Der 23 Jahre alte Julius Yego ist der ungewöhnlichste Athlet des kenianischen Nationalteams. Er ist unter 44 Leichtathleten der einzige, der nicht rennt. Yego ist Afrika-Meister und steht an diesem Samstag im Finale - und zwar im Speerwerfen (20.20 Uhr / Live im Olympia-Ticker bei FAZ.NET).
Warum sind Sie nicht Läufer?
Das fragen mich alle. Jeder kann rennen, aber nicht jeder kann gewinnen. Mein Talent ist Speerwerfen. Ich habe mit ganz einfachen Stöcken angefangen.
Wie sind Sie auf das Niveau gekommen, um an Olympischen Spielen teilzunehmen?
Anfang des Jahres, im Februar und März, war ich in Kuortane in Finnland. Mitten im Winter! Wir haben in der Halle trainiert. In Finnland haben sie so große Hallen, dass man darin werfen kann. Wir haben die Speere gegen die Wand geworfen.
Macht das Spaß?
Die Leute in Finnland sind sehr freundlich. Ich habe den Weltmeister von 2007 kennengelernt, Tero Pitkämäki. Das ist der Mann, von dem ich bei Youtube die Technik abgeguckt hatte: mein Vorbild.
Mussten Sie sich in Kenia qualifizieren?
Ich bin nach Nairobi geflogen und habe persönliche Bestleistung geworfen: 79,97 Meter. Das ist das erste Mal, dass ein kenianischer Speerwerfer für Olympia qualifiziert ist. Im Mai bin ich noch einmal für vier Wochen nach Finnland gegangen und habe mit Pitkämäki trainiert. Seitdem habe ich eine kleine Verletzung im Ellbogen. Das ist normal für Speerwerfer.
Hat sich der Aufwand gelohnt?
In Finnland ist man ein Speerwerfer, sobald man achtzig Meter übertrifft. Darunter bist du nur irgendwer. Ich habe es geschafft, als ich bei einem kleinen Wettkampf 81,12 Meter erzielt habe.
Nun haben Sie in der Qualifikation 81,81 Meter geworfen.
Wieder Bestleistung. Ich hatte gebetet, dass ich es ins Finale schaffe. Jetzt bin ich ein olympischer Finalist. Ich werde dieses Erlebnis nie vergessen. Nach der Qualifikation habe ich gehört, dass ich sogar den Weltmeister geschlagen habe.
Matthias de Zordo.
Er war bestimmt verletzt. Sonst wäre er im Finale. Für mich ist jetzt alles möglich. Ich will 82 Meter schaffen.
Was halten die Kenianer von Ihrem Sport?
Wir haben so viele Läufer, die Kenia stolz machen. Aber wir haben auch Athleten in den Wurf- und Sprungdisziplinen. Sie kommen nicht so richtig raus. Ich habe mir gesagt: Gib dir Mühe, und mach den Unterschied. Jetzt unterstützen mich die Läufer. Sie schicken mir Nachrichten und spornen mich an.
Werden nun noch mehr andere Athleten als Läufer aus Kenia kommen?
Ich habe die Tür aufgestoßen. Wir haben gute Weitspringer und Dreispringer. Wir haben Speerwerferinnen, aber die Damen trainieren nicht gern. Ich weiß, dass ich zu Hause in Kenia sehr viele Leute glücklich mache, weil ich zeige, dass wir es auch in anderen Disziplinen schaffen können. „Inspire A Generation“ lautet das Motto dieser Spiele. Das ist, was ich tun will.
Ich würde den Keniaten raten
stefan maier (sxyxs)
- 11.08.2012, 20:16 Uhr