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Speakers Corner Das Geheimnis des Cricket

 ·  In Englands freiester Ecke, der Speakers Corner, darf man gegen alles sein. Zum Beispiel dagegen, dass Cricket nicht olympisch ist. Ein Opfer der Briten? Nein. Eine „kluge“ Entscheidung des IOC, schließlich fürchten die Gastgeber nichts mehr als eine Niederlage in ihrem göttlichen Sport.

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© dapd Keine Olympioniken: Sri Lankas Spieler sind in ihrem Sport top, doch Cricket ist nicht olympisch

Hier darf alles gesagt werden, hier darf man gegen alles sein, in Englands freiester Ecke. Nur gerade heraus. Dann bleiben die Leute stehen, hören zu, etwa bei dieser Forderung: Cricket muss olympisch werden! Im Speakers Corner am Hydepark redet man sich herrlich in Rage, bis die Ader schwillt und der Adamsapfel springt oder der Redner auf seinem Fensterputzer-Leiterchen ruft: „Sie da, kommen Sie näher, Sie in der Trainingshose. Das sollte verboten werden, Mann, nein, nicht die Hose. Ich meine, es sollte verboten werden, sein Leben wegzuschenken. Ich prangere das an, diese Feindseligkeit dem Leben gegenüber. Denn der Herr sagt, dass ihr blind seid.“

Recht hat er, der Herr auf dem Leiterchen. Denn die da oben im Olymp, diese allzu Irdischen des IOC, haben nichts gesehen und noch weniger verstanden, als sie nicht an Cricket für das Programm der Spiele dachten. Ein göttlicher Sport, hauchen die Engländer, sie lesen in ihm wie der Gottesmann in seiner Bibel, jeden Tag des Herrn mehrere Seiten. „Versündige dich nicht, Bruder, du siehst nur das Naheliegende!“ Hätten sie doch mal. Stattdessen glaubt man im IOC, die Briten hätten ohne Cricket ein großes Opfer hingenommen. Dabei fürchten sie das Risiko einer Niederlage im heiligen Cricket bei Olympia wie der Gehörnte das Weihwasser.

Geschickt gemacht, glatt drauf reingefallen. Da schreit der Leitermann: „Denn der Teufel ist tückisch, er steckt auch zugleich in Mann und Weib.“ Und wie treibt man ihn aus? „Mit diesem Buch hier.“ Oder doch mit dem IOC. Wenn Cricket olympisch würde, dann käme nämlich die Welt wieder in Ordnung. Die Briten müssten ihre 400 Millionen Euro Sportförderung in die Cricket-Geheimwissenschaft über Bowler und Wicket-Keeper stecken, statt die Kohle gegen unsere Goldkandidaten in Stellung zu bringen. Denn was würgte der Speaker mit letzter Kraft heraus: „Wir haben den Indern die Demokratie und Cricket gebracht. Und jetzt leiten sie schon unsere Computerläden.“

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Jahrgang 1964, verantwortlicher Redakteur für Sport.

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