So richtig zerknirscht wirkte Britta Steffen nicht. War sie auch nicht. „Ich bin zufrieden mit dem Rennen“, sagte die Doppel-Olympiasiegerin von Peking am Mittwoch in London. „Es war eine Steigerung zum Vorlauf, ich habe alles gegeben, habe gekämpft wie eine Wildsau.“
Das war an diesem Abend im Aquatics Centre aber nicht genug, um in das olympische Finale über 100 Meter Freistil vorzustoßen. In 54,18 Sekunden reichte es für Britta Steffen nur zu Platz zwölf, Daniela Schreiber wurde in 54,39 Fünfzehnte. Um den Endlauf zu erreichen, wäre eine Zeit von 53,86 Sekunden nötig gewesen.
„Bei den Spielen in Peking reichte eine 54,1 für das Finale, jetzt ist es eine 53,8“, sagte Britta Steffen. „Die Dichte ist unglaublich.“ Allerdings blieb die Berlinerin im Olympia-Halbfinale auch weit unter ihren Möglichkeiten. In dieser Saison schwamm sie bereits bei den deutschen Meisterschaften in Berlin eine Zeit von 53,65 Sekunden - die hätte in London für den Einzug ins Finale leicht gereicht.
Selbst bei der Europameisterschaft in Debrecen Ende Mai, als sie aus dem Training heraus antrat, war sie in 54,15 Sekunden im Einzel-Finale über 100 Meter Freistil schneller, in der Lagenstaffel steigerte sie sich gar auf eine Zeit von 52,75 Sekunden mit fliegendem Start. „Manche Dinge lassen sich eben nicht beeinflussen“, sagte sie, „der Sport ist nicht planbar“.
Und verwies auf die mitfavorisierte Schwedin Sarah Sjöström, die vor einem halben Jahr knapp über 53 Sekunden geschwommen war - und nun ebenfalls mit 53,93 Sekunden im Halbfinale ausschied. „Sie hat mir gesagt, sie hat trainiert wie noch nie, aber es funktioniert halt nicht“, sagte Britta Steffen. Sie selbst habe hundert Prozent gegeben, „alles was drin war. Aber damit muss ich jetzt leben.“
Und die deutschen Schwimmer müssen nun mit der Aussicht leben, erstmals seit den Spielen 1932 in Los Angeles ohne Medaille bei den olympischen Beckenwettbewerben zu bleiben. Britta Steffen war schon am Morgen im Vorlauf nicht in Fahrt gekommen. 54,42 Sekunden, damit war sie praktisch genauso schnell gewesen wie am Samstag in der Freistilstaffel - mit dem Unterschied, dass sie damals am Ende Reserven hatte und diesmal nicht.
Taktieren war da nicht mehr, „das war das, was ich konnte“ - und es reichte gerade mal für knapp drei Zehntelsekunden Puffer auf die Höchststrafe, das Aus im Vorlauf. Die Doppel-Olympiasiegerin von Peking musste anerkennen, dass ihr die internationale Spitze enteilt ist.
Lebherz und Glania am Finale vorbei
„Wenn ich sehe, wie viel die anderen geben, wie sie hier schwimmen, bin ich schon deutlich ins Hintertreffen geraten“, sagte die 28 Jahre alte Berlinerin. „Die Entwicklung geht weiter, die Jugend kommt nach, das kann man nicht aufhalten.“ Vielleicht, mutmaßte sie, „ist meine Zeit einfach vorbei, was die 100 Meter Freistil betrifft“. In London startet sie jetzt noch über 50 Meter Freistil - aber dort wird sie nach dem Eindruck aus dem 100-Meter-Rennen kaum um die Medaillen kämpfen können. „Eine Finalteilnahme“, sagte sie, „wäre Spitze“.
Die verpassten am Mittwochabend über 200 Meter Rücken Jan-Philip Glania und Yannick Lebherz. Beide kamen nicht an ihre Zeiten aus dem Vorlauf heran, Glania schied als Zehnter in 1:57,43 Minuten aus, Lebherz als Fünfzehnter in 1:58,80 Minuten. Über 200 Meter Lagen schien Markus Deibler in 1:58,88 Minuten als Neunter des Halbfinales zu scheitern, vier Zehntelsekunden fehlten ihm zur Finalteilnahme - doch weil der Südafrikaner Chad Le Clos, Olympiasieger über 200 Meter Schmetterling, auf das Finale verzichten mochte, darf Deibler am Donnerstagabend starten.
Alle Olympia-Medaillen des Mittwochs
Der Ungar Daniel Gyurta schwamm bei seinem Olympiasieg über 200 Meter Brust in 2:07,28 Minuten einen Weltrekord. Schon im Halbfinale über dieselbe Strecke bei den Frauen erzielte die Amerikanerin Rebecca Soni in 2:20,00 Minuten den zweiten Weltrekord an diesem Abend. Die amerikanischen Schwimmerinnen haben die Staffel über 4 x 200 Meter Freistil vor Australien und Frankreich gewonnen. Die deutsche Staffel hatte die Qualifikation für den Endlauf klar verfehlt.
Das Rennen des Abends aber lieferten die Männer über 100 Meter Freistil: Der Amerikaner Nathan Adrian schlug den australischen Weltmeister James Magnussen um eine Hundertstelsekunde. Für 47,52 Sekunden gab es Gold, für 47,53 Sekunden Silber.
Wie bitte??
Matthias Unger (ungermat)
- 02.08.2012, 14:04 Uhr
Badeurlaub auf Staatskosten
Matthias Stemme (Kockjey)
- 02.08.2012, 12:50 Uhr
Falsche Planung im Vorfeld?
Matthias Damm (dammm)
- 02.08.2012, 11:42 Uhr
Man muss schon masochistisch sein,
Claus Behrens (chipin)
- 02.08.2012, 00:46 Uhr