13.08.2008 · Zwei Goldmedaillen für die deutschen Fechter innerhalb einer Viertelstunde: Sowohl Florettmann Benjamin Kleibrink als auch Britta Heidemann mit dem Degen haben bemerkenswert souverän gewonnen.
Von Michael Reinsch, PekingMit scharfer Klinge, guten Nerven und innerhalb von nur zwanzig Minuten haben sich Britta Heidemann und Benjamin Kleibrink am Mittwochabend in Peking zwei Goldmedaillen erkämpft. Britta Heidemann, die Degen-Weltmeisterin aus Leverkusen, schrie nach dem 15:11 über ihre rumänische Finalgegnerin Ana Branza ihre Freude heraus, dann lag sie sich mit Trainer Manfred Kaspar in den Armen. „Jeder wusste, dass ich gewinnen konnte“, kommentierte sie selbstbewusst ihren Sieg über die Rumänin Ana Branza. „Ich habe es getan.“
Kurz zuvor hatte Florettfechter Kleibrink im Finale kurzen Prozess mit Yuki Ota gemacht und den Japaner, der im Viertelfinale seinen deutschen Kollegen, Weltmeister Peter Joppich, aus dem Turnier geworfen hatte, mit 15:9 Treffern besiegt. Auch er machte sich mit einem Urschrei Luft, bevor er als Olympiasieger seinen Trainer Ulrich Schreck umarmte. „Ich bin zu kaputt, um lachen zu können“, stieß er noch zehn Minuten später hervor.
„Das war bombig heute“
„Der Benni ist ein Frechdachs, der sich seine Goldmedaille zu recht geholt hat“, freute sich dagegen Britta Heidemann für ihn mit. „Wir haben uns hier nach jedem Gefecht abgeklatscht, und wir werden auch gemeinsam feiern.“ Sie werden dabei in großer Gesellschaft gewesen sein, konnte die deutsche Olympiamannschaft am Mittwochabend doch ihre Goldmedaillen Nummer fünf und sechs verbuchen.
„Das war bombig heute“, freute sich Frechdachs Kleibrink dann doch, als er wieder Puste hatte. „Ich habe die Gegner echt weggeputzt.“ Vom Viertelfinale an sei er sicher gewesen, gewinnen zu können. So selbstbewusst, wie der Dreiundzwanzigjährige focht, äußerte er sich auch vor den Reportern. „Ich habe Talent“, sagte er. „Ich habe geglaubt, dass ich es tun kann, und ich habe es getan.“
„Ich war im Halbfinale kurz davor, zusammenzubrechen“
Die 25 Jahre alte Britta Heidemann gestand immerhin eine kleine Schwäche. „Ich war im Halbfinale kurz davor, zusammenzubrechen“, verriet sie; gegen die Chinesin Li Na, die sie seit einem Schüleraufenthalt in Peking 1999 kennt und die sie fechterisch eigentlich beherrscht, lag sie zunächst mit zwei Treffern zurück. „Da habe ich mir vorgenommen, im Finale erst mal in Führung zu gehen.“ Das gelang, sie gab ihren Vorsprung niemals ab.
Weltmeisterin Britta Heidemann, in Köln geboren, war vor den Olympischen Spielen in Peking eine der am meisten gefragten Sportlerinnen in Deutschland wie in China, in den Ausschüssen des Deutschen Bundestages, die sich mit Sport und Menschenrechten in China befassten wie bei dem Magazin „Playboy“.
Diplomarbeit über chinesisches Umweltrecht
Die Chinesen beeindruckt sie nicht nur durch ihre Größe von 1,80 Meter und ihr blondes Haar, sondern auch dadurch, dass sie fließend Mandarin spricht. Die Grundlagen legte sie beim Schulbesuch in Peking vor neun Jahren. Ihr Studium schließt sie derzeit mit einer Diplomarbeit über chinesisches Umweltrecht ab. Im Moment könne sie sich nicht schöneres vorstellen, als in ihrer zweiten Heimat Peking die Goldmedaille der Olympischen Spiele zu gewinnen.
