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Kanu-Rennsport Kampf bis zur Erschöpfung, Erfolge wie gewohnt

 ·  Die deutschen Kanuten bleiben auch bei den Spielen in Peking sichere Medaillenkandidaten. Der Vierer-Kajak der Frauen und der Kajak-Zweier der Männer holten sich Goldmedaillen ab. Dazu gab es Silber und Bronze.

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Mitten im deutschen Jubel über zwei Gold-, eine Silber- und eine Bronzemedaille an der Kanustrecke im Shunyi-Park von Peking gab es eine Schrecksekunde. Thomasz Wylenzek brach mitten in einem Fernsehinterview in sich zusammen und wurde auf einer Trage weggebracht. Schon zuvor war er nach der Zieleinfahrt aus dem Boot gefallen und musste völlig erschöpft von einem Rettungsboot an Land gebracht werden.

Mit Christian Gille hatte der Vierundzwanzigjährige sich im Endspurt des Zweier-Kanadier-Rennens über 1000 Meter völlig verausgabt. Erst im Juli war Doppelolympiasieger Gyorgy Kozman aus Ungarn beim Training kollabiert und gestorben. Doch Wylenzeks Partner Gille konnte die Sorgen zerstreuen. „Er hat wegen der Hitze und wegen der Anstrengung des Rennens einen Kreislaufzusammenbruch gehabt“, sagte Gille, „aber es geht ihm schon wieder besser.“

Immer wieder Fischer

Thomasz Wylenzek wurde dennoch zur Beobachtung ins Krankenhaus gefahren. Am Ende hatte das deutsche Duo seinen Olympiasieg von Athen nicht wiederholen können und wurde hinter den weißrussischen Brüdern Andrej und Aliaksandr Bahdanowisch Zweiter.

Für die erste Goldmedaille an diesem deutschen Erfolgstag hatte unterdessen wieder einmal der Kajak-Vierer der Frauen mit Schlagfrau Fanny Fischer, Nicole Reinhardt, Katrin Wagner-Augustin und Conny Waßmuth über 500 Meter gesorgt. Es war der vierte Olympiasieg dieses Bootes hintereinander und wieder gewann eine Kanutin Namens Fischer. Fanny Fischer ist die Nichte der erfolgreichsten Kanutin aller Zeiten, Birgit Fischer. Und die nach Athen zurückgetretene Tante war die erste Gratulantin.

Als Ersatzfrau zu Gold

Trotz der Überlegenheit der Deutschen in der Vergangenheit hatte es in Peking Zweifel am Erfolg gegeben, nachdem Carolin Leonhardt, eine der Olympiasiegerinnen von Athen, erkrankt abreisen musste. Als Ersatzfrau stieg Conny Waßmuth, die zuvor nicht einmal im Olympischen Dorf wohnen durfte, ins Boot und fuhr sofort zu Gold.

„Zuerst war ich total traurig wegen Carolin, dann ging alles ganz schnell und ich habe mich sofort mit den Anderen wohlgefühlt“, beschrieb sie ihr Gefühlschaos in der vergangenen Woche, das mit vielen Tränen des Glücks bei der Siegerehrung endete. Die Fünfundzwanzigjährige hatte eigentlich schon die Qualifikation für Olympia verpasst, sich aber dann doch noch einen Ersatzplatz erkämpft. Für Katrin Wagner-Augustin war es bereits die vierte Goldmedaille ihrer Karriere.

Überraschung durch Hollstein/Ihle

Das zweite deutsche Gold kam weniger erwartet. Martin Hollstein und Andreas Ihle paddeln erst seit zwei Monaten gemeinsam im Kajak-Zweier, zudem galt die Versetzung des erfahrenen Andreas Ihle vor seinen dritten Olympischen Spielen vom Schlag auf die zweite Position als Wagnis. Doch Ihle und Hollstein gelang ein taktisch perfektes Rennen über 1.000 Meter.

