Home
http://www.faz.net/-hi7-71w5v
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Causa Drygalla De Maizière kritisiert öffentliche Diskussion

 ·  Verteidigungsminister Thomas de Maizière hat den Umgang der Öffentlichkeit mit der aus London abgereisten Ruderin Nadja Drygalla kritisiert. Es seien „Grenzen überschritten“ worden.

Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (62)
© dpa „Beeindruckt“: Verteidigungsminister de Maiziere

Bundesverteidigungsminister Thomas de Maizière hat mit eindringlichen Worten den Umgang der Öffentlichkeit mit Olympia-Ruderin Nadja Drygalla kritisiert. „Wo sind eigentlich Grenzen? Steht es uns als Öffentlichkeit eigentlich wirklich zu, den Freundeskreis von Sportlerinnen und Sportlern zu screenen, zu gucken, was da los ist?“ fragte der CDU-Politiker am Montag im Deutschen Haus in London.

„Müssen wir von Sportlerinnen und Sportlern verlangen, dass sie offenbaren, mit wem sie befreundet sind, was die denken? Wo ist da die Grenze?“ fügte er hinzu. „Ich glaube, die ist hier schon überschritten worden.“ De Maizière begrüßte die Aussagen der 23-Jährigen im Interview mit der Nachrichtenagentur dpa, mit denen sie sich vom rechtsextremen Gedankengut distanziert hatte.

„Ich war von der Erklärung, die sie abgegeben hat, beeindruckt“, sagte der Minister. Die Äußerungen seien „klar und unmissverständlich“. Sie habe sich in einer „menschlich eindrucksvollen Weise“ offenbart. De Maizière wollte keine Aussage treffen, ob Drygalla in der Sportförderung der Bundeswehr aufgenommen werden könne. „In der Sache selbst möchte ich teilen, was sie gesagt hat, dass erst einmal Ruhe in die Sache kommt“, meinte er. „Dann kann man im Herbst weitersehen.“

Momentan gebe es keinen Antrag auf Aufnahme. „Wenn es ihn gäbe, würden wir ihn prüfen. Aber in Ruhe und nicht in der Atmosphäre der letzten Tage.“ Drygalla hatte sich am Sonntag erstmals seit ihrer Abreise von den Olympischen Spielen in London geäußert. Grund für ihre vorzeitige Rückkehr war der Wirbel um ihre Beziehung zu Michael Fischer, dem Direktkandidaten der rechtsextremen NPD in Rostock zur Landtagswahl 2011.

Fischer bestätigt Austritt

Fischer ist nach eigenen Angaben im Mai aus der NPD ausgetreten. Er sei vor den Olympischen Spielen in London „den Schritt gegangen, mit der Sache abzuschließen, dass ich Neonazi bin. Ich bin aus der Partei ausgetreten und hatte auch so keinen großartigen Kontakt mehr zu Leuten, die damit zu tun hatten“, sagte der 24-Jährige. Die Folgen seiner Taten in der rechten Szene habe er für sich selbst bewusst in Kauf genommen, erklärte Fischer. „Daher würde ich nicht sagen, dass ich das bereue. Aber ich habe insbesondere Nadja nie einen Gefallen getan, insofern wäre es besser gewesen, wenn ich es nie gemacht hätte.“

Die Kontakte in die rechte Szene waren mit dem Austritt aber nicht vollends abgerissen. Am 16. Juni 2012 hatte Fischer noch einen Artikel auf dem Portal mupinfo.de verfasst. Die Seite ist auf den stellvertretenden NPD-Landesvorsitzenden David Petereit registriert. „Im Nachhinein sieht das doof aus“, sagte Fischer. „Aber es war ein schleichender Prozess: Ich habe mich ja nicht an einem Tag hingestellt und gesagt: Jungs, ich trete aus der Partei aus, ab jetzt seht ihr mich nicht mehr.“ In Zukunft wolle er nicht mehr für die Seite schreiben.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen