03.08.2008 · Olympisches Großreinemachen oder Zufall? Kurz vor den Spielen werden viele namhafte Athleten aus dem Verkehr gezogen. Dabei zeigt sich: Doping ist kein reines Problem des Reichs der Mitte. Doch darauf kommt es eigentlich auch gar nicht an.
Von Jörg HahnIst das nun ein geplantes olympisches Großreinemachen oder nur ein passender Zufall? In kurzer Zeit werden viele und auch noch namhafte Athleten aus dem Verkehr gezogen, weil ihnen Doping nachgewiesen wird oder zumindest der Versuch, verräterische Tests zu verhindern, durch Bestechung von Kontrollpersonal, durch Vertauschen von Urinproben und andere miese Tricks. Die Dopingfahnder packen Werkzeuge aus, die potentielle Betrüger schockieren müssen.
Da werden eingelagerte Proben hervorgeholt, um einen Abgleich mit neugewonnenen Körperflüssigkeiten zu ermöglichen; da werden bislang nicht oder kaum zuverlässig nachweisbare Substanzen in den Laboren gerichtsfest aus Blut- und Urinproben herausgefiltert. Dabei fällt auf, dass die derzeitige große Enthüllungswelle den europäischen Sport ungleich stärker belastet als den asiatischen oder den nordamerikanischen. Die Sorge über eine chinesische Doping-Armada am Start der Wettbewerbe in Peking ist damit zwar nicht vom Tisch, doch die Verhältnisse sind wieder zurechtgerückt.
Erwischen muss man sie, die Panscher und Dealer
Doping ist kein reines Problem des Reichs der Mitte, wie das gerade in Deutschland Fernsehsendungen insinuiert haben. Es ist auch unsinnig, einen Wettbewerb eröffnen zu wollen, wo nun mehr oder weniger betrogen wird. Wichtig ist das Bewusstsein, dass Doping weltweit geächtet und verfolgt werden muss. Wenn es eine weltweite Kooperation gibt, spielt es keine zentrale Rolle, aus welchem Land die Rohstoffe kommen und wo sie zu verbotenen Mitteln verarbeitet und verkauft werden.
Erwischen muss man sie, die Panscher und Dealer, unabhängig von ihrer Herkunft. Und es scheint derzeit gar nicht schwer, sie dingfest zu machen. Denn was aktuell nachgewiesen wird, stammt nicht aus dem pharmakologischen Horrorkabinett der Zukunft; nein, es sind die alten, traditionellen Mittel, Epo, Anabolika, Diuretika. Was noch ins Auge sticht: Am Ende stecken Funktionäre, Trainer und Ärzte oft mit den Sportlern unter einer Decke – oder sind gar treibende Kräfte. Alles längst bekannt, aber immer wieder traurig.