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Mittwoch, 19. Juni 2013
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Olympia-Kommentar Spiele ohne Grenzen?

 ·  Kopf schütteln und Augen reiben ist für das Publikum zu einer olympischen Trendsportart geworden: Michael Phelps hat innerhalb von vier Tagen fünf Olympiasiege und fünf Weltrekorde geholt - und ist noch nicht am Limit.

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Als Michael Phelps am Mittwoch als erfolgreichster Olympionike dem Becken des Aquatic Center entstieg, schüttelte er den Kopf und rieb sich die Augen. Wenn uns der Amerikaner nach seinem zehnten und elften Olympiasieg damit etwas sagen sollte, dann ist die Botschaft jedenfalls gut angekommen. Kopf schütteln und Augen reiben ist für das Publikum schon lange zu einer olympischen Trendsportart geworden, wenn es darum geht, neue Rekorde zu begrüßen, die zwar in ihrer Unwiderstehlichkeit nach Eingang in die Geschichtsbücher verlangen, aber vielen Zeitgenossen nicht in den Kopf wollen. Einer der olympischen Sponsoren hat den Athleten in Peking ein T-Shirt mit der Aufschrift „I‘am from Earth“ zukommen lassen, und man fragt sich nach der Flut an Weltrekorden und Olympiasiegen, ob auch Michael Phelps es tragen darf.

Dass der olympische Sport bei der ungezügelten Pekinger Leistungsschau auch seinen neuen Leistungsbotschafter gefunden hat, passt ins Bild einer veränderten Sportler- und Funktionärswelt, die in diesen olympischen Tagen mit der Rekordfrage wieder in einer Unbefangenheit umgeht, die den Erfahrungen aus den Laboren so diametral und dreist gegenübersteht, dass es einem den Atem nimmt. Bei den Schwimmern steckt angesichts der Rekordflut in Peking nur der Zweifel in einer ziemlichen Konjunkturflaute.

Nur Leonidas von Rhodos ist noch besser

Michael Phelps hat innerhalb von vier Tagen fünf Olympiasiege und fünf Weltrekorde geholt und nebenbei auch noch vier Superstars hinter sich gelassen: die Turnerin Larissa Latynina, den Läufer Paavo Nurmi, den Schwimmkollegen Mark Spitz und den Leichtathleten Carl Lewis, die in ihren Dekaden je neun Goldmedaillen gewannen. Jetzt ist nur noch ein einziger Sportler dem Amerikaner voraus, wobei Leonidas von Rhodos bei seinen zwölf Olympiasiegen nur Gegner und keine Dopingkontrollen fürchten musste, weil er seine Triumphe im Stadionlauf, Doppellauf und Waffenlauf zwischen 164 und 152 vor Christus feierte.

Das waren Zeiten! Das sagt man bei Michael Phelps auch mit einem Seufzer, wenn man auf die gestoppte Zeit hinter seinem Namen auf der Anzeigentafel schaut. Er selbst will nie von Limits sprechen, weil die Begrenzungen, die man sich im Kopf setze, immer auch Wirklichkeit zu werden drohten. Seine Grenzen hat Michael Phelps zumindest bei diesen Spielen noch nicht erreicht. Acht Goldmedaillen sollen es in Peking insgesamt werden, und in der allgemeinen Phelps-Begeisterung rechnen die ersten Experten schon hoch, dass der 23 Jahre alte Ausnahmeathlet in vier Jahren in London auf insgesamt 25 olympische Medaillen kommen kann. Aber auch Spiele ohne Grenzen gehen mal zu Ende.

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Jahrgang 1965, Korrespondent für Sport in Berlin.

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