Schießen auf den laufenden Keiler ist ein altbekannter Jahrmarkt-Spaß für Möchtegern-Schützenkönige, die auf dem Rummelplatz ein paar Stofftiere ergattern wollen. Hat mit Sport aber genauso wenig zu tun wie die traditionelle englische Fuchsjagd, bei der die Jagdgesellschaft hoch zu Ross der Hundemeute folgte, die den Fuchs verfolgte und tötete.
Weil sie unfair und tierverachtend war, wurde die Parforcejagd 2005 in England verboten - sehr zum Ärger der Traditionalisten, wie man sich vorstellen kann. Entsprechen gut lassen es sich die Füchse mittlerweile in England gehen. Selbst in der Hauptstadt sind sie so heimisch geworden, dass die furchtlosen Stadtfüchse in London schon fast zur Plage geworden sind.
Auch Angst vor dem Abschuss kennen die Viecher offenbar nicht mehr, anders ist kaum zu erklären, dass sie in der vergangenen Woche Kabel angeknabbert und Fernseh-Mikrofone angefressen haben - und zwar beim Weltcup im Olympischen Schießzentrum, wo die 800 besten Schützen der Welt anwesend waren.
„Wir müssen mit den Tieren leben“, sagte Organisator Peter Underhill der BBC. Die Füchse zögen schon seit längerer Zeit auf dem ehemaligen Militärgelände ihre Kreise, auf dem das Schießzentrum errichtet wurde. Nun sollen eigens eingestellte Wachen die Rotfüchse verjagen - aber freilich nicht jagen. Auch Marco Dalla Dea, Kommunikationschef des internationalen Schützenbundes, zeigte Verständnis für die Tiere: „Die Füchse wollen ihren Park zurück“, sagte der Italiener - und versprach: „Wir werden ihnen ihr Land zurückgeben.“ Das Schießzentrum wird nach den Spielen wieder abgebaut, dann können sich Fuchs und Hase dort wieder gute Nacht sagen. Keiner der Sportler habe übrigens im Angesicht der possierlichen Tierchen daran gedacht, zur Waffe zu greifen: Die Schützen seien alles Tierfreunde.
Esst täglich eine Taube
Andere, allerdings nicht befellte, sondern gefiederte Tiere galten Jahrelang als ungewolltes Wahrzeichen der Stadt: Tauben. Früher waren am Trafalgar Square so viele „Ratten der Lüfte“ zu sehen, dass man meinen könnte, auf dem Markusplatz in Venedig zu stehen. Entsprechend populär war der Spruch: „Haltet London sauber, esst täglich eine Taube.“
Und siehe, im olympischen Jahr sind die zentralen Plätze weitgehend vogelfrei. Das Taubenproblem ist gegessen. Aber hat man sie wirklich verzehrt? Oder haben sich die Briten eher am österreichischen Grantler Georg Kreisler orientiert, der mit seinem schwarzen Humor und dem Liedchen: „Gehen wir Tauben vergiften im Park“ Ruhm erlangte?
Wurftauben schießen ist olympische Disziplin
Von systematischer Sterilisation war zu hören. Und von der erfolgreichen Ansiedlung von Raubvögeln in der Metropole: Wo Falken kreisen, verlassen Tauben den Luftraum.
Möglicherweise hat das gelöste Taubenproblem aber auch einen olympischen Hintergrund. Schließlich gehört Wurftaubenschießen zum olympischen Programm - allerdings unter so modernen Namen wie Trap, Doppeltrap und Skeet. Und selbstverständlich schießen die Sportschützen nicht auf lebende Objekte. Sind ja alles Tierfreunde.
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Lutz von Peter (LutzBrux)
- 27.04.2012, 09:08 Uhr