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Keri-Anne Payne Zwischen Enten, Schilf und Quallen

 ·  Trotz gewaltiger Investitionen und noch gewaltigerer Erwartungen ist das britische Schwimmteam ohne Olympia-Gold bei den Heim-Spielen geblieben. Keri-Anne Payne soll die Bilanz nun retten.

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© AFP Britische Hoffnung im Wasser: Keri-Anne Payne

Es sind nicht nur die deutschen Schwimmer, die derzeit einen schweren Stand haben - auch in Großbritannien schlagen die Wellen hoch. Trotz gewaltiger Investitionen und noch gewaltigerer Erwartungen ist das britische Team ohne Olympia-Gold bei den Heim-Spielen geblieben. Bisher zumindest. Denn nun setzen alle auf Keri-Anne Payne. Sie wird an diesem Donnerstag im 10-Kilometer-Rennen im Hyde Park ins Wasser gehen. Und sie soll endlich Britanniens erste Schwimm-Olympiasiegerin in London werden.

Die 24 Jahre alte Freiwasser-Weltmeisterin hatte in der vergangenen Woche schon Gelegenheit, die Strecke zu testen. Und was sie erlebte, machte ihr Mut. „Ich hatte nur mit ein paar Enten zu kämpfen und blieb ab und zu im Schilf hängen“, sagte sie, „aber es war gut. Wirklich gut.“ Freiwasserschwimmer sind, was ihren Sport angeht, Kummer gewohnt.

Auch Keri-Anne Payne kann da viel erzählen. Von den toten Hunden etwa, die sie in China im Wasser antraf. Oder von dem Wettkampf in Hongkong. Dort kamen die Schwimmer an diesen großen Bojen vorbei, und als sie fragte, wofür die seien, erfuhr sie, dass es Hai-Netze waren, was ja beruhigend gewesen wäre - wären sie nicht auf der falschen Seite der Netze geschwommen.

Freiwasserschwimmen ist oft ein Willenstest, eine charakterliche Herausforderung. Keri-Anne Payne hat das früh erfahren. Sie hatte als Beckenschwimmerin begonnen, doch als sie 2006 bei den Commonwealth-Spielen in Melbourne ohne Medaille geblieben war, überredete sie ihre Trainer, sich im Langstreckenschwimmen zu versuchen. Gleich bei ihrer ersten Weltmeisterschaft, 2007 in Melbourne, wurde ihr schmerzlich klar, auf was sie sich da eingelassen hatte.

„Total durchgedreht und rausgezogen“

Beim Freiwasser-Rennen vor St. Kilda seien Tausende von Quallen im Wasser gewesen, sagt sie, „so groß wie Dinnerteller“. Sie musste sich lange überwinden, um überhaupt zum Training ins Wasser zu springen. „Ich bin vielleicht 300 Meter geschwommen, bevor ich total durchgedreht bin und rausgezogen werden musste.“ Im Rennen erlitt sie dann früh einen Quallenbiss im Mund, kämpfte sich trotzdem weiter durch das Geglibber und wurde am Ende Elfte.

Seither hat sich Keri-Anne Payne mit den Zumutungen ihres Sports erfolgreich arrangiert. Vor drei Jahren in Rom wurde sie als erste Britin Weltmeisterin über die einzige olympische Freiwasserstrecke, die 10 Kilometer. 2008 in Peking gewann sie Olympia-Silber. Im vergangenen Jahr in Schanghai wiederholte sie ihren WM-Erfolg und qualifizierte sich damit für die Spiele in London. Dort werden die Bedingungen ganz andere sein als in Schanghai, das Wasser im Hyde Park wird wohl etwa zehn Grad kälter sein - Überhitzung ist da kein Thema, Gefühllosigkeit in Händen und Füßen angesichts einer Wettkampfzeit von rund zwei Stunden aber eventuell schon.

Gute Freundschaft zu Rebecca Adlington

Obwohl sie als Freiwasserschwimmerin viel einstecken und trainieren muss, sieht Keri-Anne Payne die Nebenrolle, die Langstreckler im Vergleich zu den Beckenschwimmern gewöhnlich spielen, gelassen. Mit Britanniens Schwimmstar Rebecca Adlington ist sie so gut befreundet, dass sie die zweimalige Bronzemedaillengewinnerin in London bat, Brautjungfer bei ihrer Hochzeit zu sein.

Rebecca Adlington, die Doppel-Olympiasiegerin von Peking, die viele auch in London als Gold-Favoritin gesehen hatten, ist zugleich die beste Ansprechpartnerin in Sachen Druck und Erwartungen. Schließlich weiß auch die in Johannesburg geborene Keri-Anne Payne: „Sie werden mir nicht die Goldmedaille um den Hals hängen, nur weil ich die Weltmeisterin bin.“

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Jahrgang 1970, Sportredakteur.

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