„Sie ist eine ehrgeizige Sportlerin“, sagte sie entschuldigend über die gleichaltrige alte Bekannte Li Na, die sie weder beim Betreten der Bahn noch gar zum Abschied besonders grüßte. Dafür machte Gerritt Heidemann, ihr jüngere Bruder, mehr als deutlich, dass sie in China nicht allein kämpfte. In Deutschland-Jacke und mit Deutschland-Fahne feuerte er seine Schwester noch lautstark an, als er längst schon heiser war.
Das Publikum im Zaum gehalten
Auch Kleibrink besiegte im Halbfinale einen chinesische Gegner. „Abgezockt?“ wiederholte er, als er im Gefecht mit Zhu Jun mit 15:4 das Finale erreicht hatte. „Ich oder ich ihn?“ Beides traf zu. Abgezockt focht der Linkshänder, und damit kamen sein Gegner und dessen knapp zweitausend Fans nicht zurecht. „Ich hatte das Glück, dass ich gleich am Anfang zwei Chinesen so gut im Griff hatte, dass sich das Publikum im Zaum gehalten hat“, sagte der aus Krefeld stammende Sportstudent, der jetzt erster deutscher Olympiasieger mit dem Florett ist.
Mal aggressiv wie ein Pitbull, mal geduldig wie ein Angler, immer konzentriert wie ein Schach-Großmeister und noch dazu schnell wie eine Viper - mit der harmonischen Vereinigung solch gegensätzlicher Eigenschaften setzte sich der 1,74 Meter große Kleibrink am Mittwochabend in Peking durch. Sein Stil ist für einen Florettfechter ausgesprochen offensiv. Bei seinen Spezialstößen drängt er dicht an seinen Gegner und stößt entweder mit der vorher erhobenen Waffe zu oder scheint sogar über sein Ziel hinaus zu schießen, stößt dann allerdings mit dem Florett über die Schulter zu. „Das ist halt mein Stil“, sagt er zu seinem Umgang mit der leichtesten der Stichwaffen. Der spektakuläre Stoß über die Schulter war einst auch die Spezialität von Schreck, der Kleibrink wie Weltmeister Joppich trainiert.
„Hut ab vor Benni“
Auf die Frage, ob er denn vor seiner Reise nach Peking eingeschlagen hätte, wenn ihm jemand eine Silbermedaille garantiert hätte, antwortete Kleibrink entwaffnend: „Nein, das hätte ja bedeutet, auf die Goldmedaille zu verzichten. Die will ich.“ Vor drei Jahren noch Weltmeister der Junioren, gewann Kleibrink mit der deutschen Mannschaft im vergangenen Jahr in St. Petersburg den Titel. Im Einzel unterlag er nur seinem Mannschaftskameraden und späteren Weltmeister Peter Joppich. Er wurde Dritter.
„Ganz cool, wenn man auch einmal gegen so eine Kulisse kämpft“, meinte Kleibrink, als er es schon im Achtelfinale mit dem chinesischen Publikum zu tun bekommen, besser: es zum Schweigen gebracht hatte. Da besiegte er Lei Sheng 15:7. „Hut ab vor Benni“, lobte Trainer Schreck schon nach diesem Gefecht. Auch er ahnte, was von Kleibrink und Britta Heidemann zu erwarten war.
Dopingfreie Zonen
Joachim Mense (JMense)
- 13.08.2008, 20:03 Uhr
@ Joachim
Charalampos Dimoulis (Siegfrit.vLoittenburg)
- 13.08.2008, 20:32 Uhr
Glückwunsch
Oskar Geri (Oskar1a)
- 13.08.2008, 21:33 Uhr
Grandios!
Martin Winkler (MartWink)
- 14.08.2008, 01:30 Uhr
erstes Gold in florett?
bettina jung-stalmann (jungbet)
- 14.08.2008, 02:33 Uhr