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London Calling Gepflegtes blau

 ·  Rasen ist grün! Kunstrasen auch? Nicht bei den Briten. Das olympische Hockey-Turnier wird auf blauem Untergrund gespielt, und das auch noch mit gelben Bällen. Die großen Nationen üben schon das Farbenspiel.

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© Reuters Einspielen für Olympia: Blaues Blut auf blauem Grund

Die Traditionalisten mussten erst einmal kräftig schlucken. Hockey wird schließlich auf Rasen gespielt, und dass dieser längst künstlich ist, hatte ja einst schon ein paar Jahre gedauert, bis es akzeptiert worden war. Doch diese Meldung, die da im vergangenen Jahr erst als Gerücht die Runde machte, ehe sie tatsächlich hochoffiziell bestätigt wurde, sorgte dann doch für Irritationen: Das olympische Hockeyfeld in London ist blau - und das ausgerechnet in England, der Heimat des gepflegten Grüns im eigenen Garten.

So einfach die Rasenfarbe wechseln, das geht natürlich nicht. Schließlich schrieben beispielsweise beim Königlich-Niederländischen-Hockeyverband die Regeln lange Zeit vor, dass ein Hockey-Spielfeld grün zu sein hat. Im Nachbarland war vor zwei Jahren noch eine Ausnahmegenehmigung nötig gewesen, damit in der Gemeinde Zuidlaren der weltweit erst zweite blaue Hockey-Kunstrasen verlegt werden konnte. In Valencia war es 2009 bei der Europameisterschaft der Juniorinnen zur Premiere gekommen.

Die Vorteile des blauen Feldes aber überzeugten sowohl die Olympia-Organisatoren als auch die Internationale Hockey-Federation. Das Blau sorgt mit den weißen Linien für einen stärkeren Kontrast als das natürlichere Grün, und das Geschehen auf dem Platz wird für alle Beteiligten sowie für die Besucher, vor allem aber für die Fernsehzuschauer einfacher zu verfolgen. Im Grunde mussten die Hockeyspieler dabei nur dem Beispiel aus verwandten Sportarten folgen: Auch bei den Australian Open der Tennisspieler wechselte vor vier Jahren der Untergrund von grün auf blau, ebenso beim Pariser Hallenturnier.

In London aber sind die Organisatoren des olympischen Turniers noch einen Schritt weitergegangen. Statt auf grünen Rasen wird nun nicht nur auf blauem Boden gespielt, statt wie üblich mit weißen Bällen werden auch noch erstmals gelbe Bälle eingesetzt, wodurch der Kontrast aber weiter verbessert werden soll. „Am Anfang war ich skeptisch, und tatsächlich braucht man auch ein paar Trainingseinheiten, um sich daran zu gewöhnen. Aber dann ist der Kontrast wirklich ein bisschen besser, und nach kurzer Zeit denkt man gar nicht mehr darüber nach“, sagt der deutsche Torwart Max Weinhold.

Hockeyspieler pflegen sich akribisch auf ihre Saisonhöhepunkte vorzubereiten, und so entstanden in den Nationen, die zu den Medaillenfavoriten gehören, natürlich überall blaue Kunstrasenplätze, baugleich mit jenem aus dem Olympiagelände. Die deutschen Damen übten so bereits ein paar Mal im niederländischen Ort Arnheim, die Herren auf der Anlage der Mannheimer HC, wo der blaue Platz auch noch mit einer Traglufthalle versehen wurde und damit gleich zur größten „Hockey-Indoor-Wiese“ der Welt wurde.

Kunstrasen ist nicht gleich Kunstrasen

Entscheidender als die Gewöhnung an die blaue Farbe ist aber ohnehin die Gewöhnung an die Eigenheiten des Platzes. Kunstrasen ist schließlich nicht gleich Kunstrasen, und wohin das führen kann, wenn man sich mit einem neuen Platz vorher nicht ausreichend beschäftigt, erlebten die Niederländer bei der Hockey-WM 2006 in Mönchengladbach. Obwohl das WM-Stadion nur ein paar Kilometer von der Grenze entfernt liegt, verzichtete der Mitfavorit darauf, in der Vorbereitung ein paar Trainingsstunden auf dem WM-Platz zu absolvieren. Im Turnier benötigte der damalige Eckenspezialist Taeke Takeema dann allerdings ein paar Spiele, um seine gefürchtete Treffsicherheit wieder zu finden – prompt verpassten die Niederländer überraschend das Halbfinale.

Anno 2012 kann das nicht mehr passieren – auf die deutschen Herren wartet im Mai ein Vier-Nationen-Turnier auf dem Olympiaplatz, die Damen spielen bereits in dieser Woche in London vor. „Er ist eher langsam und weich, aber gut zu bespielen“, sagte der deutsche Damen-Bundestrainer Michael Behrmann über den olympischen Rasen. Bis ins kleinste Detail gleicht übrigens keiner der Übungsplätze dem Londoner Vorbild. Die äußere Umrandung des Platzes in Pink mag zwar für einen ganz besonders starken Kontrast sorgen, aber das wäre vielleicht für viele Vereine etwas zu viel des Guten gewesen. Blau und pink – das wird ein Erkennungsmerkmal von London 2012 bleiben.

Die Olympischen Spiele vom 27. Juli bis zum 12. August werden das Sportereignis des Jahres 2012. Achim Dreis, Michael Reinsch, Bernd Steinle und Peter Penders hören ihrer Zeit voraus: „London Calling“ - die vorolympische Kolumne bei FAZ.NET.

Quelle: FAZ.NET
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Jahrgang 1959, Sportredakteur.

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