Die Welt tickt im selben Takt: Wie viele Stunden noch bis zum Start der Marathonläuferinnen, wie lange noch, bis wir wissen, wer der schnellste Mann der Welt ist? Der Wettkampf bestimmt, ob Stunden und Minuten schnell oder langsam vergehen, er entscheidet, ob Zehntel- und Hundertstelsekunden gedehnt oder verdichtet werden.
In den 205 Ländern der Welt, aus denen Sportlerinnen und Sportler nach London gekommen sind, beginnt der Tag nicht mehr mit Sonnenaufgang, sondern mit den ersten Wettbewerben in London, und er endet nicht mit Sonnenuntergang, sondern wenn in Olympic Park und Horse Guards Parade das Flutlicht ausgeknipst wird. Auf der anderen Seite der Erdkugel macht Olympia die Nacht zum Tage.
Das Observatorium in Greenwich Park, durch das der Nullmeridian läuft, ist für die Dauer der Spiele Olympiagelände. Höchste Zeit für das IOC, Anspruch auf die Greenwich Mean Time zu erheben und Anerkennung dafür zu fordern, dass der Sport die Weltzeit bestimmt. Wenigstens solange Olympia Taktgeber ist für den Lebensrhythmus auf dem Globus, sollten die Uhren nach Olympiazeit gehen.
Die Weltherrscher des Sports haben schon durchgesetzt, dass Bäcker kein Olympia-Brot backen und dass Zuschauer nicht in T-Shirts mit dem Logo einer nichtolympischen Cola oder eines nichtolympischen Sportschuhherstellers ins Stadion kommen dürfen. Da können sie auch offiziell machen, dass sie längst die Weltzeit monopolisiert haben.