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100-Meter-Sieger Bolt Vom anderen Stern

 ·  Superstar Usain Bolt gewinnt in London olympisches Gold. In 9,63 Sekunden lässt der Jamaikaner über die 100 Meter alle seine Konkurrenten hinter sich. Es ist die zweitbeste je gelaufene Zeit. Yohan Blake sprintet in einem spektakulären Rennen auf den zweiten Platz. Dritter wird Justin Gatlin.

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© dpa Küsschen nach dem Sieg: Usain Bolt

Auf die wichtigste Frage, die im Olympiastadion von London geklärt werden sollte, hat Usain Bolt die eindrucksvolle Antwort gegeben: Er ist immer noch, besser, er ist wieder der Schnellste. Am Sonntagabend gewann der 25 Jahre alte Jamaikaner, dreifacher Olympiasieger von Peking 2008, in 9,63 Sekunde seine erste Goldmedaille in London. 80.000 Zuschauer im wohl lautesten Leichtathletikstadion der Welt brachen nach dem Startschuss in einen Sturm der Begeisterung aus.

Bolt hatte keinen großartigen Start, aber nach siebzig Metern hatte er sich deutlich an die Spitze gesetzt und siegte in der besten Zeit, die je ein Olympiasieger erreichte – er lag nur fünf Hundertstelsekunden über seinem Weltrekord (9,58). Weltmeister Yohan Blake spurtete auf Platz zwei und war damit in der Position, Bolt als erster mit einer Umarmung zu gratulieren - zuvor aber küsste Bolt die Bahn und nahm seine Pose des Blitzeschleuderers ein, zum ersten Mal bei diesen Spielen.

Gatlin sprintet auf Platz drei

Sieben der acht Finalisten blieben unter zehn Sekunden; auf Platz drei kam, zurück von einer zweijährigen Dopingsperre, der Amerikaner Justin Gatlin (9,79), der Olympiasieger von 2004 in Athen. Vierter mit nur einer Hunderstelsekunde Rückstand wurde der ehemalige Weltmeister Tyson Gay – der Amerikaner war untröstlich, dass er eine Medaille verpasst hatte. Bolts Sieg wird in der Leichtathletik und ihrem Umfeld für Erleichterung sorgen. Kein anderer Sprinter hat die Ausstrahlung, den Witz und die Eleganz des 1,96 Meter großen Bolt, kein anderer zieht so viel Aufmerksamkeit auf sich und seine Sportart.

Seine Strahlkraft bleibt ungebrochen

Nun bleibt die Strahlkraft des Champions aus Jamaika ungebrochen – und auch der Titelgewinn von Yohan Blake bei der Weltmeisterschaft des vergangenen Jahres in Daegu erscheint in einem anderen, milden Licht. Er war nicht der Beginn einer Wachablösung, sondern Blake nahm damals lediglich einen verwaisten Platz ein. Bolt gewann bei den Olympischen Spielen von Peking vor vier Jahren drei Goldmedaillen: über hundert und zweihundert Meter sowie mit der jamaikanischen Staffel. Im Jahr drauf verbesserte er den Weltrekord auf 9,58 Sekunden, war aber in diesem Jahr lediglich 9,76 Sekunden gelaufen, eine Hundertstelsekunde langsamer als Blake. Bei den jamaikanischen Ausscheidungsrennen war er Blake auf beiden Sprintstrecken unterlegen und hatte behauptet, das wecke ihn gerade rechtzeitig auf. „Er fliegt“, schwärmte Dwain Chambers schon nach dem Halbfinale, in dem er in der Bahn neben Bolt laufen durfte – und ausschied. „Das Kid hat Talent!“

Die rote Bahn im Olympiastadion ist so gebaut, dass die Struktur ihres Unterbaus Energie auffangen und zurückgeben und so den Sprintern zu besseren Zeiten verhelfen soll. Rauten unter der Oberfläche, sagen die Designer des Herstellers Mondo, gäben nicht nur die nach vorn und hinten wirkenden Kräfte der Schritte zurück, sondern retournierten erstmals zusätzlich auch die seitwärts wirkenden Kräfte. Im Gegensatz zur verbreiteten Annahme sei die Oberfläche nicht so hart wie möglich.

Lemaitre verzichtet auf einen Start

Der Franzose Christophe Lemaitre verzichtete indes auf den Start, um größere Chancen im Rennen über 200 Meter zu haben. Das Finale findet am Donnerstag statt. Shelly-Ann Fraser hatte im Sprint der Frauen für einen ersten Erfolg Jamaikas gesorgt. Die wegen ihrer nur 1,52 Meter Körpergröße „Pocket Rocket“ gerufene Sprinterin besiegte in 10,75 Sekunden die amerikanische Favoritin Carmeliter Jeter (10,78). Dritte wurde Veronica Campbell-Brown, die am Mittwoch zudem zum dritten Mal hintereinander Olympiasiegerin über 200 Meter werden will.

Die fünf schnellsten 100-Meter-Läufe der Historie

1. Usain Bolt 9,58 Sekunden 16.08.2009 Berlin
2. Usain Bolt 9,63 Sekunden 05.08.2012 London
3. Usain Bolt 9,69 Sekunden 16.08.2008 Peking
3. Tyson Gay 9,69 Sekunden 20.09.2009 Shanghai
5. Tyson Gay 9,71 Sekunden 16.08.2009 Berlin

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Jahrgang 1958, Korrespondent für Sport in Berlin.

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