Der Deutsche Ruderverband (DRV) hat wohl doch von der Liaison seiner Olympiateilnehmerin Nadja Drygalla mit einem aktiven Rechtsradikalen gewusst. Das geht aus Äußerungen des Vorsitzenden im Ruderverband Mecklenburg-Vorpommern, Hans Sennewald, hervor: „Das (Verhältnis) ist offiziell nicht kommuniziert worden. Es hat aber Gespräche am Rande gegeben. Wenn der Deutsche Ruderverband jetzt von dem Thema überrascht worden ist, kann ich das nicht kommentieren“, sagte Sennewald am Samstag der Deutschen Presse-Agentur.
Sennewald, der auch Vizepräsident im Verein von Frau Drygalla, dem ORC Rostock ist, bestätigte, dass sich sein Verband sehr „aktiv im Vorfeld mit Nadja auseinandergesetzt hat, was ihren Umgang angeht. Man wisse um die Beziehung mit Fischer „seit vielen Jahren“, das Thema sei bekannt. Der Deutsche Ruder-Verband hatte am Freitag erklärt, von dem Fall wie der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) nicht vor dem vergangenen Donnerstag erfahren zu haben.
DOSB-Generalsekretär Michael Vesper, zugleich Delegationsleiter in London, hatte Nadja Drygalla am Abend in einem eineinhalbstündigen Gespräch überzeugt, das Olympische Dorf verlassen zu müssen. Die Vorsitzende im Sportausschusses des Deutschen Bundestages, Dagmar Freitag, zweifelt, dass Spitzen des Sports nichts gewusst haben und forderte eine Aufklärung. Der Fall offenbare ein Problem in der Kommunikationsstruktur des Spitzensports: „Wie kann es sein, dass ein Laufbahnberater an einem Olympiastützpunkt nicht davon erfährt, dass eine Athletin den Polizeidienst quittiert? Das hätte doch auffallen müssen und dann stellt man doch Fragen, warum das so ist, man spricht mit dem Bundestrainer oder dem Dachverband.“
Warum hat Caffier nichts gesagt?
Nadja Drygalla war nach einem Gespräch mit ihrer Dienststelle wegen ihrer privaten Kontakte zu Fischer im Herbst 2011 aus dem Polizeidienst ausgeschieden. Damit die sportliche Leistung bei Athleten ohne Einkommen nicht leidet, hat der Sport Laufbahnberater bei den vom Staat finanzierten Olympiastützpunkten engagiert. Sie sollen sich um die Absicherung kümmern, Kontakte knüpfen, Stellen vermitteln.
Nadja Drygalla erhielt nach ihrem Rückzug von der Polizei einen 400-Euro-Job in Sennewalds Ruderverband Mecklenburg-Vorpommern. Der beteuerte laut dpa dass sich die Athletin von der rechtsradikalen Haltung „offen distanziert. Sie hat immer wieder betont, dass sie die politischen Überzeugungen von Michael Fischer nicht teilt. Und das ist für uns auch derart überzeugend vorgetragen worden, dass wir es zu akzeptieren haben. Mir liegen auch keine Hinweise darauf vor, dass es bei zuständigen Instanzen unseres Staates andere Informationen zu dem Thema gibt.“
Dagmar Freitag hat den Obleuten ihres Ausschusses unterdessen vorgeschlagen, das Thema auf die Tagesordnung am 26. September zu setzen. Dann wird wohl auch diskutiert, ob der frühere Dienstherr von Frau Drygalla, Mecklenburg-Vorpommerns Innenminister Lorenz Caffier, dem Sport sein Wissen über eine brisante Geschichte vorenthielt. Er sitzt im Aufsichtsrat der Nationalen Antidoping-Agentur.
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