12.08.2008 · In Peking musste man bis zum vierten Wettkampftag auf goldene Momente deutscher Athleten warten. Die olympische Außenstelle Hongkong dagegen meldete pünktlich im ersten Wettbewerb doppelten Erfolg. Auf die Reiter ist halt Verlass.
Von Hans-Joachim LeyenbergIn Peking musste man bis zum vierten Wettkampftag warten auf die ersten goldenen Momente deutscher Athleten. Die olympische Außenstelle Hongkong dagegen meldete, wie erwartet, pünktlich im ersten Wettbewerb Erfolg: doppeltes Gold für Deutschland in der Vielseitigkeit. Auf die Reiter ist halt Verlass. Man muss kein Prophet sein, um vorherzusagen: Fortsetzung folgt.
Schließlich steht die deutsche Spezialität Dressur als Nächstes auf dem Hongkonger Programm. Und wenn nach den hochgeschlossenen Herrschaften mit Frack und Zylinder Springreiter die Zügel anziehen, kommt erfahrungsgemäß auch was bei rum für die Medaillenwertung. Es kostete die Deutsche Reiterliche Vereinigung einige Überzeugungsarbeit, bis sich ihre Elite mit Hongkong angefreundet hatte. Zu weit weg von Peking, wo die Musik spielt, lautete ein Einwand. Die größten Bedenken aber galten den klimatischen Bedingungen für die Vierbeiner. Sie sind nach dem ersten Praxistest unter Wettkampfbedingungen in Hongkong wie weggewischt. Das hat nicht etwa mit dem Goldglanz zu tun, der die Sinne vernebelte, sondern mit gesunden, rundum zufriedenen Vierbeinern im Stall.
Anfang gut, alles gut
Als die Entscheidung pro Reiten in der ehemals britischen Kronkolonie gefallen war, haben sich die Deutschen für eine pragmatische Lösung entschieden: Wenn schon, dann auch richtig, hatte Ludger Beerbaum als Parole für die Kavallerie ausgegeben. Ursprünglich hatte er vehement gegen Hongkong opponiert. Die Sorgen, wie es hinzukriegen sei, das Kapital Pferd nicht aufs Spiel zu setzen, sind seit Montag verflogen. Anfang gut, alles gut: Der Querfeldeinritt war der Prüfstein für alles, was noch kommt. Olympischer Reitsport in Hongkong ist machbar, ohne das Wohlergehen der Sportpferde auch nur ansatzweise aufs Spiel zu setzen. Die Voraussetzungen sind nicht schlechter, als sie es 1996 in Atlanta waren - eher besser.
Sollte es in Übersee, zumal in deutschen Breiten, immer noch Bedenkenträger geben, die um das Wohlergehen der edlen Geschöpfe fürchten, so sei ihnen verraten: Alle in Hongkong startenden Pferde haben zugenommen. Und zwar ordentlich. Bis zu dreißig Kilo, also bis zu sieben Prozent ihres Körpergewichts. Bei Stress hätten sie abgenommen.
Eigentlich wollte man die Segel-Wettbewerbe ausrichten
Als Gastgeber hat der Hong Kong Jockey Club alles getan, es den nahen Verwandten der Galopper in tropischer Zone so angenehm wie möglich zu machen. Auch die Gäste waren nicht untätig, sich auf die spezifischen Anforderungen für Zwei- wie Vierbeiner einzustellen. Hongkong hat sich mit dem hier weitgehend unbekannten Spartenprogramm arrangiert. Eigentlich wollte man ja die Segel-Wettbewerbe ausrichten. Doch Qingdao am Gelben Meer erhielt bekanntlich den Zuschlag.
Und siehe da, es werden Komplimente formuliert von Pferdeleuten, die sich vor anderthalb Jahren noch wie Chefkritiker anhörten. Wäre ja aus Sicht der Medaillensammler des Deutschen Olympischen Sportbundes auch jammerschade gewesen, wenn die deutsche Reiter-Elite nicht oder nur halbherzig nach China geflogen wäre.