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Stabhochspringen „Immer Vierte“

 ·  Die ersten Sprünge wecken Medaillen-Hoffnungen - am Ende aber verlässt Silke Spiegelburg heulend die Stabhochsprungmatte. Wie bei der EM wird die Weltjahresbeste auch im olympischen Finale Vierte.

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© dpa Silke Spiegelburg in Tränen aufgelöst: „Immer Vierte“

Silke Spiegelburg schlug die Hände vors Gesicht, schluchzte und rief ihrem Trainer Leszek Klima verzweifelt zu: „Vierte - immer! Das kann doch nicht wahr sein!“ Als erste deutsche Stabhochspringerin wollte 26-Jährige eine Olympia-Medaille gewinnen - aber nach einem tollen Start in das Londoner Finale reichten 4,65 Meter wieder nur zu Blech. Nach ihrem letzten Fehlversuch über 4,75 Meter saß sie weinend auf der Matte. Und sie konnte einem auch Leid tun, denn nach der WM in Berlin und der EM in Helsinki war es tatsächlich schon der dritte vierte Platz für die deutsche Rekordhalterin.

Nicht nur Spiegelburg verpasste die durchaus mögliche Medaille: Die EM- und WM-Zweite Martina Strutz (Neubrandenburg) belegte mit 4,55 Metern nur den fünften Platz. „Es war windig und schwierig zu springen“, sagte sie, wollte aber nicht weiter klagen: „Es war schön vor 80.000 zu springen, und mittendrin waren meine Eltern.“ Die dritte deutsche Springerin Lisa Ryzih (Ludwigshafen/4,45) kam auf den geteilten sechsten Rang.

Auch Russlands Überfliegerin Jelena Isinbajewa konnte nicht zufrieden sein. Der 30-Jährigen blieb der dritte goldene Olympia-Sprung nacheinander versagt. Die Siegerin von Athen 2004 und Peking 2008 meisterte lediglich 4,70 Meter - das langte aber immerhin zu Bronze hinter der amerikanischen Meisterin Jennifer Suhr, die mit 4,75 Metern vor der höhengleichen Kubanerin Yarisley Silva triumphierte. Die 30-jährige Suhr hatte unter ihrem Geburtsnamen Jennifer Stuczynski schon Silber in Peking geholt.

Spiegelburg hatte so gehofft, dass „was Schönes“ bei Olympia herauskommt. Der deutsche Rekord vom 20. Juli beim Diamond-League-Sieg in Monte Carlo hatte ihr Selbstvertrauen für ihre dritte Teilnahme an den Sommerspielen gegeben. Denn mit den 4,82 Metern war die Leverkusenerin als Nummer 1 der Weltjahresbestenliste in den Medaillenkampf gegangen. „Silke ist in der Form ihres Lebens, und da sollte normalerweise auch das Beste herauskommen: Das wäre eine Medaille“, meinte ihr Trainer Leszek Klima vor dem Finale.

Sie meisterte dann auch die 4,55 und 4,65 Meter ohne Mühe, hüllte sich in den langen Pausen immer wieder in eine beigefarbene Decke. Doch bei 4,70 Metern fehlte die Power, einmal scheiterte sie an dieser Höhe, und weil die anderen drei auf Anhieb drüber kamen, war sie zum Pokern gezwungen, um im Medaillenspringen zu bleiben. Es nutzte nichts - sie scheiterte mit beiden verbliebenen Versuchen über 4,75 und löste sich danach in Tränen auf. „Ich weiß nicht, was ich machen soll“, jammerte Spiegelburg. „Ich war locker, ich war spritzig - keine Ahnung.“ Immerhin: eine Silbermedaille hat sie ja schon, 2010 in Barcelona war sie EM-Zweite geworden.

Zum vierten Mal erst kämpften die mutigen und turnerisch meist hochbegabten Stabhochspringerinnen bei Sommerspielen um Medaillen. Erste Olympiasiegerin war 2000 in Sydney die Amerikanerin Stacy Dragila. Danach triumphierte zweimal das Glamourgirl der Leichtathletik: „Die unvergleichliche Jelena Isinbajewa“ - so stellte der Stadionsprecher sie in London vor - und die 28-fache Weltrekordlerin winkte lächelnd ins Publikum.

Auch Strutz enttäuscht

Doch Isinbajewa hatte zuletzt bei Olympia 2008 einen Freilufttitel gewonnen. Bei der WM 2009 in Berlin scheiterte sie mit einem „Salto nullo“. 2010 nahm sie eine Auszeit, nachdem ihr Körper „total leer war - emotional und physisch“. Nach ihrer Rückkehr landete sie bei der WM 2011 in Südkorea nur auf Rang sechs. Und am Montagabend hatte die Mitfavoritin, die ihre einzigartige Karriere nach der Heim-Weltmeisterschaft 2013 in Moskau beenden will, bei ihrer Einstiegshöhe von 4,55 gleich mal einen Fehlversuch. Doch sie nahm es locker. Mit Kusshändchen und ohne Tränen verabschiedete sie sich nach ihrem missglückten Versuch über 4,80 Meter. In London hätte sie als erste Leichtathletin überhaupt zum dritten Mal hintereinander Olympiasiegerin werden können.

Die ehemalige deutsche Rekordhalterin Strutz hatte nach jahrelanger Durststrecke zuletzt zweimal hintereinander gezeigt, dass sie da ist, wenn es darauf ankommt: Bei der EM im Juni in Helsinki holte die 30-Jährige bei strömendem Regen wie schon bei der WM 2011 in Daegu/Südkorea Silber - und hoffte erneut auf einen Kracher“.

Hinter einer Sonnenbrille versteckte Strutz ihre Aufregung, konnte aber nicht verbergen, dass sie Schwierigkeiten hatte: 4,55 Meter überwand sie noch, aber bei 4,65 und zwei Versuchen bei 4,70 ging nichts mehr. Enttäuscht vergrub Strutz ihr Gesicht in den Händen.

Leichtathletik, Frauen, Stabhochsprung:

Gold: Jennifer Suhr (USA) 4,75 m
Silber: Yarisley Silva (Kuba) 4,75
Bronze: Jelena Isinbajewa (Russland) 4,70
4. Silke Spiegelburg (Leverkusen) 4,65; 5. Martina Strutz (Neubrandenburg) 4,55; 6. Holly Bleasdale (Großbritannien), Jirina Ptacnikova (Tschechien) und Lisa Ryzih (Ludwigshafen) alle 4,45

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