Die beiden Ungarn Zoltan Kammerer und Gabor Kucsera lagen nach 250 Metern vorn, nach 500 Metern vorn und nach 750 Metern immer noch vorn, doch die Weltmeister von 2005 hatten sich übernommen, sie brachen im Endspurt ein und kamen nur auf Platz fünf. „Wir haben uns nicht verrückt machen lassen. Wir wussten, dass die Ungarn sehr schnell angehen würden“, sagte Ihle voller Stolz. Nun hätten sie „Gold, die Farbe aller Farben“.

Enttäuscht über Bronze

Und weil bei den erfolgsverwöhnten deutschen Kanuten fast nur der Olympiasieg zählt, waren die Männer aus dem Kajak-Vierer enttäuscht über ihre Bronzemedaille. In einem packenden Schlussspurt konnten Lutz Altepost, Norman Bröckl, Torsten Eckbrett und Björn Goldschmitt den späteren Sieger Weißrussland und den Zweiten Polen nicht mehr bezwingen.

„Das hätte mehr sein können. Das Rennen ist nicht optimal gelaufen“, klagte Schlagmann Altepost. Schon am ersten von zwei Finaltagen haben die Kanuten mit ihren vier Medaillen bewiesen, dass sie ihre weltweite Vormachtstellung seit Athen nicht eingebüßt haben. „Wir trainieren hart und eisern. Auch im Winter bei minus fünfzehn Grad sind wir auf dem Wasser“, sagte Martin Hollstein. Auch die Zusammenarbeit zwischen dem deutschen Kanu-Verband (DKV) und den Vereinen lobte der 21 Jahre alte Olympiasieger als perfekt.

Frauen, Kajak-Vierer 500 m
Gold: Deutschland (Fanny Fischer/Potsdam, Nicole Rheinhardt/Lampertheim, Katrin Wagner-Augustin/Potsdam, Conny Waßmuth/Magdeburg) 1:32,231
Silber: Ungarn (Kovacs, Szabo, Kozak, Janics) 1:32,971
Bronze: Australien (Oldenhof, Davis, Meek, Fogarty) 1:34,704

Kajak-Einer, 1000 m
Gold: Tim Brabants (Großbritannien) 3:26,323 Min.
Silber: Eirik Veraas Larsen (Norwegen) 3:27,342
Bronze: Ken Wallace (Australien) 3:27,485
5. Max Hoff (Köln) 3:29,391

Canadier-Einer, 1000 m
Gold: Attila Sandor Vajda (Ungarn) 3:50,467 Min.
Silber: David Cal (Spanien) 3:52,751
Bronze:
Thomas Hall (Kanada) 3:53,653
8.: Andreas Dittmer (Neubrandenburg) 3:57,894

Kajak-Zweier, 1000 m
Gold: Martin Hollstein/Andreas Ihle (Neubrandenburg/Magdeburg) 3:11,809 Min.
Silber: Kim Knudsen/Rene Poulsen (Dänemark) 3:13,580
Bronze:
Andrea Facchin/Antonio Scaduto (Italien) 3:14,750

Canadier-Zweier, 1000 m
Gold: Andrej Bahdanowitsch/Alexander Bahdanowitsch (Weißrussland) 3:36,365 Min.
Silber:
Christian Gille/Tomasz Wylenzek (Leipzig/Essen) 3:36,588
Bronze:
György Kozmann/Tamas Kiss (Ungarn) 3:40,258

Kajak-Vierer, 1000 m
Gold: Weißrussland (Piatruschenka, Abalmasau, Litvintschuk, Wischnjakow)
Silber:
Slowakei (R.Riszdorfer, M.Riszdorfer, Vlcek, Tarr)
Bronze:
Deutschland (Lutz Altepost/Essen, Norman Bröckl/Berlin, Torsten Eckbrett/Potsdam, Björn Goldschmidt/ Karlsruhe)

Quelle: FAZ.NET
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Jahrgang 1970, Redakteur vom Dienst bei FAZ.NET.

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