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Australien bei Olympia „Down Under“ weit unten

 ·  Australien landet im Medaillenspiegel auf einem enttäuschenden zehnten Platz. In einer Nation, in der Sport eine enorme Rolle spielt, wird kontrovers über Gründe für die schlechte Bilanz diskutiert. Die Verantwortlichen werden sich anstrengen müssen - die Öffentlichkeit ist ungeduldig.

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© dpa Gescheitert: Die Hockeyspieler verlieren das Halbfinale gegen Deutschland - und holen „nur“ Bronze

In Australien ist eine vehemente Diskussion über den mangelnden Erfolg bei den Olympischen Spielen losgebrochen. Die stolze Sportnation findet sich im Medaillenspiegel erst auf dem zehnten Platz wieder - „Down Under“ ist man Besseres gewohnt. 2008 belegten die Athleten vom fünften Kontinent noch den sechsten Platz im prestigeträchtigen Ranking, 2004 landete man ebenso wie bei den Spielen im heimischen Sydney 2000 sogar auf Platz vier mit insgesamt 58 Medaillen, davon 16 goldenen. Das Abrutschen verletzt den ausgeprägten Nationalstolz.

Sport spielt in Australien seit Kolonialzeiten eine enorme Rolle, war und ist bis heute ein Feld, auf dem sich das erst seit 1901 unabhängige Land profiliert wie auf kaum einem anderen. Vor allem Siege über das „Mutterland“ Großbritannien - speziell in typisch „britischen“ Sportarten wie Kricket und Rugby - werden gefeiert. Für ein Land mit knapp 23 Millionen Einwohnern hat Australien aber auch auf olympischer Ebene erstaunliche Erfolge eingefahren.

Die Statistik „Medaillen pro Kopf der Bevölkerung“ ist daher besonders beliebt. Als die Australier von den Spielen in Montreal 1976 ohne eine einzige Goldmedaille heimkehrten, reagierte die Regierung prompt. Premierminister Malcolm Fraser berief einen seiner fähigsten Minister ein und erteilte ihm den Auftrag: „Das müssen wir in Ordnung bringen, Bob!“ Besagter Bob Ellicott übernahm das Sportministerium und sorgte für Aufbruchstimmung. Auf seine Weisung hin wurde das „Australian Institute for Sport“ (AIS) in der Stadt Canberra ins Leben gerufen, eine Kaderschmiede für Hochleistungssportler; in der Folgezeit wurden rund 200 ausländische Trainer nach Australien geholt. Das Rezept ging auf. Mit der Vergabe der Olympischen Spiele an Sydney 1993 wurden die Anstrengungen noch einmal intensiviert.

Die australische Presse fordert eine Wende

Heute fließen öffentliche Mittel in Höhe von rund 146 Millionen Euro in den Spitzensport, und die Presse fordert nach den Fehlschlägen in London abermals eine Wende. Australiens mächtigster Sportfunktionär, John Coates, erklärte in London, es liege nicht an den Finanzen, dass man nicht mehr so konkurrenzfähig sei. Der Präsident des Nationalen Olympischen Komitees (AOC) machte mangelnden Schulsport als Wurzel allen Übels aus.

Coates’ Kollege im Internationalen Olympischen Komitee, Kevan Gosper, sagte dagegen: „Mangelndes Geld sorgt für den Unterschied zwischen Gold und Silber.“ Das AOC ist finanziell gesegnet und bezieht Einkünfte aus einem mehr als 90 Millionen Euro schweren Fonds, den Coates der Regierung im Zuge der Spiele von Sydney abgerungen hat. So konnte die Organisation selbst immerhin 30 Millionen Euro für die „Mission London“ einbringen, deren erklärtes Ziel es war, unter die Top fünf im Medaillenspiegel zu kommen. Das alles aber nützte offenbar nichts. Vor allem in ihrer Paradesportart Schwimmen blieben die Australier weit hinter den Erwartungen zurück: nur eine einzige Goldmedaille, das war eine bittere Enttäuschung. Der Schwimmverband kündigte schon eine Untersuchung an, die unter anderem von der ehemaligen Weltklasseschwimmerin Susie O’Neill vorgenommen werden soll.

Silber sei das neue Gold

Ansonsten verläuft die Debatte um den mangelnden Erfolg ähnlich wie in Deutschland. „Sind unsere Athleten zu satt?“ wird gefragt oder ob mangelnde Wettbewerbsbereitschaft in der Gesellschaft vielleicht der Grund sei. Silber sei das neue Gold, hieß es in der Presse, vereinzelte Politiker wiederum machten die Medien selbst verantwortlich. Auch der Silbermedaillengewinner im Weitsprung, Mitchell Watt, reagierte ungehalten, als er von einem Journalisten gefragt worden war, ob er enttäuscht sei: „Ich bin happy, das Team ist happy, ich habe Tausende Gratulationen erhalten. Die Einzigen, die nicht happy sind, seid ihr Typen“, giftete Watt.

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Der australische Chef de Mission bei Olympia, der frühere Weltklasseruderer Nick Green, der ebenfalls Platz fünf versprochen hatte, kündigte eine umfassende Untersuchung an. „Wir werden analysieren, was wir verbessern müssen und wie wir strategisch in verschiedenen Sportarten, unsere Sportwissenschaft und Trainer investieren können, um uns auf die nächsten Spiele und die danach vorzubereiten.“ Die Sportler und ihre Funktionäre werden sich anstrengen müssen - die australische Öffentlichkeit ist verwöhnt und ungeduldig.

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