Warum ist ein Marathonlauf 42,195 Kilometer lang? Schuld daran sind die Briten. Das hat aber ausnahmsweise nichts mit ihren krummen Längenmaßen zu tun. Sondern mit ihrem Königshaus. Dessen Bequemlichkeit verlängerte die Qualen der Läufer. Zuerst nämlich war ein Marathon deutlich kürzer.
Als 1896 Baron de Coubertin die Olympischen Spiele neu begründete, nahm er die Idee eines Freundes auf, des aus Landau in der Pfalz stammenden französischen Philologen Michel Bréal: die Wiederholung des Laufs von Marathon nach Athen, nach dem Vorbild des legendären Boten Pheidippides, der 490 vor Christus die Botschaft vom Sieg gegen die Perser überbrachte und tot zusammenbrach.
Vermutlich hat Pheidippides damals den Weg übers Gebirge genommen, also rund 34 Kilometer zurückgelegt. 1896 lief man jedoch um das Gebirge herum am Meer entlang und legte die Strecke auf 40 Kilometer fest. Auch 1908 in London waren 40 Kilometer ausgeschrieben. Man erhöhte dann auf 40,23, weil die Strecke von Schloss Windsor zum Stadion führen sollte, dann auf 41,84, damit die königliche Familie den Start von der Ostterrasse aus verfolgen konnte.
Schließlich kamen im Stadion, damit das Rennen unmittelbar vor der königlichen Loge endete, weitere 355 Meter dazu. Das begründete die seit 1921 weltweit gültige Marathonlänge, die sowohl in englischem (26 Meilen, 385 Yards) wie internationalem Maß (41 Kilometer, 195 Meter) willkürlich wirkt.
Die addierten Meter werden zum Verhängnis
Den beiden Männern, die das Olympiastadion bei den bisherigen Spielen in London 1908 und 1948 als Führende erreichten, wurden die einst bis zur königlichen Loge addierten Meter zum Verhängnis. Der Italiener Dorando Pietri kollabierte mehrfach und benötigte für diese 355 Meter fast zehn Minuten, ehe ihn zwei Helfer über die Ziellinie schoben. Er wurde disqualifiziert.
Vierzig Jahre später klappte der Belgier Etienne Gailly zusammen, als er aus der Hitze in den kühlen Tunnel des Wembley-Stadions lief. Er erreichte das Ziel mit letzter Kraft als Dritter. Und auch Tausende Hobby-Läufer, die sich bei den großen Stadt-Marathons mit dieser Distanz abquälen, haben die letzten und schwersten Kilometer allein der Bequemlichkeit der englischen „Royals“ zu verdanken.