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Deutsche Zielvereinbarungen 86 Olympia-Medaillen waren gefordert

 ·  Aus den nun doch vom Bundesinnenministerium veröffentlichten Zielen des Deutschen Olympischen Sportbundes für London 2012 geht hervor: Die Medaillenvorgabe erreichen die deutschen Athleten nur ungefähr zur Hälfte.

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© dpa Wie gut ist gut? Die Silbermedaille des deutschen Schwimmers Thomas Lurz

Das deutsche Team hat sein Medaillenziel bei den Olympischen Spielen deutlich verfehlt. Dies geht aus den am Freitag vom Bundesinnenministerium erstmals veröffentlichten Zielvereinbarungen zwischen dem Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) und den Fachverbänden hervor.

Demnach waren in London insgesamt 86 Medaillen, davon 28 aus Gold, angestrebt worden. Nach 241 der 302 Entscheidungen hatte das 391-köpfige Team aber lediglich 38 Mal Edelmetall (10 Gold, 17 Silber, 11 Bronze) gewonnen. Zum Vergleich: China hat zum gleichen Zeitpunkt 80 Medaillen, die Vereinigten Staaten 90 gewonnen. 2008 in Peking hatte die deutsche Mannschaft 41 Medaillen gewonnen, davon 16 aus Gold.

Die Pressemitteilung des BMI und die Medaillenziele der Deutschen als pdf

Laut den Unterlagen wurde von den 23 in London vertretenen Sportarten lediglich beim Tischtennis und im Kanu-Slalom das vereinbarte Ziel erreicht. Dimitrij Ovtcharov im Einzel und das Männerteam hatten Bronze gewonnen. Die Kanu-Rennsport-Flotte hatte die Vorgabe von sieben Medaillen vor dem letzten Finaltag am Samstag mit sechs Medaillen fast erfüllt.

Die mit bisher fünf Medaillen dekorierten Leichtathleten hatten in den ausstehenden Wettbewerben noch die Chance, die angestrebte Marke von acht Medaillen, davon zwei aus Gold, zu erreichen.

Auch 2010 zu wenig Medaillen

Demnach haben die deutschen Sportler auch bei den Winterspielen 2010 das vorgegebene Olympia-Medaillenziel verfehlt. Vor zwei Jahren in Vancouver hätten sie 40 Medaillen gewinnen sollen, 14 davon sollten goldene sein. Bei den Wettkämpfen igewannen deutsche Sportler 30 Medaillen. 10 Mal wurde nach einem Olympiasieg die deutsche Hymne gespielt. Für die Spiele in Sotschi 2014 sind ebenfalls 40 Medaillen das Ziel - dann soll es aber sogar 17 Goldmedaillen geben.

2010 konnte keiner der Fachverbände seine Ziele erfüllen. Im Skisport wurde die Goldvorgabe mit sechs Siegen erreicht, nicht aber die Gesamtzahl an Medaillen (15:18).

Beim Bob- und Schlittenverband wurde die Medaillensumme (10:9) übertroffen, allerdings gab es nur drei statt der angestrebten vier Olympiasege. Curling, Eishockey, Eisschnelllauf, Eislauf und Snowboard blieben teilweise deutlich hinter den gesteckten Zielen zurück. Deutschland landete mit seiner Bilanz (10 Gold, 13 Silber und 7 Bronze) im Medaillenspiegel auf Platz zwei hinter Gastgeber Kanada (14/7/5) und vor den Vereinigten Staaten (9/15/13) und büßte damit seinen Spitzenrang von Turin 2006 (11/12/6 - Summe 29) ein.

„Zäsur für Spitzensportförderung“

Der DOSB muss nach den Spielen in London mit kritischen Fragen von Seiten der Politik zum Zustand des Spitzensports rechnen. „Der DOSB kann nach den Spielen nicht zur Tagesordnung übergehen“, sagte Stephan Mayer (CSU), Mitglied des Bundestags-Sportausschusses, in London. „Die Spiele sind jetzt eine Zäsur aus meiner Sicht, auch für die Spitzensportförderung in Deutschland.“

Man könne es sich nicht so einfach machen, „nur zu sagen der Wettbewerb ist härter geworden und man muss sich damit abfinden, dass wir von Spielen zu Spielen weniger Medaillen gewinnen“.

Auch Martin Gerster, sportpolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, erwartet eine „selbstkritische Analyse“. „Dann wird man mal sehen, ob der DOSB selbst in der Lage ist und auch die Kraft hat, Umstellungen vorzunehmen“, meinte er. Man werde sich das genau anschauen „und gegebenenfalls dann entscheiden, ob man von Seiten der Politik auch vielleicht einmal neue Wege gehen müsse“.

Er brachte die Idee ins Spiel, dass sich eine Gruppe unabhängig vom Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) das Fördersystem anschaut. Forderungen nach mehr Geld erteilte Gerster eine Absage. Mayer und Gerster sind seit Montag in der britischen Hauptstadt gemeinsam mit sechs Ausschuss-Kollegen aus allen fünf Fraktionen.

Friedrich kündigt abermals Analyse an

Sie führten bereits Gespräche mit DOSB-Vertretern. Am 26. September wird sich der Sportausschuss mit dem Abschneiden und dem Auftreten des deutschen Teams in London beschäftigen. Voraussichtlich wird unter anderen DOSB-Generaldirektor Michael Vesper berichten.

„Nach dem Ausgang der Olympischen Spiele werden wir gemeinsam mit dem Sport nach einer sorgfältigen sportfachlichen Analyse die notwendigen Schlüsse für die zukünftige Sportförderung ziehen“, kündigte Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich in einer Pressemitteilung am Freitag an.

Die Journalisten Daniel Drepper und Niklas Schenck hatten für die „Westdeutsche Allgemeine Zeitung“ mehrfach vergeblich bei DOSB und Ministerium die Zielvorgaben erfragt und deshalb Anfang Juli Klage beim Verwaltungsgericht eingereicht. Dieser wurde stattgegeben.

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