Usain Bolt ist auch über 200 Meter Olympiasieger geworden, sein jamaikanischer Trainingspartner Yohan Blake gewann am Donnerstagabend in London die Silbermedaille vor Warren Weir, dem dritten Jamaikaner im Rennen. Den Weltrekord des Abends aber lieferte der Kenianer David Rudisha eine Stunde vorher: da durchbrach er in einem zwei Runden langen Solo als erster Mensch auf den 800 Meter die Schallmauer von 1;41 Sekunden und verbesserte den Weltrekord auf 1:40,91 Sekunden.
Bolt übernahm schon in der Kurve deutlich die Führung und siegte in 19,32 Sekunden; bei den Olympischen Spielen von Atlanta 1996 war das die Siegeszeit, mit der Michael Johnson Olympiasieger und Weltrekordler wurde. Zwölf Jahre später verbesserte Bolt den Rekord bei seinem Olympiasieg von Peking auf 19,30 und beim Gewinn der Weltmeisterschaft 2009 in Berlin auf 19,19 Sekunden. Weiterhin zweitschnellster 200-Meter-Läufer der Geschichte ist der mit 22 Jahren drei Jahre jüngere Blake, genannt „The Beast“. Er lief im vergangenen Jahr 19,26 Sekunden und kam Bolt auf der Zielgeraden sichtbar näher. Nach 19,44 Sekunden war er im Ziel: Wieder Silber wie schon über 100 Meter.
Auch der im Vergleich schmächtige Weir benötigte weniger als zwanzig Sekunden: in 19,84 gewann der dritte Jamaikaner Bronze. Christophe Lemaitre, als dreifacher Titelträger der Europameisterschaft von Helsinki so etwas wie der weiße Usain Bolt, wurde in 20,16 Sekunden Sechster. Am nächsten kam dem jamaikanischen Wundert-Trio der Amerikaner Wallace Spearman mit 19,90 Sekunden. Fünfter wurde der aus der Karibik stammende Niederländer Churandi Martina in glatten zwanzig Sekunden.
Bolt hat mit diesem Sieg als erster Sprinter den Doppelsieg auf beiden Sprintstrecken wiederholt und damit seinen Anspruch untermauert, als Legende in die Geschichte des Sports einzugehen. Noch aber prägt er mit Macht die Gegenwart. Mit dem Dreifachsieg sind er und die jamaikanische Staffel auch Favorit für die vier Mal 100 Meter am Samstag. Nicht nur Bolts spektakulärer Erfolg macht staunen, nicht nur die phänomenale Entwicklung von Blake - Weltmeister über hundert Meter von Daegu 2011 -, sondern auch das Auftauchen von Weir. Er wird, wie Bolt und Blake, von Glen Mills im Racers Track Club in Kingston auf Jamaika trainiert.
Den Weltrekord, den alle Welt von Bolt und Blake erwartet hatte, lieferte schon eine Stunde vorher - noch dazu mit Ansage - David Rudisha. Der Wunderläufer aus Kenia, der die Bestzeit vor zwei Jahren in Berlin und in Rieti verbessert und seitdem bei 1:41,01 Minute stehen lassen hatte, durchbrach die Schallmauer von 101 Sekunden am Donnerstagabend mit einem Donnerschlag. Ohne Tempomacher, wie das bei Rekordrennen sonst üblich ist, lief er vom Start weg an der Spitze. Nach 600 Meter konnte niemand im Feld mehr mithalten; Abubaker Khaki aus Sudan ließ abreißen, und Rudisha stürmte mit raumgreifenden Schritten nach 1:40,91 Minuten ins Ziel. Diese dritte Verbesserung des Weltrekords ausgerechnet im Finale der Olympischen Spiele ist eine unglaubliche Leistung.
1981 verbesserte Sebastian Coe, der Chef des Organisationskomitees dieser Olympischen Spiele, den Weltrekord auf den beiden Stadionrunden in Florenz auf 1:41,73 Minuten. Die Bestzeit stand sechzehn Jahre lang. Dann erst unterbot der aus Kenia stammende Däne Wilson Kipketer, im August 1997 in Köln, den Rekord. Seine Marke von 1:41,11 Minuten blieb fünfzehn Jahre lang unerreicht. Bis Rudisha kam.
Ihn trainiert ein Mann Gottes
Auf der Tribüne des Olympiastadions beglückwünschten sich Coe und der Präsident des Welt-Leichtathletikverbandes, Lamine Diack, gegenseitig zu diesem neuen Weltrekord, der die Wettbewerbe im Olympiastadion schon vor dem Auftritt von Bolt und Blake krönte. Wenn kein britischer Athlet gewinne - und von einem solchen war im Rennen über 800 Meter weit und breit keiner zu sehen - gönne er den Olympiasieg Rudisha am meistern, hatte Coe gesagt.
Rudisha braucht nicht wie der Olympiasieger über 1500 Meter, der zweifelhafte Algerier Taoufik Makhloufi, göttliche Unterstützung für seine phänomenale Leistungssteigerung zu reklamieren. Ihn trainiert ein Mann Gottes mit enormer Reputation: der irische Laienbruder Colm O’Conner, der sich in den 35 Jahren, seit er an der St. Patrick’s High School in Iten im kenianischen Hochland den Sportunterricht übernommen hat, 29 Weltmeister und Olympiasieger hervorgebracht hat. Rudisha ist nur der jüngste in einer Reihe, die mit Henry Rono, Olympiasieger 1988, begann.
1:46,6 - Rudolf Harbig (Deutschland) - 15.07.1939
1:45,7 - Roger Moens (Belgein) - 03.08.1955
1:44,3 - Peter Snell (Neuseeland) - 03.02.1962
1:43,7 - Marcello Fiasconaro (Italien) - 27.06.1973
1:43,5 - Alberto Juantorena (Kuba) - 25.07.1976
1:43,4 - Alberto Juantorena (Kuba) - 21.08.1977
1:42,33 - Sebastian Coe (Großbritannien) - 05.07.1979
1:41,73 - Sebastian Coe (Großbritannien) - 10.06.1981
1:41,24 - Wilson Kipketer (Dänemark) - 13.08.1997
1:41,11 - Wilson Kipketer (Dänemark) - 24.08.1997
1:41,09 - David Rudisha (Kenia) - 22.08.2010
1:41,01 - David Rudisha (Kenia) - 29.08.2010
1:40,91 - David Rudisha (Kenia) - 09.08.2012
Unken sind doch eigentlich scheußlich
horst lien (gentlemensch)
- 10.08.2012, 22:52 Uhr
Zweifeln sind angebracht.
Psolos Rufianidis (Aristotelov)
- 10.08.2012, 11:21 Uhr
Haiti
Günter Blümel (guenterbluemel)
- 10.08.2012, 11:07 Uhr
Nachgefragt.
Sven Meier (RSix)
- 10.08.2012, 05:58 Uhr