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Kanu-Slalom Untergang statt Gold für Jennifer Bongardt

15.08.2008 ·  Weltmeisterin Jennifer Bongardt wollte Gold gewinnen, der deutsche Canadier-Zweier lag nach dem ersten Lauf im Wildwasserkanal auf Platz eins. Doch dann versanken die Träume: Das Playboy-Model verpasste ein Tor, der Canadier kenterte.

Von Cai Tore Philippsen, Peking
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Der Untergang begann an Tor drei. Jennifer Bongardt versuchte zwar mit einer artistischen Verrenkung noch ihren Kopf an einer der beiden herabhängenden Torstangen vorbeizuschlängeln, doch der Kampfrichter am Wildwasserkanal im Shunyi-Park hob die rote Kelle. Tor verpasst, Höchststrafe, 50 Sekunden extra, damit war der Kampf der Weltmeisterin um olympisches Gold im Kajak schon vorbei - und das im Semifinale.

Aus dem Augenwinkel meinte sie das Signal des Kampfrichters, der an Tor vier stand, gesehen zu haben und da war es mit der Konzentration endgültig vorbei. Die 25-Jährige verpasste noch ein Tor, aber das war nun auch egal. Jennifer Bongardt schied mit riesigem Rückstand als Letzte des Halbfinales von Peking aus. Wieder an Land fiel sie ihrem Trainer Sven Peiler in die Arme und verzog sich nach dem ersten Trost ohne ein Wort in ihre Kabine.

Eigentlich eine „coole Doppelgold-Feier“ geplant

Davor begann die Suche nach den Gründen für das Scheitern der Weltranglistenersten. „Der erste Fehler war meines Ermessens nach keiner, sie ist mit dem Kopf durch das Tor durchgekommen“, sagte Peiler. Das Regelbuch fordert, dass der ganze Kopf und ein Teil des Bootes zwischen den beiden Stangen sein müssen. Einen Protest wollte die deutsche Delegation aber nicht einlegen, das schloss Chef de Mission und DOSB-Generaldirektor Michael Vesper sofort aus. Selbst ein erfolgreicher Einspruch hätte wegen ihres zweiten Fehlers keine entscheidende Verbesserung für Jennifer Bongardt eingebracht.

Eigentlich hatte sich das freche Playboy-Model eine „coole Doppelgold-Feier“ mit Olympiasieger Alexander Grimm gewünscht. Nun musste sie der vier Jahre jüngere Goldmedaillengewinner trösten. „Das passiert halt, einmal bekommt man die falsche Welle ab, und schon ist man draußen“, sagte Grimm.

„Es ist die schwierigste Strecke der Welt“

Das musste auch die Olympiasiegerin von 1996 und 2000, Stepanka Hilgertova aus Tschechien, erfahren. Sie kenterte im Finallauf an Tor vier. Grimms Trainer Thomas Apel meinte daraufhin, der Kurs in der Betonrinne sei viel zu schwer für die Frauen. „Technisch fahren sie auf einem hohen Niveau“, sagte Alexander Grimm, „aber manchmal fehlt es den Frauen an der explosiven Kraft.“

Die Stärkste an diesem Tag war die Slowakin Elena Kaliska, die schon in Athen Gold gewonnen hatte. „Es ist die schwierigste Strecke der Welt“, bestätigte Jennifer Bongardt, nachdem die ersten Tränen getrocknet waren. „Aber eigentlich liegen mir die schwierigen Strecken.“ Verwundert sei sie gewesen, als sie die rote Kelle gesehen habe, aber nicht geschockt, sagte die Sportsoldatin. Sie hätte versucht, unbeeindruckt von dieser „Fehlentscheidung“ weiterzupaddeln. Das misslang allerdings gründlich. „Ausgerechnet bei Olympia, das schmerzt. Ich muss erst einmal realisieren, was passiert ist.“

Havarie zwischen Tor 15 und 16

Für die beiden Canadierfahrer Felix Michel und Sebastian Piersig kam es eine Stunde später noch schlimmer. Nachdem ihr Wettkampf am Donnerstag wegen eines heftigen Gewitters über dem Shunyi-Park nach einem Durchgang abgebrochen worden war, hatten die beiden Berufspaddler von der SG Einheit Spremberg eine unruhige Nacht auf Platz eins verbracht.

Sie paddelten ihr Boot am Freitagnachmittag ganz am Ende der Konkurrenz in den reißenden Strom. Bis zum neunten Tor sah es so aus, als könnten sie ihren Vorsprung vom Vortag verteidigen, doch dann passierte der erste Fehler. „Wir sind zu weit nach rechts gedrückt worden, das hat uns viel Zeit gekostet“, sagte Sebastian Piersig, der hinten im Boot sitzt. Ihre Havarie erlebten die beiden Weltmeisterschaftszweiten von 2006 dann zwischen Tor 15 und 16.

Trübe Stimmung bei Sonnenschein

Um Tor 15 überhaupt noch zu erreichen, mussten sie sich extrem weit hinüberlehnen. Das Boot kippte, und weder Piersig noch Michel konnten mit ihren Stechpaddeln das kentern verhindern. So trieben sie kopfüber wie eine gründelnde Ente ein Stück weit die Betonrinne hinab, bis sie sich wieder aufrichten konnten, im Ziel war es Platz sechs. Letzter im Finale. Gold gewannen zum dritten Mal nacheinander die slowakischen Brüder Pavol und Peter Hochschorner.

Besonders Felix Michel konnte sein Unglück gar nicht fassen. Der 24-Jährige mit dem kernigen blonden Dreitagesbart brach immer wieder in Tränen aus, während er über die Jury wetterte, die das Rennen am Donnerstag nicht durchgezogen hatte. „Das ist nicht fair. Man kann das doch nicht absagen wegen ein bisschen Regen“, klagte er. Das bisschen Regen war allerdings ein ausgewachsenes Gewitter, die Blitze schlugen direkt neben der Strecke ein. Am Freitag schien in Peking wieder die Sonne, zum ersten Mal während der Olympischen Spiele. Die trübe Stimmung der deutschen Kanuten konnte sie nicht aufhellen.

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Jahrgang 1970, Redakteur vom Dienst bei FAZ.NET.

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