Liebe Landsleute! Wir Deutsche sind einfach zu bescheiden. Wir nehmen in unsere Medaillenbilanz nur jene Erfolge auf, die ganz offiziell im Namen der Olympiamannschaft erzielt worden sind. Dabei haben wir auch an anderen Erfolgen hörbaren Anteil. Im Finale des Frauenfußballturniers, von dem es immer hieß, es seien „keine Deutschen qualifiziert“, wurde eine Frau Buehler gegen eine Frau Sauerbrunn ausgewechselt. Und wie hieß die beste Torschützin des Siegers? Wie ein Ort im Taunus: Wambach.
Oder nehmen wir das Schwimmbecken, in dem die offiziellen deutschen Starter sich eher als Nichtschwimmer erwiesen. Dafür gewannen eine Frau Vollmer und eine Frau Schmitt zusammen vier Goldmedaillen. Auch der Name des zweifachen Siegers Lochte klingt nicht undeutsch - ein Wort, für das man in der deutschen Version von „Scrabble“ korrekte zwölf Punkte bekommt. Nehmen wir dazu die Kolleginnen Suhr im Stabhochsprung, Ritzel im Rudern und Wieber im Turnen, dazu neben all diesen offiziell amerikanischen Siegern auch noch die australische Schwimmstaffel mit den Damen Schlanger und Seebohm und nicht zuletzt die fürs Vereinigte Königreich siegenden Fräuleins Trott (Radfahren) und Bechtolsheimer (Reiten) - dann kommen wir auf eine Goldausbeute in deutschem Namen, die über der deutschen Goldbilanz liegt. Ist das gerecht?
Wahrscheinlich schon. Schließlich kann ja niemand etwas für seine Vorfahren, schon gar nicht für seinen Namen. So wie der englische Tischtennisspieler, der dem Deutschen Dimitri Ovtscharov unterlag und dessen Familienname auf Vorväter mit feuchtfröhlichen Vorlieben schließen ließ: Er hieß Paul Drinkhall.
Fraglich bleibt auch, ob jener Boxer aus dem Kamerun, der dem Deutschen Enrico Kolling unterlag und sich dann mit sechs Landsleuten von der Mannschaft absetzte, als Asylant in England große Freude mit seinem Namen haben wird. Er heißt Christian Domfack Adjonfack. Dann doch lieber Schmitt.
Ob sich die US-Amerikaner wohl auch ständig aufregen?
Richard Schessner (schessman)
- 11.08.2012, 17:09 Uhr
They're everywhere...!
Egon Weissmann (EgonOne)
- 11.08.2012, 16:19 Uhr
... also doch
jürgen gaupp (gaupp)
- 11.08.2012, 13:36 Uhr
Genauer betrachtet hat die Stabhochspringerin Suhr polnische Vorfahren,
ihr Mädchenname lautet...
Tim Sonder (timbo_em)
- 11.08.2012, 12:45 Uhr