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Alexander Grimm „Das Gefühl hat man im Hintern“

12.08.2008 ·  Der erste deutsche Goldmedaillengewinner von Peking ist ein spätes Kind der Olympiastrecke von Augsburg: dort, wo 1972 der Kanuslalom ausgetragen wurde, wuchs Alexander Grimm später auf - und war von klein auf fasziniert vom Wildwasser.

Von Michael Reinsch, Peking
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Die Olympischen Spiele von 1972 haben am Dienstag eine Goldmedaille abgeworfen. Es ist die erste Goldmedaille, die die deutsche Mannschaft 36 Jahre danach bei den Spielen von Peking gewonnen hat. Alexander Grimm, vor 21 Jahren in Augsburg geboren, war von klein auf fasziniert von dem wirbelnden, brodelnden Wasser, das durch den Eiskanal in seiner Heimatstadt schoss, die kunstvoll betonierte Rinne, in der während der Sommerspiele von München der olympische Kanuslalom stattfand.

„Schon allein, wenn man sich das anschaut, wie das Wasser wirbelt, was die Leute damit anfangen“, erinnert er sich. „Das wollte ich auch.“ Immer wieder fuhr er auf dem Fahrrad die fünf Minuten, die sein Elternhaus und das Wildwasser trennten, dann durfte er, zunächst auf ruhigem Wasser, paddeln lernen. Der kleine Alexander machte so schnell Fortschritte, dass er bald ins Wildwasser umstieg. Mit achtzehn Jahren war er Junioren-Weltmeister, im vergangenen Jahr wurde er Weltmeister mit der Mannschaft und war Erster der Weltrangliste. Am Dienstagnachmittag holte der Einundzwanzigjährige mit einem überlegenen Lauf auf der Kunststrecke von Shunyi Park in Peking den Olympiasieg; es war die erste für das deutsche Olympiateam in Peking.

Gespür für Strömungen

„Das Wasser lernt man zu lesen. Man sitzt ja drin und lernt, wie es sich verhält“, sagt der muskulöse Alexander Grimm über sein Gespür für Strömungen, das ihn in den Wasserschwällen der wohl schwierigsten Strecke der Welt leitete. Auf die Frage, ob er es mehr im Kopf oder mehr in den Händen habe, antwortet er eindeutig und in der Tradition des Autorennfahrers Michael Schumacher: „Das Gefühl hat man im Hintern.“ Vom Gefühl allein kann allerdings nicht einmal ein Olympiasieger leben, jedenfalls nicht im Kanuslalom.

Alexander Grimm ist nach dem Abitur vor drei Jahren zur Bundeswehr gegangen, um dort als Sportsoldat optimal trainieren zu können. Er ist, praktisch am Eiskanal, in Augsburg stationiert. „Der Trainingsplan ist der Dienstplan“, sagt er zu den Bedingungen dort. Im Fernstudium hat er an der Universität Iserlohn ein Maschinenbaustudium begonnen. Zum nächsten Semester soll ein Präsenzstudium in Augsburg daraus werden. „Drei Jahre reichen“, sagte er vor wenigen Wochen über seine Zeit als Höchstleistungssportler. „Kanuslalom kann man nicht bis sechzig machen. Ich muss mich um eine Ausbildung kümmern.“

Zu den Olympischen Spielen 2012 in London wollte er das Studium abschließen und kurz zurückkehren in den Eiskanal. Nun ist dieser Plan ins Wanken geraten. Der Olympiasieger will sich nicht so recht trennen vom wirbelnden Wasser und dem Gefühl, das es ihm beschert. Beim Feiern in Peking muss Alexander Grimm nun entscheiden, ob er durchmacht.

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Jahrgang 1958, Korrespondent für Sport in Berlin.

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