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Olympia-Kommentar Ein Comic-Heft voller Superhelden

 ·  Weltrekord von David Rudisha, Dreifach-Erfolg der Jamaikaner: Das Olympiastadion wirkt bei der Leichtathletik wie ein Comic-Heft voller Superhelden. Irgendwann aber wird uns die Realität ohnehin einholen.

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© REUTERS Über 800 Meter zum Weltrekord: David Rudisha

Was kommt eigentlich noch? Dem Meister aller Klassen des Sprints, Schwergewicht der internationalen Leichtathletik und ihrer Schlagzeilen, wird seine Sportart offenbar zu klein. Wenn Trainer Alex Ferguson ihn zum Probetraining bei Manchester United einlade, versprach Usain Bolt, könne er unmöglich nein sagen. Kricket, seine alte Liebe, könnte ihn auch reizen; er sei bereit für die indische Profiliga.

Von seinem Besuch in Tschechien hat Bolt im Frühjahr einen Eishockeyschläger mitgebracht - Jamaika, Karibikinsel ohne eine einzige Eisfläche, ist neuerdings Mitglied im Welt-Eishockeyverband. Warum sollte der Meister, der noch nie in seinem Leben auf Schlittschuhen stand, nicht am Puck reüssieren? Das Maß von Bolts Liebe zum Motorsport lässt sich aus seinem Verbrauch von Sportwagen ermessen: Sie ist groß. Warum sollte der schnellste Mann der Welt nicht auch bei Autorennen Spitze sein?

Seit dieser unfassbare Jamaikaner, aus einem Tief von Verletzungen und Unlust auf die Bahn zurückgekehrt, zum zweiten Mal zum Olympiasieg auf beiden Sprintstrecken gerannt, nein: geflogen ist, ist ihm alles zuzutrauen. Sein entspannter Charme, sein unangestrengtes, manchmal kindisches Selbstbewusstsein, vor allem aber seine frappierende Überlegenheit im Lauf: Das erschöpft unsere Fähigkeit zum Staunen.

Erst ist da ein Bolt, dann kommt ein Blake, und nach dem Doppelsieg über 100 Meter nehmen sich die jamaikanischen Sprinter gleich alle drei Medaillen für den 200-Meter-Lauf. Wenn aus einem Jahrhunderttalent gleich mehrere werden, wenn eine Ausnahmefigur sich vervielfacht, endet die Fähigkeit, an sie zu glauben.

Olympia kompakt: Spät protestieren sie...

Technisch und athletisch sind die jamaikanischen Läufer, deren beste aus dem Racers Track Club von Trainer Glen Mills stammen, perfekt ausgebildet, ihr Selbstbewusstsein versetzt Berge. Erklärt das diese Dominanz? Und erklärt das auch den Erfolg der Frauen, die bei Steven Francis trainieren, dem anderen Macher des jamaikanischen Sprint-Wunders?

Das Olympiastadion wirkte mit dem Weltrekord von David Rudisha und dem Dreifacherfolg der Jamaikaner wie ein Comic-Heft voller Superhelden: Vergesst alle Plausibilität, lasst euch ruhig überwältigen von schier überirdischen Fähigkeiten. Irgendwann wird uns die Realität ohnehin einholen. Spätestens, sobald Manchester United einen Flügelstürmer verpflichtet - und der nicht Usain Bolt heißt.

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Jahrgang 1958, Korrespondent für Sport in Berlin.

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