10.08.2008 · Der Deutschland-Achter ist ein Boot der ungleich verteilten Gegensätze: Es steht 8:1 für die Großen, Starken und mittlerweile auch für die Jungen. Steuermann Peter Thiede - 1,68 Meter, 55 Kilogramm, 40 Jahre - hofft in Peking auf einen letzten großen Erfolg.
Von Evi Simeoni, PekingMit einer olympischen Medaille könnte der Deutschland-Achter seinem Steuermann einen großen Dienst erweisen. Nicht, dass Peter Thiede in seinen sechzehn Jahren an den Seilen nicht genug Trophäen gewonnen hätte. Er wurde allein dreimal Weltmeister. Doch mit einem letzten großen Erfolg könnte er freudigen Herzens nach den Spielen von Peking seinen Dienst quittieren und endlich Trainer werden. „Dann fiele mir der Schritt leichter“, sagt der 40 Jahre alte gebürtige Rostocker. Seit 1993 steuert er den Deutschland-Achter, hat schon so manche Crew kommen und gehen sehen, die ihn wiederum schon unzählige Male voller Freude ins kalte Wasser warfen. Steuermann-Schicksal.
Der Achter ist ein Boot der ungleich verteilten Gegensätze: Es steht 8:1 für die Großen, Starken. Thiede ist 1,68 Meter groß und wiegt 55 Kilogramm. Mittlerweile steht es im Deutschland-Achter aber auch 8:1 für die Jugend. Das liegt daran, dass der Steuermann naturgemäß der stabile Faktor im Boot ist. Zwar wurde kurz vor Olympia in einer Last-Minute-Aktion beinahe die ganze Mannschaft des Achters ausgewechselt - Thiede aber blieb wie immer.
Rechnung mit acht Unbekannten
Die Querelen zwischen dem alten Weltmeisterteam von 2006 und den nachdrängenden jungen Athleten haben allerdings auch ihn nicht gleichgültig gelassen. Er habe, sagt er, schon sehr früh festgestellt, dass sich Trainer Dieter Grahn mit seiner Stammformation verrannte und den Sinn für die realen Kräfteverhältnisse im Weltsport verlor. Als der Verband endlich eingriff, Grahn absetzte und die Ruderer auswechselte, entschied sich Thiede für das neue Team. Dass die Alten eine Zeitlang nicht mehr mit ihrem alten Weggefährten sprachen, hat ihm weh getan.
Das beste Mittel gegen die vergiftete Stimmung am Dortmunder Stützpunkt wäre ein Erfolg in Peking. Immerhin trifft der Deutschland-Achter in seinem Vorlauf nicht gleich auf Top-Favorit Kanada. Er muss sich mit dem Olympiasieger aus den Vereinigten Staaten sowie mit Großbritannien und China auseinandersetzen - nur der Sieger erreicht direkt den Endlauf. Erst dort wird der neu formierte Achter erfahren, wo er im Wettbewerb mit den Top-Nationen wirklich steht. Zurzeit stellt er noch eine Rechnung mit acht Unbekannten dar. Und mit einem alten Bekannten namens Peter Thiede.