Home
http://www.faz.net/-g8p-104ec
Mittwoch, 19. Juni 2013
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER
Aktuelle Nachrichten online - FAZ.NET

Schwimmen Jubel bei Phelps, hängende Köpfe bei den Deutschen

 ·  Während der Amerikaner Michael Phelps, aber auch die Australierin Stephanie Rice mit Fabelweltrekorden Gold gewinnen, schwimmen die Deutschen im Wasserwürfel an den Medaillen vorbei. Nach Platz fünf in der Freistilstaffel sind Britta Steffens Aussichten auf eine Einzelmedaille mau.

Artikel Bilder (1) Bildergalerie Lesermeinungen (0)

George W. Bush war zur rechten Zeit am richtigen Ort. Der amerikanische Präsident hatte sich mit seiner Familie gerade im Water Cube von Peking niedergelassen, da musste er schon wieder aufspringen, die erste Schwimm-Goldmedaille seines Landes in Peking feiern.

Michael Phelps bewies gleich bei seinem ersten Rennen über 400 Meter Lagen, dass die historische Jagd nach acht Mal Gold erfolgreich werden könnte. Der 23 Jahre alte Phelps dominierte das Finale vom Start bis zum Anschlag im Stile eines großen Champions, unterbot seinen erst im Juni bei den amerikanischen Trials aufgestellten Weltrekord um sagenhafte 1,41 Sekunden und schlug nach 4:03,84 Minuten und deutlichem Vorsprung auf den Ungarn Laszlo Cseh und seinen Teamkameraden Ryan Lochte an.

Tränen bei der Siegerehrung

„Ich habe meinem Trainer Bob Bowman gesagt, dass das mein letztes 400-Meter-Lagen-Rennen wird, deshalb musste ich da rausgehen und eine gute Zeit schwimmen, und das habe dann auch getan,“ sagte Phelps und strahlte über das ganze Gesicht. Nach dem Rennen habe er seine Mutter im Publikum gesucht, er fand Bush, der ihm mit der amerikanischen Fahne und erhobenen Daumen zuwinkte. „Das war wirklich cool“, fand Phelps.

Schwimmen: Jubel bei Phelps, hängende Köpfe bei den Deutschen

Da vor allem die eigenen Teamkollegensein Projekt, die sieben Goldmedaillen von Mark Spitz aus dem Jahr 1972 zu überbieten, gefährden könnten, war auch der Sieg gegen Lochte, der nur bis zur 200 Meter Marke mithalten konnte, ein deutliches Zeichen. Wie groß der Druck aber auf Phelps dennoch lastet, war an den Tränen abzulesen, mit denen er bei der Siegerehrung zu kämpfen hatte.

Britta Steffen ist „traurig und leer“

„Ich fühlte mich vor dem Rennen nicht so gut, im Vorbereitungsraum liefen mir kalte Schauer über den Rücken“, meinte er, außerdem hätte er sich auf den ersten 200 Metern noch nicht sicher gefühlt. Was müssen die anderen Schwimmer erst befürchten, wenn Phelps sich gut fühlt. „Essen, Schlafen, Schwimmen“, so beschrieb er seine Strategie für die nächsten Tage.

Für die deutschen Schwimmer blieb die erhoffte Initialzündung am ersten Tag aus. Die 4 x 100 Meter-Freistil-Staffel der Frauen schwamm hinter den Niederlanden (3:33,76 Minuten), Amerika, Australien und China in 3:36,85 Minuten auf Platz fünf. Britta Steffen und Meike Freitag lagen noch in Führung, doch Daniela Götz (55,34 Sekunden) fiel mit der langsamsten Zeit aller Staffelschwimmerinnen im Finale auf Platz fünf zurück. Antje Buschschulte konnte als Schlussschwimmerin nichts mehr ausrichten. „Ich bin traurig und leer, natürlich haben wir uns mehr erhofft“, sagte Startschwimmerin Britta Steffen nach dem Rennen.

Die deutsche Medaillenhoffnung schlich mit hängendem Kopf davon

Für Steffen war diese Staffel auch ein Hinweis auf das, was auf den Einzelstrecken auf sie zukommen könnte. „Ich dachte, ich könnte schneller schwimmen“, sagte die deutsche Medaillenhoffnung, die für ihre 100 Meter 53,38 Sekunden brauchte. Sollte sie im Einzelrennen nicht schneller sein, ist eine Medaille in weiter Ferne. An der Halsentzündung in den vergangenen Tagen habe es nicht gelegen, meinte die deutsche Vorschwimmerin. Nun fehle ihr die Kraft für weitere Fragen, sagte sie und zog mit hängendem Kopf davon. „Britta hat die nötige Lockerheit gefehlt“, sagte DSV-Sportdirektor Örjan Madsen über Steffen, die sich in den letzten Tagen konsequent
abgeschottet hatte.

Hätte das deutsche Quartett an das Rekordrennen (3:35,22) von Budapest aus dem Jahr 2006 anknüpfen können, hätte es immerhin für eine Bronzemedaille gereicht. Die gewann Australien, und für die 41 Jahre alte Dara Torres mit der amerikanischen Staffel gab es eine weitere Medaille. Silber ist die zehnte in ihrer olympischen Sammlung.

Rice setzt zweiten Weltrekord des Tages

Den zweiten Weltrekord des Tages stellte Australiens Jungstar Stephanie Rice auf. Die 19-Jährige mit dem Modelgesicht siegte in 4:29,45 Minuten vor Kristy Coventry aus Zimbabwe und der bisherigen Weltrekordhalterin Katie Hoff aus Amerika. Deren Traum das weibliche Pendant zu Phelps zu werden, ist somit schon nach dem ersten Rennen beendet.

„Als ich mich nach dem Anschlag umdrehte, sah ist eine 4:31, und dachte, für die Zeit tut aber alles ganz schön weh. Dann erkannte ich meine Zeit“, sagte Stephanie Rice, „es ist super, ich habe es noch gar nicht richtig realisiert.“

Gold für Taeh-Hwan Park

Die 400 Meter Freistil gewann Weltmeister Taeh-Hwan Park aus Südkorea (3:41,86). Australiens Grant Hackett, der dieses Finale vor allem als Warmschwimmen für seinen großen Auftritt über 1.500 Meter Freistil nutzen wollte, wurde Sechster und war enttäuscht. Sein großer Tag bei diesen Spielen wird noch kommen, für Michael Phelps könnte jeder Tag in Peking ein goldener werden.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
Themen zu diesem Artikel

Jahrgang 1970, Redakteur vom Dienst bei FAZ.NET.

Jüngste Beiträge