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Freiwasserschwimmen Silber für Thomas Lurz

 ·  Im letzten Wettbewerb der Schwimmer in London gibt es doch noch eine Medaille für den Deutschen Schwimmverband: Thomas Lurz wird in der Serpentine des Hyde Park Zweiter über zehn Kilometer.

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© REUTERS Auf dem Weg zur Silbermedaille: Thomas Lurz verpasst den Olympiasieg nur knapp

Es war der einzige Titel, der ihm noch fehlte. Er war zehnmal Weltmeister, fünfmal Europameister, Weltcupsieger 2009 und 2011, selbst zum „Freiwasserschwimmer des Jahrzehnts“ hat der Schwimm-Weltverband den 32 Jahre alten Thomas Lurz schon erhoben. Ein großes Ziel aber war immer noch offen gewesen in seiner langen Karriere, das größte Ziel, Olympia-Gold.

Seine Disziplin, das Langstreckenschwimmen, ist erst seit 2008 olympisch, damals bei der Premiere in Peking gewann Lurz die Bronzemedaille. Am Freitag, beim Rennen in der Serpentine im Hyde Park, hatte der Würzburger nun seine zweite Chance - doch mit Gold wurde es wieder nichts. Olympiasieger 2012 über die 10-Kilometer-Strecke wurde der Tunesier Oussama Mellouli, der in 1:49:55,1 Stunden gewann. Für Lurz blieb mit 3,4 Sekunden Rückstand die Silbermedaille.

Es war die erste Podiumsplazierung für einen Athleten des Deutschen Schwimm-Verbands in London. „Ich bin glücklich mit Silber“, sagte Lurz, „das war das Beste, was heute möglich war“.

Eigentlich war zunächst alles nach Plan gelaufen für ihn. Der deutsche Top-Freiwasserschwimmer hielt sich immer im vorderen Drittel des Feldes auf. In der vorletzten Runde aber ging dann der Tunesier Mellouli in die Offensive.

Nachdem der zweite deutsche Teilnehmer, der 25 Jahre alte Saarbrücker Andreas Waschburger, das Tempo an der Spitze lange mitbestimmt hatte, setzte sich Mellouli, der in London schon im Beckenwettbewerb über 1500 Meter am vergangenen Samstag die Bronzemedaille gewonnen hatte, schnell ein paar Meter ab. „Für uns war klar“, sagte Bruder und Bundestrainer Stefan Lurz, „dass Mellouli pushen und Gas geben würden.“

Thomas Lurz folgte ihm zunächst, wie auch der Grieche Spyridon Gianniotis und der Kanadier Richard Weinberger. Die Vier gingen in kurzen Abständen auf die letzte der sechs Runden, dahinter folgte Waschburger mit 15 Sekunden Rückstand auf Rang fünf.

Der Tunesier legte dann aber immer mehr Distanz zwischen sich und die Verfolger - und die kamen trotz aller Bemühungen nicht mehr an ihn heran. Lurz machte sich auf der Zielgeraden noch auf die Jagd nach dem Spitzenreiter, doch der rettete sich mit den letzten Kräften als Erster ins Ziel. Waschburger wurde Achter. „Ich habe gesehen, dass Thomas eine vor Runde Schluss schon viel investieren musste, um an Mellouli dranzubleiben“, sagte der Bundestrainer.

Tatsächlich entschloss sich Thomas Lurz dann 1200 Meter vor dem Ziel, lieber die Silbermedaille zu sichern, als mit aller Kraft Mellouli nachzusetzen - und dann eventuell auf Rang vier zu enden. Die ruhigen Bedingungen in der Serpentine kamen dem Beckenspezialisten aus Tunesien dabei sicher zugute, „uns wären ein paar Wellen mehr schon recht gewesen“, sagte Stefan Lurz.

Trotzdem war auch der Trainer froh über die Silbermedaille seines Bruders. Und der freute sich wiederum darüber, „eine taktisch clevere Entscheidung getroffen zu haben“ - und dafür mit Platz zwei belohnt worden zu sein.

„Ich breche jetzt durch“

Die Renntaktik spielt im Langstreckenschwimmen oft eine entscheidende Rolle. Auch Lurz musste in seiner Anfangszeit erst ein Gefühl entwickeln dafür, wann es gilt, nur im Feld mitzuschwimmen und wann anzuziehen. „Oft denkst du: Ich breche jetzt durch, das schaff‘ ich, ich bin ja gut trainiert“, sagt Lurz. Und oft genug geht das daneben, weil am Ende die Kräfte ausgehen.

Im Sog der anderen Schwimmer lässt sich bis zu dreißig Prozent Kraft sparen - das kann im Finale, wenn es oft um Zehntelsekunden geht, den Unterschied machen. Zudem ist das Leistungsniveau auch bei den Langstrecklern stark gewachsen, nicht zuletzt durch den Status als olympische Disziplin, die neue Aufmerksamkeit und bessere Förderungsmöglichkeiten mit sich brachte.

Vergleichsweise harmlose Bedingungen

So siegt auch im Freiwasserschwimmen nicht immer der Athlet mit der besten körperlichen Verfassung - Erfahrung, taktische Cleverness und das Gespür, zum richtigen Zeitpunkt zu attackieren, sind oft noch wichtiger. Auch der einstige Beckenschwimmer Lurz, der mehrmals deutscher Meister über 800 und 1500 Meter war und Olympia-Teilnehmer 2004 in Athen über 1500 Meter, hat da schon Lehrgeld bezahlt.

Doch auch das macht für ihn den Reiz des Langstreckenschwimmens aus. Es ist ein extrem trainingsintensiver Sport, den sich Lurz da ausgesucht hat, bis zu 3000 Kilometer im Jahr und mehr legt er zurück, meist in der Schwimmhalle, denn dort sind die Bedingungen objektiv messbar, anders als in freier Natur.

Doch er genießt auch - neben den sportlichen Erfolgen - die Herausforderung, sich immer wieder neu auf die unterschiedlichen äußeren Bedingungen einstellen zu müssen, mit denen er es zu tun bekommt. In London waren die vergleichsweise harmlos, was der über Jahre gestählte Lurz eher bedauerte. Ob er jetzt in vier Jahren noch einmal einen Anlauf bei Olympia nehmen wird, wenn dann in Rio de Janeiro auch wieder im Meer geschwommen wird - das ließ der Silbermedaillengewinner von London noch offen.

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Jahrgang 1970, Sportredakteur.

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