Dieses verfluchte Gold! Die deutschen Schwimmer haben es zu Beginn der Spiele wieder mal um Längen verpasst. Das war vielleicht gar keine so schlechte Idee. Zumindest könnten das Menschen denken, die auch an Dinge wie den „Fluch der Pharaonen“ glauben. Der wurde nicht in Kairo erfunden, sondern, richtig, in London, bei sogenannten „Mumien-Partys“ im frühen 19. Jahrhundert. Und hundert Jahre später soll es dann einige rätselhafte Todesfälle rund um die britischen Entdecker des Grabes von Tutanchamun gegeben haben. Was das mit den Olympiasportlern zu tun hat? Auch für sie hat London einen Fluch parat.
Zum dritten Mal ist London Olympiastadt. Doch bis Sonntag hatten Deutsche bei allen Londoner Spielen zusammen nur dreimal Gold gewonnen - alle drei 1908. Zwei der drei deutschen Sieger, ein Schwimmer, ein Wasserspringer, endeten tragisch. Nur Anna Hübler und Heinrich Burger, die im Eiskunstlauf gewannen, blieben verschont.
Arno Bieberstein, der über 200 Meter Rücken gewann, starb zehn Jahre später, als er beim Sonnenbaden auf dem Sprungturm eines Freibads in Magdeburg einen epileptischen Anfall erlitt. Er stürzte ins Wasser und ertrank. August Zürner, Sieger im Kunstspringen und Jugendfreund von Hans Albers, verunglückte 1920 in Hamburg bei einem Kopfsprung mit angelegten Armen tödlich.
Abergläubische Sportler könnten bei dieser Vorgeschichte leicht nervös werden und auch mit einer Silber- oder Bronzemedaille zufrieden sein. Doch das hilft auch nichts, wie das Schicksal einiger Medaillengewinner der Spiele von 1948 zeigt (an denen Deutschland, vielleicht zum Glück, nicht teilnehmen durfte).
Der Australier John Birnie Marshall, Dritter über 400 und Zweiter über 1500 Meter Freistil, starb bei einem Autounfall. Ebenso wie der Belgier Étienne Gailly, der im Marathon das Stadion als Erster erreichte, dann kollabierte und Dritter wurde - und ebenso wie der Marathon-Sieger, Delfo Cabrera aus Argentinien. Nicht genug der Londoner Schicksalsspiele. Díaz Sáenz, Argentinier, Zweiter mit der Schnellfeuerpistole, stürzte ebenso mit dem Flugzeug ab wie George Lewis Ahlgren, Sieger mit dem amerikanischen Ruder-Achter. Der Mexikaner Humberto Mariles Cortéz, Sieger im Springreiten, starb als pensionierter General und verhafteter Drogenhändler in einem französischen Gefängnis.
Wer gewinnen will, sollte an sich glauben
Und, wie bei Bieberstein und Zürner, trifft der Fluch oft Menschen, die ins Wasser springen. Tapio Rautavaara, Sieger im Speerwurf, später einer der erfolgreichsten finnischen Sänger, erlitt beim Sturz in einem Bad tödliche Kopfverletzungen. Und der Amerikaner Bruce Ira Harlan, Sieger im Kunstspringen, kam ums Leben, als er nach einer Veranstaltung beim Abbau des Sprungturms vom Gerüst stürzte.
Der Fluch von London? Alles Unfug, natürlich. Doch wer hier gewinnen will, sollte besser an sich selbst glauben und nicht an dunkle Mächte. Oder, wenn er abergläubisch ist, im späteren Leben Schwimmbäder meiden.
Die Dopingkontrollen funktionieren halt und zeigen Wirkung
klaus keller (klkeller)
- 30.07.2012, 21:08 Uhr