kader in strikter Abgeschiedenheit von Öffentlichkeit und von Dopingkontrollen auf die Spiele 2008 vorbereite, als er sagte: „Wenn sie mit tausend Athleten erscheinen, von denen vorher niemand etwas gehört und gesehen hat, und alle Goldmedaillen gewinnen, ist das ein Problem.“

Nur 8000 Dopingkontrollen pro Jahr

Pound nannte China „eine Quelle von Drogen, die leicht im Internet erworben werden können“. Herstellung und Vertrieb von Dopingmitteln stehen dort nicht unter Strafe. Er kritisierte, dass in China lediglich 8000 Dopingkontrollen pro Jahr unternommen würden - nicht mehr als in Australien. „Dies ist nicht ausreichend“, sagte Pound und erinnerte daran, dass es an einer staatlichen Sportschule systematisches Doping gegeben habe. Ein Verbot der Labors, die Dopingmittel herstellen und anbieten, noch vor den Spielen, scheint auch Pound nicht für möglich zu halten: „Sie haben das Problem erkannt“, sagte er. „Aber China ist ein großes und kompliziertes Land.“

Gleichwohl setzt die Wada in ihrer künftigen Ausrichtung auf die Zusammenarbeit mit staatlichen Strafverfolgern wie Polizei und Zoll. Dies sei eine unvermeidliche Entwicklung im Kampf gegen Doping, glaubt Pound. „Der große Durchbruch stammt von staatlichen Aktionen wie Balco in den USA, wie Fuentes in Spanien“, sagte er. „Wir arbeiten daran, dass Regierungsstellen und wir Informationen teilen. Ich glaube, dass wir in einigen Monaten ein Protokoll haben werden, das es ermöglicht, dass wir staatlichen Stellen helfen - und umgekehrt staatliche Stellen Sportorganisationen helfen, innerhalb vertretbarer Fristen Informationen für deren Gerichtsbarkeit zu erhalten.“

Kampf mit „nicht-analytischen Erkenntnissen“

Das Internationale Olympische Komitee habe im Fall der sechs nun lebenslang gesperrten österreichischen Wintersportler schnell gehandelt auf Basis von Informationen, die die Wada - allerdings erst nach zehn Monaten Wartezeit - von den italienischen Behörden erhalten habe. In Spanien versuche die Wada, in den Fall Fuentes als Partei einzutreten, sagte Pound. Dabei werde sie von der spanischen Regierung unterstützt.

Die Wada will mit sogenannten „nicht-analytischen Erkenntnissen“ den Kampf gegen Doping forcieren, etwa durch die Weitergabe von Indizien an staatliche Stellen. Staaten müssten ein gesteigertes Interesse an der Verfolgung von Doping haben, denn es bedrohe - vor allem durch die Vorbildwirkung von Athleten - die öffentliche Gesundheit. Außerdem werde der Handel mit Dopingsubstanzen zunehmend vom organisierten Verbrechen betrieben.

Ehrenerklärung für das französische Labor

Der Generalsekretär von Interpol, der Amerikaner Ronald K. Noble, hat kürzlich angeboten, die Infrastruktur von Interpol mit Niederlassungen in 186 Ländern, einem gesicherten Kommunikationssystem und Datenbanken für die Dopingbekämpfung zu nutzen. Gleichzeitig warnte er: „Diese Ressourcen, die genutzt werden könnten, Doping-Netzwerke zu erkennen und zu sprengen, werden ungenutzt bleiben ohne den politischen Willen zum Handeln.“ Pound begrüßte das Angebot und kündigte eine Vereinbarung an.

Auf die Attacken der Verteidigung von Tour-de-France-Sieger Floyd Landis reagierte Pound nicht nur mit einer Ehrenerklärung für das französische Labor. Für die Anti-Doping-Weltkonferenz im November in Madrid kündigte er an, dass dort wohl das Schweigegebot für Labors und Agenturen aufgehoben werde. „Wenn es monatelang eine Flut von Informationen von Leuten gibt, die ein bestimmtes Ziel verfolgen, und diejenigen mit den echten Informationen geknebelt sind, muss man handeln“, sagte er. „Wir finden, dass es wichtig ist, sagen zu können: Was Sie gerade von Herrn oder Frau X gehört haben, ist total falsch.“ Derzeit aber seien die Regeln so, dass weder er noch ein Labor oder eine Nationale Anti-Doping-Agentur einen aktuellen Fall kommentieren dürfe.

Überraschende Zahl von ,missed tests'

Zu den immer noch ungeklärten Vorwürfen vom Januar, in Deutschland hätten sich Athleten in mindestens vierzig und höchstens fast vierhundert Fällen Dopingkontrollen entzogen, sagte Pound: „Wir haben kein Resultat, wir haben keinen Abschlussbericht. Wir wissen, dass es eine überraschende Zahl von ,missed tests' gab und einen überraschenden Mangel an Folgen.“ Im Januar hatte eine Fernsehreportage auf Unregelmäßigkeiten aufmerksam gemacht; eine Anhörung vor dem Sportausschuss des Deutschen Bundestages hatte kein Licht ins Dunkel gebracht.

Quelle: F.A.Z., 04.05.2007, Nr. 103 / Seite 36
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Jahrgang 1958, Korrespondent für Sport in Berlin.

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