09.08.2008 · Georgien will seine 35 Sportler nun doch nicht von den Olympischen Spielen zurückziehen. Georgische Medien hatten das am Samstag lange für wahrscheinlich gehalten.
Die georgische Olympiamannschaft wird trotz der Eskalation des Konflikts um die abtrünnige Region Südossetien weiter an den Wettkämpfen in Peking teilnehmen. Das erklärte Teamsprecher Giorgi Tschanischwili am Sonntagmorgen in Peking der Nachrichtenagentur AP. Alle 35 Athleten seien nervös, aber sie müssten sich nun auf die Wettkämpfe konzentrieren. Der georgische Präsident Michail Saakaschwili habe die Mannschaft in einer Botschaft zum Verbleib in China aufgefordert. Damit wies Tschanischwili anderslautende Medienberichte zurück.
Die Mannschaft sei bereit, sich von den Wettkämpfen zurückzuziehen, wenn dies der Lage dienlich sei, sagte er weiter. Auch das Verhältnis zum russischen Team, das im Olympischen Dorf nur wenige dutzend Meter entfernt lebt, soll bislang problemlos sein.
Medien in Tiflis hatten einen Rückzug des Teams am Samstag für wahrscheinlich gehalten. Das Nationale Olympische Komitee in der Hauptstadt verurteilte die russischen Angriffe auf Georgien scharf. „Zur gleichen Zeit, in der die Spiele in Peking mit einem Feuerwerk eröffnet wurden, musste Georgien mit Bombenangriffen auf viele seiner Städte leben“, hieß es.
Auch das Internationale Olympische Komitee (IOC) verurteilte die Gewalt im Kaukasus, sieht sich dem Konflikt aber machtlos gegenüber. „Das ist nicht das, was die Welt sehen will und entspricht sicher nicht der olympischen Idee“, meinte IOC-Sprecherin Giselle Davies. Es stünde dem IOC nicht zu, die Lage weiter zu kommentieren. Der olympische Frieden sei ein Ideal. „Wie das umgesetzt wird, ist Aufgabe der Vereinten Nationen.“
Zuvor hatte der russische Regierungschef Wladimir Putin überraschend Peking verlassen und war in die Konfliktregion gereist (lesen Sie dazu: Putin verteidigt russische Militärschläge).
Bei den Olympischen Spielen in Athen 2004 hatte Georgien durch den Judoka Zurab Zviadauri sowie den Gewichtheber George Asanidze zwei Mal Gold gewonnen und mit zwei weiteren Silbermedaillen im abschließenden Medaillenspiegel den 32. Platz belegt. 1996 in Atlanta hatte Georgien erstmals mit einer eigenen Mannschaft an den Olympischen Spielen teilgenommen.