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Schwimmen Keine Ausreden! Biedermanns Ohrfeige

12.08.2008 ·  Paul Biedermann konnte in Peking als bisher einziger deutscher Schwimmer in einem Einzelrennen mithalten. Nach Platz fünf im 200-Meter-Freistil-Weltrekordrennen von Michael Phelps verteilte er Seitenhiebe auf den Rest der Mannschaft.

Von Cai Tore Philippsen, Peking
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Ein strahlender deutscher Schwimmer, das ist in diesen olympischen Tagen in Peking eine wahre Seltenheit. Paul Biedermann lachte über das ganze Gesicht, freute sich über seinen fünften Platz über 200 Meter Freistil, als hätte er eine Medaille gewonnen. Der 22-Jährige durchbrach am dritten Finaltag die nicht enden wollende Serie der Enttäuschungen der einst so starken Schwimmnation.

Als erster aus der deutschen Mannschaft erreichte er ein Einzelfinale, stellte im Endlauf in 1:46,00 Minuten einen neuen deutschen Rekord auf und schlug sich im Weltrekordrennen von Michael Phelps (1:42,96) wacker. Für den Amerikaner war es die dritte von acht möglichen Goldmedaillen in Peking, seine neunte insgesamt - so viele wie Larissa Latynina, Paavo Nurmi, Mark Spitz und Carl Lewis. Eine fehlt noch, dann ist Phelps der erfolgreichste Olympionike der Neuzeit. Morgen sollte es soweit sein, dann stehen die 200 Meter Schmetterling auf dem Programm.

Biedermann schafft, was den anderen Deutschen nicht gelingt

Biedermann scherte sich wenig um historische Dimensionen: „Das war ein sehr, sehr schönes Rennen, ich hatte unheimlich viel Spaß“, sagte er. Diesmal hätten ihm aber schon die Beine geschlottert, gab der junge Mann mit dem Ziegenbärtchen zu, der sich so gerne locker gibt. Doch Biedermann schaffte all das, was den anderen deutschen Schwimmern nicht gelingen will.

Er schwamm bei Olympia persönliche Bestzeit, nicht bei der nationalen Ausscheidung im heimischen Berlin. Er ließ sich weder vom Schwimmgiganten Phelps, noch von 400-Meter-Freistil Weltmeister Tae-Hwan Park (Silber/1:44,85) aus Südkorea nervös machen. Warum auch, „es ist doch toll, gegen solche Leute zu schwimmen“, sagt Biedermann und enttarnt eine der beliebtesten deutschen Ausreden.

Biedermann und sein Trainer folgten Madsens Konzept

Der Schock, wie weit die Weltspitze enteilt ist, und das Rätsel, mit welchen Mitteln Phelps und Co. ihre Wunderzeiten schwimmen, hätte dem eigenen Selbstvertrauen einen solchen Knacks gegeben, das sich die eigenen Zeiten verschlechtern - das ist einer der hilflosen Erklärungsversuche für das deutsche Debakel. Biedermann hat eine einfachere Erklärung. „Das Becken ist schnell, das Wasser ist toll. Wenn man wirklich gut vorbereitet ist, kann man hier ganz tolle Rennen schwimmen“, sagt der 1,93 Meter große und 93 Kilogramm schwere Modellathlet.

Eine Ohrfeige für die meisten anderen deutschen Schwimmer und ihre Heimtrainer. Ob er sich der Wirkung seiner Worte bewusst war? War nur er wirklich gut vorbereitet? „Ich bin mit meinem Trainer Frank Embacher Madsens Weg gegangen“, betont er. Höhentrainingslager und viele Wettkämpfe mit internationalen Gegnern hatte Cheftrainer Örjan Madsen von seinen Schwimmern gefordert und musste sich einige Kritik anhören.

„Er konzentriert sich stark auf sich selbst“

Viele folgten den Vorgaben des Norwegers nicht, trainierten in der Heimat und mieden beispielsweise die Europameisterschaften im März in Eindhoven, um sich auf die deutsche Olympiaqualifikation im April in Berlin zu konzentrieren. Biedermann stellte sich der kontinentalen Konkurrenz, wurde Europameister und sicherte sich einen Monat später dennoch das Olympiaticket.

Und Biedermann gelingt noch etwas perfekt. „Er konzentriert sich sehr stark auf sich selbst“, erzählt sein Trainer Frank Embacher. Sie hätten sich immer das olympische Finale als Ziel gesetzt, nun sei er sehr stolz, sagte „der beste Trainer der Welt“ (Biedermann). Sich nicht von der miserablen Stimmung im Team herunterziehen zu lassen, war wirklich schwer.

Die Amerikaner ziehen den Australiern davon

Ganz anders die Gemütslage im amerikanischen Team, mit fünfzehn Medaillen sind die Schwimmer mit den auffälligen Stars-and-Stripes-Anzügen ihrem Lieblingsgegner Australien enteilt. Neben Phelps gewannen Nathalie Coughlin (58,96 Sekunden) und Aaron Peirsol am dritten Finaltag jeweils über 100 Meter Rücken Gold für die Vereinigten Staaten, beide waren auch in Athen auf dieser Strecke unschlagbar. Peirsol stellte zudem in 52,54 Sekunden einen neuen Weltrekord auf. Olympiasiegerin über 100 Meter Brust wurde die Australierin Leisel Jones (1:05,17).

Die Bestmarken von Phelps und Peirsol waren die Rekorde Nummer neun und zehn im olympischen Becken. „Ich habe gehört, Michael Phelps will weiterschwimmen bis er 30 Jahre alt ist“, sagte Paul Biedermann mit einem verschmitzten Lächeln. „Wenn der seine Rekorde bis dahin immer so weiter steigert. Na dann, gute Nacht Marie!“

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Jahrgang 1970, Redakteur vom Dienst bei FAZ.NET.

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