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Olympia-Kommentar DDR-Sport in XXL-Version

 ·  Systematisch selektiert die Volksrepublik ihre Athleten, bisweilen brutal werden sie trainiert. Chinas Sportsystem erinnert an das der DDR. Und die Kopie funktioniert besser als das Original.

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© REUTERS Jung, schnell, fabelhaft: die chinesische Olympiasiegerin Ye Shiwen

Es gibt schon einen Star der Spiele: China. Die Volksrepublik hat gleich in den ersten Tagen ihr jugendliches Gesicht gezeigt und ein goldiges Lächeln aufgesetzt. Der internationalen Konkurrenz ist dabei nicht gerade warm ums Herz geworden. Sie hat das Signal sofort verstanden. China macht dort weiter, wo es aufgehört hat vor vier Jahren in Peking: 51 Goldmedaillen scheffelten die Staatsprofis 2008, 100 Medaillen insgesamt, sie erfüllten den Auftrag der Partei und übernahmen erstmals in der Geschichte der Olympischen Spiele die Führung in der inoffiziellen Nationenwertung. Was also kann noch kommen nach dem Triumph im eigenen Land? Der zweite Schritt zur Weltmacht: die Dominanz auf fremdem Terrain.

Die Briten irren, wenn sie immer noch glauben, London 2012 seien ihre Spiele. Sie haben für das Spektakel zwar zwölf Milliarden Euro bezahlt, die Jugend der Welt eingeladen, aber doch nur einen wunderbaren Parcours für die Kür der Chinesen gebaut. Die siegen wie auf Knopfdruck, sofort im Schießen, im Gewichtheben, im Schwimmen, beim Wasserspringen, zu Lande, zu Wasser und in der Luft. Damit liegt das Olympiateam nicht nur im Plan der Parteiführung. Die glänzende Vorstellung wirkt auch schon auf Chinas Gegner um den Titel der ersten Sportmacht. Die Spiele, ließen die Amerikaner erklären, dauerten noch lange. Das klang zwar cool, war aber nichts anderes als eine, wenn auch verhaltene, Kampfansage. Auch im dritten Jahrtausend dient Olympia als Spielfeld für die Selbstdarstellung der Welt-Herrscher.

Systematische Auswahl von Talenten

Die Machtverschiebung, sagen Sportökonomen, sei auch eine Folge des Wirtschaftsaufschwungs in Asien. Zweifellos investiert China Abermillionen in sein Sportsystem aus der Westentasche. Aber Sporterfolge repräsentieren nicht die Leistungsfähigkeit einer Gesellschaft. Dann wäre das Milliardenvolk Indien schwach auf der Brust; in Peking gewann die Weltmacht der Informationstechnologie nur drei Medaillen. Nein, hinter Pekings Goldschätzen steckt allein der politische Wille, den Sport für ein besseres Image auf dem Globus zu nutzen. Das gelingt nicht mühelos. Systematisch werden Talente ausgewählt, delegiert und mitunter drangsaliert. Die Auswahl ist groß, die Fluktuation enorm und die Wahl der Abermillionen hoffnungsvollen jungen Sportler gering. Wer sich dem harten, bisweilen brutalen Programm beugt, dem winkt der Weg in die große, weite Welt. Chinas Sportsystem ist die XXL-Version der DDR.

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Inzwischen funktioniert diese Kopie besser als das Original. Aber den Strategen kommen Bedenken. Mit Gold allein sind die Chinesen nicht mehr zufrieden. „Wir haben versagt“, erklärte ein Tischtennis-Funktionär nach der Weltmeisterschaft 2011 in Rotterdam: „Es ist nicht gut, wenn alle großen Titel bei internationalen Turnieren von Chinesen errungen werden.“ Angeblich soll der Welt das Geheimnis des chinesischen Erfolges offenbart werden. Vielleicht will das gar nicht jeder erfahren. Es reicht ja schon zu wissen, dass China mit dem Gedanken spielt, nun Sieger in aller Welt auszubilden. Dann beherrschten sie das ganze Spiel.

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Jahrgang 1964, verantwortlicher Redakteur für Sport.

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