Die Welt ist klein geworden, Ladies and Gentlemen. Zum Beispiel sprechen sich die Witze, über die man sich bisher nur in Europa amüsiert hat, mittlerweile bis nach China herum. Irgendwann kriegt man sie dann im Olympiabus in gebrochenem Englisch zurück erzählt. Haha! Mehr als eine Milliarde Menschen macht sich jetzt wahrscheinlich gerade über die Engländer lustig. Was das einstige Empire so dringlich ersehnt, hat das Reich der Mitte schließlich im Überfluss: Medaillen, Medaillen, Medaillen. Warum der Unterschied so groß ist, haben die Chinesen nun endlich durch Scherz-Import erfahren: Briten, sagen sie grinsend zueinander, seien halt nur gut in Sportarten, die man im Sitzen ausüben kann. Zum Beispiel Radfahren. Oder Rudern. Oder Reiten.
Der Witz wird ja sogar noch lustiger, wenn ein Chinese ihn erzählt: Ladfahlen. Ludeln. Leiten. Und, so muss man ergänzen, auch in der nichtolympischen Sitz-Sportart Formel 1 sind ja die Briten traditionell sehr stark. Eine weitere, in London sehr auffällige Ausdauerdisziplin ist das royale Sitzen. Das können sie. Nicht nur Elisabeth II. auf ihrem Thron, was kein Wunder ist, weil sie ja sechzig Jahre Training hinter sich hat. Tagtäglich füllt eine handverlesene Auswahl an Familienmitgliedern die Ehrentribünen an den Sportstätten. Prinz William, manchmal mit Kate. Prinz Harry. Camilla. Und natürlich Prinzessin Anne, die als ehemalige Reiterpräsidentin und Mitglied des Internationalen Olympischen Komitees ja ganz besonders routiniert an langatmige Sitzungen herangeht.
Wirklich eindrucksvoll, welches Aufsehen es in ihren Kreisen verursacht, wenn sie irgendwo sitzen. Nur Medaillen bekommt man fürs reine Sitzen immer noch nicht. Mit irgendwas muss man bisher, zumindest bei Olympia, noch von der Sitztätigkeit ablenken. Doch das ist nicht die reine Lehre. Darum müssen die Erfinder des modernen Sports nach langer Pause wieder aktiv werden. Die Briten sollen endlich dafür sorgen, dass ihre Spezialdisziplin zur eigenen Sportart erhoben wird. Sitzen! Gold im Sitzen! Da würden sie in Peking aber staunen - und zu den nächsten Olympischen Spielen wahrscheinlich den Kaiser von China schicken.