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London Calling Auf der Suche nach dem Teamgeist

 ·  Die Niederlagenserie in den Mannschaftssportarten macht auch vor Volleyball und Eishockey nicht halt. Wo ist nur der deutsche Teamgeist geblieben?

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© AFP Abgeblockt: deutsche Volleyballmänner

Jetzt also auch noch die Volleyballmänner und die Eishockeyspieler. Erst mal nicht qualifiziert für Olympia. Hört diese Niederlagenserie denn nie auf? Zwar haben beide Teams noch eine allerletzte Chance - jeweils bei einem Turnier, das sie sogar selbst ausrichten dürfen. Doch hilft der Heimvorteil den Volleyballern wirklich gegen Kuba? Und den Eishockeymännern gegen wer weiß wen? Wobei die sogenannten Kufencracks ja noch ein bisschen Zeit haben bis Sotschi 2014. In London steht nur Hockey ohne Eis auf dem Spielplan. Und da immerhin gehören die Deutschen mit beiden Teams zu den Favoriten.

Ansonsten herrscht Flaute bei den großen Spielen. Ob Handball, Fußball, Basketball oder Wasserball – alle Turniere kommen ohne schwarz-rot-goldene Beteiligung aus. Wo ist nur die deutsche Mannschaftsstärke geblieben?

Ist es die Quittung für die Individualisierung unserer Gesellschaft? Können Mannschaften nicht mehr gedeihen, weil überall der Egoismus blüht? Oder waren die Basketballer sowieso nur von der Güte eines einzelnen Dirk Nowitzki abhängig? Die Handballer vom jeweiligen Torwart? Und die Wasserballer von Hagen Stamm, egal ob als Spieler oder Trainer?

Warum aber bleibt Hockey erfolgreich? Bei den Hockeyspielern ist die Nationalmannschaft das Maß der Dinge, dem sich die Liga mit ihren Ansprüchen unterwirft. Von solchen Bedingungen konnte ein Heiner Brand in all seinen Jahren als Handball-Nationaltrainer nur träumen. Außerdem wird Hockey im besten Sinne seiner Bedeutung so amateurhaft geführt, dass der Sport keine Söldner anlockt. Die deutschen Talente können sich entfalten - sofern sie nicht von G8-Schule und Bachelor-Studium zeitlich überfordert werden.

Paare und Additionen ersetzten keine Teams

Das deutsche olympische Team wird in London kleiner ausfallen als gewöhnlich, so viel steht fest. Die fehlenden Ballsportler fallen bei der Kopfzahl ins Gewicht und bei der Stimmung. Und auch am Begleitpersonal muss gespart werden – die Gesamtzahl der akkreditierten Trainer, Mediziner und Masseure richtet sich nach der Menge der Sportler.

Verbliebene vermeintliche Hoffnungsschimmer sind Mogelpackungen: Im Beachvolleyball treten vier deutsche Teams an - doch sie sind Paare, keine Mannschaften. Auch andere Teamwettbewerbe halten der exakten Definition nicht stand. Tischtennis: als Mannschaft gilt die Addition einzelner Resultate. Degenfechten: dito. Wobei die Duplitzers und Heidemanns in Gegensatz zu den Bolls und Ovtcharovs noch nicht mal ansatzweise befreundet sind.

Aber von elf Freunden, die es in nostalgischen Zeiten gegeben haben soll, wollen wir hier erst gar nicht anfangen. Immerhin gibt es einen Rettungsanker: Der Deutschland-Achter, das Flaggschiff der Ruder-Flotte, ist seit ewigen Zeiten ungeschlagen. Acht Ruderer und ihr Steuermann, die stark sind, auch daran glauben, als echtes Team gelten und als Metapher für den deutschen olympischen Sport herhalten können: Sie sitzen alle in einem Boot.

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Jahrgang 1969, Sportredakteur.

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