Jetzt wird’s hart: Je höher es für die Stabhochspringer hinaus gehen soll, desto steifer müssen die Stäbe sein, mit denen sie sich nach oben katapultieren. Björn Otto, gemeinsam mit Malte Mohr und Raphael Holzdeppe für die Entscheidung an diesem Freitagabend (20.00 Uhr / Live im Olympia-Ticker bei FAZ.NET) qualifiziert, hat erst vor der Abreise nach London seinen neuen Stab erhalten - ein Härtefall. Beim Diamond-League-Sportfest im Crystal Palace war aus dem Glasfaserstab, als er auf die Kante prallte, ein Stück herausgebrochen.
Solange der amerikanische Hersteller keinen neuen schickte, war Ottos Höhenflug in London gefährdet. Wie ein angeschlagenes rohes Ei sei sein Stab, sagte Otto. Man wisse nicht, ob er halte oder nicht. Wenn so ein Stab bricht, unter höchster Last und im Wettkampf, explodiert er praktisch. Denn der Stab ist der Energiespeicher der Stabhochspringer. Sie laden ihn mit dem Schwung ihres Anlaufs auf, wenn sie ihn in die kleine Grube vor der Anlage einstechen, und sie rufen die Energie ab, wenn der Stab sich in seine ursprüngliche Form streckt. Wenn ein derart energiegeladener Stab bricht, wie ein Bogen unter Spannung, gefährdet er nicht nur den Springer, der abstürzt, sondern, indem seine Teile unkontrolliert durch die Luft schießen, auch Kampfrichter und Athleten in weitem Umkreis.
Die härtesten Stäbe benutzte einst Sergej Bubka, der seit 25 Jahren den Weltrekord hält und ihn zuletzt vor 18 Jahren steigerte, auf 6,14 Meter. Seine Stäbe hatten den Härtegrad 11. In einen solchen Prügel bekommt keiner der Stabhochspringer von heute Energie. Otto ist der Einzige, der mit der Kraft eines Eisenbiegers einen Härtegrad der Zehner-Kategorie nutzt. Er und seine Konkurrenten träumen allerdings davon, unter günstigen Umständen sechs Meter zu erreichen. Zusätzlich zur gespeicherten könne der Athlet beim Aufschwung Energie gewinnen, verrät Bundestrainer Jörn Elberding: Indem er die Hebelkraft, die den Stabhochspringer wie ein Fahrstuhl in die Höhe reißt, mit einem mächtigen Absprung unterstützt.
Die Stäbe wiegen nur drei Kilo
5 bis 5,20 Meter lang sind die Stäbe der Männer, einen halben Meter länger als die der Frauen, und sie wiegen lediglich drei Kilo. Doch Stabhochspringer tragen ihre Stäbe nur vor und nach dem Wettkampf ausbalanciert in der Mitte. Im Wettkampf greifen sie ihn am Ende und tragen ihn wie eine Lanze beim Anlauf. Nach zehn Sprüngen im Wettkampf ist ein Athlet meist erschöpft; es gilt also, die Sieghöhe auch ökonomisch zu erreichen. Rund zwei Stunden lang wärmen sich Stabhochspringer dafür auf, mehr als eine Stunde brauchen sie, um sich im Sprung auf die Anlage und die Windverhältnisse einzustellen. Am Ende eines Wettkampftages sind sie nicht selten fünf Stunden und mehr auf den Beinen gewesen.