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Olympia-Kommentar Die friedliche Revolution der Frauen

 ·  An diesem Freitag kämpft Wojdan Shaherkani auf der Judomatte - als erste Frau aus Saudi-Arabien tritt sie bei Olympia an. Sie ist das Symbol dieser Spiele.

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© dpa Symbol der Spiele von London: Wodjan Shaherkani (hinten m.) und ihr Victory-Zeichen während der Eröffnungsfeier

Phelps und Wiggins, Bolt und Ye - das sind die Sportler, von denen alle reden bei Olympia, die Weltstars im goldenen Glanz. Es gibt in London aber auch einen heimlichen Star, ein sechzehnjähriges Mädchen, das wohl kaum mit sportlichen Großtaten auffallen wird und sich auch sonst züchtig im Hintergrund hält: Sie heißt Wojdan Shaherkani und ist bei der Eröffnungsfeier von Kopf bis Fuß in ein schwarz-grünes Gewand gehüllt ins Olympiastadion einmarschiert, hat mit der linken Hand ein Victory-Zeichen gemacht und in der rechten ein saudi-arabisches Fähnchen geschwenkt.

Wenn die junge Frau an diesem Freitag gegen die Puerto Ricanerin Melissa Mojica in der Klasse über 78 Kilogramm antreten wird, so steht dieser Moment für viel mehr als einen Vorkampf im Judo.

Er ist das Symbol dieser Spiele, bei denen es zum ersten Mal keine reinen Männermannschaften mehr gibt. Dass Saudi-Arabien zwei Athletinnen in seine Delegation aufnehmen würde, schien lange Zeit undenkbar. Jetzt sind sie da, Wojdan Shaherkani, die erste Olympiastarterin für ihr Land, und Sarah Attar, die am nächsten Mittwoch zum Vorlauf über 800 Meter antreten wird.

Der Grundstein sei gelegt, sagte die Marokkanerin Nawal El-Moutawakel, 1984 über 400 Meter Hürden die erste muslimische Olympiasiegerin. Sie war damals die einzige Frau in ihrem Team und fragte sich: „Wo sind all die Frauen, die mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung ausmachen?“

Unter besonderen Umständen zum Sport

Heute ist sie Vizepräsidentin des IOC und spricht von einer „friedlichen Revolution“. Genau wie die jordanische Prinzessin Haya bint al-Hussein, die Präsidentin der Internationalen Reiterlichen Vereinigung, die von einem historischen Moment spricht.

Frauen tragen die Hälfte des Himmels - so heißt es in China. Aber natürlich ist die sechzehnjährige Judokämpferin nicht mehr als ein Symbol. Oder schon ein Signal? Sie ist die Tochter des saudischen Judo-Nationaltrainers Ali Shaherkani und darum unter besonderen Umständen zum Sport gekommen.

In Saudi-Arabien gibt es nämlich weder Schulsport noch Klubs für Frauen, sie dürfen noch nicht einmal ein Stadion besuchen. Sarah Attar lebt und studiert denn auch in den Vereinigten Staaten, und auf ihrem Foto im offiziellen Olympia-Intranet ist sie ohne Kopfbedeckung zu sehen.

Kritik von allen Seiten - natürlich

Es heißt, beide hätten unterschreiben müssen, dass sie in London nur in Kleidern auftreten dürften, die den strengen Vorschriften Saudi-Arabiens entsprechen, dass ein männlicher Aufpasser sie begleiten müsse und sie sich nicht unter Männer mischen dürften.

Die Frage der Kopfbedeckung im Judo gefährdete kurz Teil eins des Prestigeerfolgs für das IOC. Eine im asiatischen Kontinentalverband bereits ausprobierte Lösung wurde schließlich vom Weltverband akzeptiert. Kritik gibt es jetzt natürlich von allen Seiten.

Frauenrechtlerinnen finden, das IOC hätte die Kopfbedeckung ganz ablehnen müssen. Und konservative Saudis halten die Sportlerinnen in London für schamlos. Das IOC nimmt all die Kommentare in Kauf. Es stimmt ja: Bei Olympia wird normalerweise gerannt, was die Beine hergeben. Echter Fortschritt aber dauert meistens lange. Und die Ziellinie ist vom Start aus oft noch gar nicht zu sehen.

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Jahrgang 1958, Sportredakteurin.

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