Es gibt Menschen, die so ehrlich sind, dass einem vor Staunen der Mund offen steht. Einer von denen, die kein Blatt vor den Mund nehmen, ist Norbert Mosandl aus der Oberpfalz. Warum sollte er auch, schließlich hat das Leben den Mann gelehrt, dass man der eigenen Wahrheit sowieso nicht entkommen kann.
Mosandls Beine sind gelähmt, und er muss zusehen, wie er trotzdem vorankommt. Bei den Paralympics tat er das mittels eines Handfahrrads - und gewann die Silbermedaille im Zeitfahren, immerhin mit 51 Jahren. Das bedeutete aber nicht, dass er sich nun artig bei allen bedankte und zufrieden seiner Wege rollte.
Im Gegenteil: Mosandl regte sich tierisch auf. Erst über den Deutschen Behindertensport-Verband, der ihn seiner Ansicht nach nicht angemessen betreut hat. Und dann über Alex Zanardi, den ehemaligen Autorennfahrer aus Italien, der ihn beim Wettkampf auf der Rennstrecke von Brands Hatch besiegt hat.
Zanardi, findet Mosandl, habe nämlich einen Vorteil im Vergleich zu ihm, den er, Mosandl, nicht wettmachen könne: Er hat seine Beine noch, während die von Zanardi bei einem Unfall abgerissen sind. Er habe eine Querschnittslähmung, beklagte Mosandl, während Zanardi auf beiden Seiten amputiert sei. Das heißt nach Mosandls Rechnung ganz nüchtern: „Er hat 15 Kilo weniger rumzuschleppen als ich.“ Tja. Wer das jetzt zynisch findet, ist selbst schuld: Der Praktiker hat das Wort.