Die deutschen Basketball-Männer haben den Sprung nach London nicht geschafft. Dennoch ist ein Deutscher bei den Olympischen Spielen auf dem Basketball-Parkett aktiv: als Schiedsrichter. Robert Lottermoser genießt seine Dienstreise in die englische Metropole. Unter den dreißig Referees, die für das olympische Turnier der Korbjäger nominiert wurden, ist er mit 36 Jahren der zweitjüngste.
„Hier ist so viel geballte Erfahrung versammelt“, sagt der Mann aus dem kleinen Städtchen Bernau in der Nähe von Berlin. „Einmalige Eindrücke“ genieße er in London, schwärmt der einzige Deutsche, der als Basketball-Schiedsrichter hauptberuflich sein Geld verdient.
Seinen Job als Bauingenieur hat Lottermoser vor vier Jahren aufgegeben - und sich für ein Dasein als selbständiger Schiedsrichter entschieden. Die Zeit hatte einfach nicht ausgereicht, um beides zu machen. An rund 200 Tagen im Jahr ist er in Sachen Basketball unterwegs. Und zwar weltweit.
“Deutschlands beste Pfeife“, wie ihn die Tageszeitung „Märkische Allgemeine“ jüngst nannte, ist auch ein international hochangesehener Schiedsrichter. Vor einem Jahr leitete er in Barcelona das Euroleague-Finalspiel zwischen Panathinaikos Athen und Maccabi Tel Aviv. Das Endspiel in dieser Champions League des Basketballs ist so etwas wie die Krone für europäische Korbjäger.
Die Nominierung als Karrierehöhepunkt
Selbst im Mutterland des Sports war Lottermoser schon als Referee unterwegs. Im Juli war er auf Einladung der NBA bei der Summer League in Orlando und sammelte dort Erfahrung mit dem etwas anderen Regelwerk und Spielstil der Amerikaner.
Und dann kam als Karrierehöhepunkt die Nominierung für die Spiele in London. „Das ist eine große Ehre für mich“, sagt Lottermoser, der seit 1984, als Klaus Metzger in Los Angeles zum Einsatz kam, der erste Deutsche ist, der als Basketballschiedsrichter bei einem olympischen Turnier Spiele leitet. „Und darauf“, sagt er, „bin schon ein wenig stolz.“
Kontakt zu Sportlern ist strikt untersagt
Lottermoser ist auch als Unparteiischer überaus ehrgeizig: „Da sind wir Schiedsrichter genau wie die Sportler. Alle wollen ins Finale kommen.“ Die Finalrunde ist natürlich auch atmosphärisch reizvoll. Denn statt in der Basketball-Arena im Olympic Centre von London finden die Spiele vom Viertelfinale an in der viel größeren, 22.000 Zuschauer fassenden North Greenwich Arena statt. „Und da herrscht dann sicher eine unglaubliche Stimmung“, vermutet Lottermoser, der schon jetzt von seinen Eindrücken bei den Spielen schwärmt.
Sooft es geht, versucht er in der Halle zu sein, denn zu den Basketballspielen hat er als einer der akkreditierten Schiedsrichter uneingeschränkten Zugang. Der Kontakt zu Sportlern ist dabei für die Referees nicht nur verpönt, sondern strikt untersagt - um weder Sympathie noch Antipathie bei den sportlichen Entscheidungen als Faktor ins Spiel kommen zu lassen.
Seinen Einsatzplan erhält Lottermoser immer am Vorabend bei einer Absprache in der Halle. Zuletzt pfiff er am Montagabend die Männerpartie zwischen Spanien (mit Superstar Pau Gasol von den Las Angeles Lakers) und Brasilien. Immer in der Hoffnung, möglichst lange im Turnier zu bleiben, es vielleicht bis ins Endspiel zu schaffen. „Aber eigentlich bin ich schon sehr froh, dass ich überhaupt dabei bin“, sagt er. Das olympische Motto gilt also keineswegs nur für die Athleten.